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"Historytainment-Show": ProSieben schickt C-Promis auf "Die Burg"

Zehn Fast-Promis müssen 16 Tage auf einer mittelalterlichen Burg im tiefsten Österreich verschiedene Aufgaben lösen. Um der Show den Anstrich von Bildung zu geben, nennt der Sender das Ganze "Historytainment".

Eine schreckliche Geschichte wird von der Burg Rappottenstein erzählt. Ende des 12. Jahrhunderts duellierten sich die Brüder Rapoto und Hadmar, die Söhne des Burg-Erbauers Rapoto von Kuenring, im Kampf um die schöne Wiltrud von Birkenstein. Beide erlagen nach dem Schwertgemetzel ihren Verletzungen. Ihre rastlosen Seelen haben bis heute keine Ruhe gefunden und spuken in einer vorher nicht angekündigten Nacht einmal im Jahr durch das alte Gemäuer. Wer dem Rüstungsrasseln der Geister lauscht, wird noch vor Jahresende sterben, heißt es hinter vorgehaltener Hand noch heute.

Die gut erhaltene mittelalterliche Festungsanlage im Herzen des österreichischen Waldviertels birgt viele Geschichten. Ein weiteres Kapitel wird der trutzigen Burg durch die modernen elektronischen Medien aufgedrängt. Der Münchner Privatsender ProSieben hat sich das auf Granit errichtete Gebäude, das sich seit 1664 im Besitz der Familie Abensperg-Traun befindet, ausgesucht, um von diesem Sonntag (22.25 Uhr) an 16 Tage lang die "Historytainment-Show" mit dem einleuchtenden Titel "Die Burg" zu drehen. Ein Aufwand für ProSieben, der "einem großen Sportereignis gleicht", sagt Produktionschef Martin Husmann von der Firma Blue Eyes.

Als Strafe in den Hungerturm

"Die Burg" ist für ProSieben der logische Anschluss an das Sommerfrische-Special "Die Alm" vom Juli 2004, als zehn Promis in Südtirol auf einer Berghütte vor Kälte bibberten, Kühe molken und Brot backten. Jetzt müssen wieder zehn mehr oder minder bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei eisigen Temperaturen im zugigen Burgbau zubringen. Fünf von ihnen werden in der ersten Ausgabe dem Adel zugewählt, fünf dem Pöbel, der Wasser schöpfen, Holz hacken, heizen, Essen kochen und gar die Plumpsklos sauber machen muss. Wer nicht kuscht, dem droht Strafe - zum Beispiel im Originalverlies oder gar im Hungerturm, in dem im Mittelalter unliebsame Zeitgenossen eingekerkert wurden, bis für sie Lösegeld gezahlt wurde - oder auch nicht.

Das Treiben der Fast-Prominenten ist nach Branchenschätzungen drei Millionen Euro teuer. Dafür hetzen bis zu 150 Mitarbeiter der Produktionsfirma Blue Eyes rund um die Uhr durch die frostigen Gewölbe, bereiten die täglichen Burgduelle vor, beobachten die Bilder, die aus 40 Kameras angeboten werden und verknüpfen die optischen und akustischen Signale jeden Abend von Montag bis Freitag um 20.15 Uhr zu einer Tageszusammenfassung, die nach den Hoffnungen von Christian Asanger, stellvertretender ProSieben- Unterhaltungschef, mindestens 15 Prozent der jüngeren Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren sehen sollen. TV-Praktikant Elton und ProSieben-Allzweckwaffe Sonya Kraus moderieren aus einem gut beheizten Holzhaus frei nach dem Motto: "Prominent im Kettenhemd".

Hohe Gagen für mindere Stars

An der Sendung nehmen unter anderem Prinz Frederic von Anhalt (angeblich 60.000 Euro Gage), Komikerin Tanja Schumann (12.800 Euro), "Big Brother"-Mitspieler Alexander Jolig (16.500 Euro) und Xenia Prinzessin von Sachsen (11.000 Euro) teil. Kanzlerbruder Lothar Vosseler hat seinen Einsatz ohne Angabe von Gründen abgesagt. Als weitere Kandidatin wurde Erotiksternchen Tina Angel (angebliche Körbchengröße 75 J) nachgemeldet. Ein weiterer Kandidat soll am Sonntag als Überraschungsgast in die Burg einziehen. Husmann sieht in der Sendung eine Innovation am Fernsehmarkt. Einen Vergleich mit anderen Prominentenshows wie etwa dem RTL-Spektakel "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" lässt er nicht zu. Dann sei er persönlich "beleidigt".

Vielmehr müsse der Prominente in der Burg im Gegensatz zu der Show im australischen Dschungel etwas leisten. In der Tat: Allein die Kälte und die mittelalterlichen Bedingungen sind kein Zuckerschlecken. Für ProSieben ist "Die Burg" für die weitere Entwicklung in diesem Jahr wichtig, denn die ersten Januar-Tage waren wiederum durch Rückschläge wie bei der Show "Mein neuer Freund" mit Christian Ulmen geprägt.

Ob Rapoto und Hadmar beim Quotenkampf von ProSieben auch mitmischen wollen, haben sie den Sender vorher nicht wissen lassen. Sie können sich das Ganze in Ruhe von oben angucken, denn Köpfe rollen im Privatfernsehen früher oder später auch ohne ihr Eingreifen.

Carsten Rave/DPA / DPA
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