"Die Fremde in Dir" Eine Frau sieht rot


Der Film "Die Fremde in dir" erzählt die Geschichte einer New Yorker Radiomoderatorin, die ihren Verlobten bei einen Raubüberfall verliert und daraufhin selbst zur Waffe greift. Das Beste an dem Rachethriller: Jodie Foster.

Die Radiomoderatorin Erica Bain liebt ihre Stadt New York - und wird sie doch bald fürchten. Denn eines Tages wird sie beim Abendspaziergang mit Verlobtem und Hund in einer Parkunterführung von drei Kriminellen überfallen und brutal misshandelt. Ihr Liebster wird dabei getötet, Erica überlebt mit knapper Not. Doch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist sie schwer traumatisiert. Ausgerechnet sie, die mit ihrem Mikrophon so gerne durch die Straßen zog, wagt sich kaum noch aus der Wohnung. Dann aber fasst die junge Frau einen Beschluss: Sie besorgt sich illegal eine Schusswaffe, um sich sicherer zu fühlen. Als sie bald darauf Zeuge eines mörderischen Ladendiebstahls wird, macht sie von dem Revolver in ihrer Handtasche Gebrauch und erschießt den Täter.

Es ist der Beginn eines ganz persönlichen Feldzugs gegen das Böse, den der Film "Die Fremde in Dir" zeigt. Mit der zweifachen Oscar-Preisträgerin Jodie Foster als Erica Bain und dem britischen Regisseur Neil Jordan weist die Thrillertragödie zwei berühmte Namen auf, die für ein besonderes Kinoerlebnis bürgen. Besonders die zierliche, aber stets so energisch wirkende Hauptdarstellerin Foster zeigt eine faszinierende Vorstellung, weil sie auf jeden Glamour und auf alle Schminktöpfe verzichtet. Dieses spitznasige, erschöpfte Gesicht einer an Leib und Seele tief verwundeten Frau wird dem Zuschauer noch lange in Erinnerung bleiben. Trotz Fosters Leistung, die ihr eine weitere Oscar-Nominierung sichern sollte, kann man nicht ganz über einige Fragwürdigkeiten der Handlung hinwegsehen. Denn im Grunde ist der Film eine Variante von Charles Bronsons Kinohit "Ein Mann sieht rot" aus dem Jahr 1974.

"Sie weiß genau, was sie tut und warum."

Bronson wie Foster verüben in ihren Rollen Selbstjustiz, die das Publikum nach dem, was den Hauptfiguren an Leid zugefügt wurde, bestens nachempfinden und sogar bejahen kann. Der Unterschied zwischen den beiden Schauspielern liegt allerdings nicht nur in Geschlecht und Alter, sondern darin, wie sie diese rechtswidrige Anmaßung, Kriminelle mit dem Tode zu bestrafen, plausibel machen. Bronson war dabei der "harte Hund", der ebenso verbittert wie gnadenlos Rache nahm. Foster ist dagegen die sensible, höchst skrupulöse, im Resultat allerdings ebenso unerbittliche Variante. Die Schauspielerin hat die Rolle einer Frau, die zur Waffe greift, gereizt: "Es war spannend, mich in ihr Innenleben, ihre Verwirrung hineinzuversetzen. Sie weiß genau, was sie tut und warum. Gleichzeitig staunt sie, was sie alles zustande bringt."

Überraschende Schlusspointe zwischen Rächerin und Polizist

Es gibt jedoch noch eine weitere interessante Figur in der Handlung, nämlich den schwarzen Polizeidetektiven Sean Mercer, mit sanftmütiger Lässigkeit verkörpert von Terrence Howard. Fosters hintergründiges Zusammenspiel mit dem zwei Köpfe größeren Howard ist mindestens ebenso sehenswert wie ihre Darstellung einer Frau mit zwei Gesichtern. Und für das Finale haben sich die Drehbuchautoren noch eine sehr überraschende Schlusspointe zwischen Erica und dem Polizisten, der dem Racheengel auf die Schliche gekommen ist, ausgedacht.

Regisseur Jordan, der schon viele herausragende Filme auf die Leinwände gebracht hat, ist bei "Die Fremde in Dir" in seinem Element: "Ich mag Figuren, die mit Problemen der Grauzone konfrontiert werden, die moralische Grenzen überschreiten." Die Radiomoderatorin Erica tut das in spektakulärer und abgründiger Weise. Bis auf einige allzu gefühlige Szenen im Anfangsteil ist der neue Film mit Jodie Foster für den einen Besuch wert, der auch einige sehr harte Gewaltszenen nicht scheut.

Wolfgang Hübner/AP AP

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