"Die wilden Hühner und die Liebe" Erste Küsse zwischen Wohnwagen und Baumhaus


Die Mädchenclique ist erwachsener geworden. Im neuen Film "Die wilden Hühner und die Liebe" strapazieren ausgerechnet erste Küsse und Flirts die Freundschaft zwischen den Mädchen.

Sie sind ein bisschen größer, ein bisschen ernster und schon ganz schön zickig. In "Die Wilden Hühner und die Liebe" schickt sich die Mädchenbande an, gemeinsam das Minenfeld der Pubertät zu betreten. Nach der erfolgreichen Verfilmung "Die Wilden Hühner" (2006) nach Cornelia Funkes drittem Hühner-Roman "Fuchsalarm" wird nun der fünfte und letzte Band der Bestseller-Reihe für die Leinwand adaptiert.

Und wie bei "Harry Potter" sind die Darstellerinnen mitgewachsen und plagen sich neuerdings mit ihren Hormonen herum. Plötzlich wird die Sache mit den Jungs zum wichtigsten Thema der Welt. Die Eltern, im Vorgängerfilm noch die Spaßbremsen Nummer 1, geraten angesichts der Scharmützel mit dem anderen Geschlecht in den Hintergrund. Die eitle Melanie, von Willi verlassen, knutscht haltlos mit anderen 'rum, Frieda trauert ihrem Freund nach, der weggezogen ist, Trude schwärmt für einen Schönling aus der Parallelklasse. Doch Wilma schießt den Vogel ab, als sie sich in ein Mädchen verguckt. Selbst das coole Oberhuhn Sprotte, das die Probleme der Freundinnen aus dem Off kommentiert und mit dem supernetten Fred den Hauptgewinn gezogen hat, wird von Eifersucht gebeutelt, als es Fred mit Nana Englisch lernen sieht.

Ein Flirt stellt die Clique vor eine Zerreißprobe

Die Wirrungen der Mädels spiegeln sich - das ist mittlerweile wie zum Beispiel im "Club der toten Dichter" schon ein Jugendfilm-Klischee - in Shakespeares Theaterstück "Ein Sommernachtstraum", das sie in der Schule aufführen wollen. Bei den Proben proben sie erste Umarmungen, und hinter den Kulissen gehen die Liebesgeschichten, wie etwa zwischen Wilma und Bühnenpartnerin Leonie, weiter. Das L-Wort wird zwar peinlich vermieden, aber als Melanie die arme Wilma übel angiftet, stellt der Flirt die Clique vor eine Zerreißprobe. Und als Sprotte plötzlich ihren bis dato unbekannten Vater trifft, gibt es erst recht Bedarf für Krisensitzungen im clubeigenen Wohnwagen.

Regisseurin Vivian Naefe behandelt die Nöte des Quintetts erneut mit Takt und Anmut und beweist ein gutes Händchen für die glaubwürdig agierenden Darstellerinnen. Zwar gibt es für die Hühner diesmal weniger zu gickeln, und mit einem Überfall von bösen, großen Jungs auf das Baumhaus, in dem die Hühner mit ihren Freunden eine Party feiern, wird's sogar richtig brenzlig. Doch der gelassene Film zeigt, wie Krisen gemeinsam gemeistert oder zumindest erträglich gemacht werden und wie die Solidarität der Mädchen auf dem steinigen Weg zum Erwachsenendasein für Verschnaufpausen sorgt.

Zwischen Klugscheißer und Kindsvater

Viel sagend ist dabei erneut der "erwachsene" Blick Sprottes auf ihre launische Mutter (Veronica Ferres als rasende Taxifahrerin), die hin- und her gerissen ist zwischen einem vernünftigen "Klugscheißer" und dem wieder auftauchenden Kindsvater, einem attraktiven, viel reisenden Fotografen (Thomas Kretschmann). Sprottes gemischte Gefühle für ihren Vater könnten ein weiteres Kapitel eröffnen, doch Funke lässt ihre Romanreihe wohlweislich enden, bevor die Hühner flügge werden. Und da die nostalgische Gemächlichkeit, die den Reiz der Bücher ausmacht, nur schwer mit dem Stress einer Handy-Teenagergeneration vereinbar sein dürfte, wird es wohl auch keinen dritten Hühner-Film geben.

Birgit Roschy/AP AP

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