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"Following": Folgenreiche Verfolgung

Der arbeitslose Bill wird von dem Kleinkriminellen Cobb zu Diebestouren in fremde Wohnungen angestiftet. Dabei verstrickt er sich in ein Netz aus Fallen und Intrigen, aus dem er sich nicht mehr befreien kann.

Der verträumte Möchtegern-Schriftsteller Bill (Jeremy Theobald) hat ein ungewöhnliches Hobby, mit dem er seine Tage als Arbeitsloser ausfüllt: Er verfolgt fremde Passanten. Ohne eine tiefere Absicht damit zu verbinden, geht er ihnen manchmal tagelang nach, bis er sich wieder neue "Opfer" ausguckt. Was zunächst wie ein harmloser Zeitvertreib aussieht, nimmt eine gefährliche Wendung, als Bill eines Tages an den Profi-Einbrecher Cobb (Alex Haw) gerät. Dieser bemerkt sofort, dass er verfolgt wird. Er spricht Bill darauf an und unterbreitet ihm das Angebot, ihn auf seinen Diebestouren zu begleiten. Bill findet an dem Ganovenleben und dem damit verbundenen Wohlstand schnell gefallen.

Als die beiden bei der geheimnisvollen Blondine (Lucy Russell) einsteigen, entsteht in Bill der Wunsch, sie auch persönlich kennenzulernen. Er nimmt seine Beobachtungszüge wieder auf, freundet sich mit der Schönen an und verliebt sich in sie. Doch es gibt Verwicklungen: Die blonde Frau ist mit einem Gangsterboss liiert. Zu spät bemerkt Bill, dass er sich in eine Sache verstrickt hat, aus der er nicht mehr herauskommt...

Minimaler Aufwand, maximaler Effekt

Mit einem Mini-Budget von nur 6000 Dollar hat Christopher Nolan ein intelligentes Krimistück im Stil des Film noir inszeniert. In eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern zaubert Nolan eine spannungsgeladene Atmosphäre auf die Leinwand, die in ihren besten Momenten, vor allem in seinem sparsamen Gebrauch von Mitteln und Informationen, an Hitchcock erinnert. Auch die Struktur trägt schon eine deutliche Handschrift: Schon 1998 in "Following" verwendet Nolan die später bei ihm zum Stilprinzip erhobene nicht-chronologische Erzählweise.

In seinem zweiten Film "Memento" hatte der britische Regisseur das Kunststück fertig gebracht, einen Thriller komplett rückwärts zu erzählen. Ganz so radikal ist sein Debüt zwar nicht geraten. Dennoch gewinnt der Film einen Großteil der Spannung daraus, dass der Protagonist Bill den Film in Rückblenden erzählt. So gelingt es ihm, den Zuschauer auf die falsche Fährte zu führen und verstärkt die Schlusspointe, die den Zuschauer wie Bill mit gnadenloser Härte trifft.

Sprung nach Hollywood

Mit unbekannten Darstellern gefilmt, konnte der mit einer Dauer von 69 Minuten erstaunlich kurze Thriller bereits auf mehreren Festivals Preise einheimsen. Dass der Film jetzt in die deutschen Kinos kommt, bietet die gute Gelegenheit, einen jungen Regisseur dabei zu beobachten, wie er mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielt. Eine weitere Chance wird es so schnell nicht geben: Derzeit dreht Nolan in Hollywood mit riesigem Budget den Blockbuster "Batman Begins". Die 6000 Dollar, die "Following" gekostet haben, dürfte er da an einem Vormittag verfrühstückt haben.

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