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"Es begab sich aber zu der Zeit...": Heilige Babys weinen nicht

Die Weihnachtsgeschichte kommt ins Kino. Zum ersten Mal. Der Film erzählt von Maria und Joseph und ihrer Reise nach Bethlehem. Die größte Überraschung: Jesus kam ohne Nabelschnur zur Welt.

Von Heike Sonnberger

Die Geschichte kennen wir alle. Gott schwängert Maria, metaphorisch natürlich, Joseph führt sie auf einem Esel nach Bethlehem, um sich zählen zu lassen, das Kind kommt in einem Stall zur Welt. Die Weihnachtsgeschichte eben. Alle Jahre wieder inszeniert in Krippenspielen am Heiligen Abend. Und dieses Jahr auch zum ersten Mal für die Kinoleinwand.

Drehbuchautor Mike Rich wollte eine Geschichte erzählen, die in der Bibel höchstens angerissen wird. Die Evangelien von Lukas und Matthäus befassen sich kaum mit den Etappen der Reise von Joseph und Maria nach Bethlehem. Der gläubige Rich interessierte sich jedoch für "die sehr persönliche, intime Geschichte zweier ganz normaler Menschen".

Jesus ohne rote Flecken

Doch so ganz ohne Pathos ließ sich DIE Weihnachtsgeschichte scheinbar nicht inszenieren. Denn wie "ganz normale Menschen" wirken die Auserwählten nicht. Auf der Reise kommen sich die beiden näher, fügen sich aber stets keusch in ihre Rolle als Eltern des Erlösers. Nur selten lächelt Maria melancholisch. Und wenn sie spricht, dann bibeldruckreif. Die bleierne Filmmusik erstickt alle Anwandlungen, dass dies eine gewöhnliche Story sein könnte. Jede Szene ist bedeutungsschwanger musikalisch untermalt. Die wunderschönen Bilder hätten es gar nicht nötig gehabt.

Der Höhepunkt: Maria hält im Stall ihr Kind im Arm, umringt von Hirten und Weisen, beschienen vom Weihnachtsstern - die Einstellung könnte ein Ölgemälde sein. Und passend für ein Ölgemälde kommt Jesus auch ohne Nabelschnur und rote Flecken zur Welt und verschläft dann bis zum Ende des Films die Aufregung um seine Geburt. Heilige Babys weinen nun einmal nicht und bekommen erst recht nicht die Brust. Schade eigentlich.

Mit entblößten Brüsten hätte es der Film jedoch vermutlich nicht in den Vatikan geschafft. "Es begab sich aber zu der Zeit..." wurde als erster Kinofilm vor 7000 Zuschauern im Saal Paul VI. uraufgeführt. Dort empfängt der Papst sonst Pilger zur Audienz.

Trotzige Muttergottes

Eine Prise Humor verträgt allerdings auch der Vatikan: Die drei Weisen haben in Persien endlich den Code der Prophezeiung entschlüsselt und machen sich auf, um den Messias zu suchen - widerstrebend. "Ich brauche meine Datteln, meine Nüsse - und hier scheint der Stern doch genauso hell", jammert Balthasar. Und Caspar nörgelt an jedem Tag der Reise.

Die blutjunge Maria wird gespielt von Nachwuchsstar Keisha Castle-Hughes. Die 16-Jährige aus Neuseeland wurde für ihre Rolle in "Whale Rider" für einen Oscar nominiert. Ihre Maria fügt sich den Launen des Schicksals mit der Mine eines trotzigen Teenagers. Als ihr jedoch der Engel Gabriel erscheint und sie zur Muttergottes erkürt, meutert sie nicht, flieht sie nicht, heult sie nicht. Stattdessen kniet Maria fromm vor Gabriel nieder und bittet ihn, dass Gottes Wille geschehen möge.

Er geschieht, Maria erwartet ein Kind. Auch im richtigen Leben. Die neuseeländische Fangemeinde von Castle-Hughes prophezeit der schwangeren Schauspielerin bereits das Ende ihrer Karriere und fürchtet, dass ihre Niederkunft eine Schwangerschaftswelle unter jungen Maori-Mädchen auslösen könnte.

Gedreht wurde das Epos in Marokko und in der Gegend um die süditalienische Stadt Matera, in der Mel Gibson auch Teile seiner "Passion Christi" filmte. In einem Olivenhain baute das Produktionsteam das Dorf Nazareth nach. Die US-amerikanische Produktionsfirma New Line Cinema hat darin bereits Erfahrung: Sie war auch an den Dreharbeiten der Herr-der-Ringe-Trilogie beteiligt.

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