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"Firewall": Das Böse zu Haus

Harrison Ford spielt in einem lahmen Thriller einen Computer-Sicherheitsexperten, der alles im Griff zu haben glaubt. Doch es gibt in jedem System einen Schwachpunkt. Und der ist der Experte selbst.

Jack Stanfield (Harrison Ford) ist Sicherheitsexperte einer Bank in Seattle. Er wohnt in einem herrlichen Haus mit einer schönen blonden Frau (Virginia Madsen), zwei Kindern und einem Hund. Der böse Brite Bill Cox (Paul Bettany) bringt Stanfields Familie in seine Gewalt, um ihn zu zwingen, ihm von den Konten der Bank 100 Millionen Dollar zu überweisen. Stanfield muss kooperieren und um das Leben seiner Liebsten kämpfen.

Die Geschichte von "Firewall" klingt nicht gerade originell, tatsächlich hat der britische Regisseur Richard Loncraine des US-Thrillers vor knapp 20 Jahren selbst einen ähnlichen Streifen inszeniert ("Bellman & True - Gangster wider Willen"), von dem es wiederum eine Art US-Remake gab ("The Real McCoy", mit Kim Basinger). Ähnlich gingen auch die realen Gangster vor, die Ende Februar in Kent den größten Geldraub der britischen Geschichte hinlegten. Nun hat Hollywood immer wieder auch aus scheinbar ausgelutschten Plots spannende und sehenswerte Filme gemacht. Doch "Firewall" schafft es leider nur zum mäßig interessanten Popcorn-Movie.

Mitgefühl hält sich in Grenzen

Der Inszenierung mangelt es über weite Strecken an Tempo und - trotz reichlich Regens und Dunkelheit - an Atmosphäre. Das Mitgefühl des Zuschauers mit der gepeinigten Luxusfamilie hält sich in Grenzen, und auch häufiges Herumgetippe auf Computertastaturen sowie grün blinkende Displays helfen einer nach verheißungsvollem Beginn zunehmend konventionellen Dramaturgie nicht auf die Sprünge. Einen Fehlgriff erlaubten sich Loncraine und die Produzenten Armyan Bernstein und Jonathan Shestack ("Air Force One") mit der Besetzung der Hauptrolle.

Harrison Ford, kein Garant für Blockbuster mehr, wirkt im Alter von mittlerweile 63 Jahren und entsprechenden Knautschfalten als High-Tech-Computerfachmann mit einer viel jüngeren Frau und kleinem Sohn ziemlich unglaubwürdig. Schon häufig glänzte er als der gewöhnliche Amerikaner in ungewöhnlichen Situationen, diesmal funktioniert die Konstellation trotz aller schauspielerischen Routine nicht. "Beautiful Mind"-Star Bettany, im wahren Leben der smarte Mann an der Seite von Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly, gibt den kalten Fiesling da schon überzeugender. Virginia Madsen ist leider auf das Stereotyp der tapferen und hingebungsvollen Mutter reduziert, die ihre Kinder behütet.

Filmische Dutzendware

Zum Schluss verabschiedet sich der mit einem nervigen Soundtrack übergossene Streifen aus der White-Collar-Welt des High-Tech-Finanzbusiness. Gut und Böse treffen sich zum finalen Duell mit bloßen Fäusten in einer einsamen Hütte am See, wo wie einst im Wilden Westen der Pionier seine Familie vor Eindringlingen beschützt. Nein, "Firewall" ist nicht der Kultfilm der Google-Generation, sondern filmische Dutzendware.

Uwe Gepp/AP

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