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"In The Land Of Blood And Honey" Serben kritisieren Regie-Debüt von Angelina Jolie


Der Antikriegsfilm "In The Land Of Blood And Honey" stößt den Serben bitter auf: Sie kritisieren das Regie-Debüt von Angelina Jolie als "Hollywood-Schema in Schwarz-Weiß" und "stereotype Satanisierung der Serben". Einige sollen der Schauspielerin sogar gedroht haben.

"Eine stereotype Satanisierung der Serben", titelte die serbische Zeitung "Novosti" am zweiten Februarwochenende über das Regiedebüt von Angelina Jolie. Der Film "In The Land Of Blood And Honey" über den Bürgerkrieg in Bosnien (1992-1995) zeige die Serben im Licht "monströsester Taten", kritisierte auch das Staatsfernsehen RTS, als der Film bei der Berlinale groß Premiere feierte. Es gehe um Vergewaltigung, die Ermordung von Zivilisten oder die Tötung von Babys, die aus dem Fenster geworfen würden.

Jolies Regiedebüt erzählt die komplizierte Liebesgeschichte zwischen einer Muslimin (Zana Marjanovic) und dem Sohn eines bosnisch-serbischen Generals (Goran Kostic) in den Wirren des Krieges. Für den Film, der zahlreiche sehr brutale Szenen enthält, engagierte Jolie fast ausschließlich Schauspieler aus Ex-Jugoslawien.

Jolies Werk ist für viele Serben "ein Hollywood-Schema in Schwarz-Weiß, wo die einen immer die Guten und die anderen immer die Bösen sind". Viele Serben erinnern daran, dass neben den Muslimen auch tausende Serben getötet wurden. Es habe sich eben um einen Bürgerkrieg gehandelt, in dem die Seiten nicht immer sauber zu trennen waren.

Der Film wird als Bestätigung der alten muslimischen These empfunden, die Serbenrepublik in Bosnien-Herzegowina sei auf Völkermord gegründet. Nach dieser Lesart existiert die aktuelle serbische Landeshälfte in Bosnien mit ihrer fast grenzenlosen Selbstständigkeit zu Unrecht und muss aufgelöst werden.

"Angie, zieh Leine!"

Der serbische Starregisseur Emir Kusturica empfahl der Amerikanerin Angelina Jolie, sich um die Missetaten ihres eigenen Volkes zu kümmern und einen Film über die Verbrechen in Afghanistan und im Irak zu drehen.

"Ich werde nicht nach Serbien kommen, weil ich mich unerwünscht fühle", sagte Jolie vergangene Woche der Belgrader Zeitung "Press". "Viele drohen mir und meiner Familie", begründete sie ihren Standpunkt. Mitte Januar hatte das Boulevardblatt "Kurier" getitelt: "Angie, zieh Leine!"

Viele Serben kritisieren, die Opferzahlen in dem Film seien aufgebläht worden. Es habe gar nicht so viele Massenvergewaltigungen und Zivilistenmorde gegeben. Außerdem hätten die nicht ausschließlich Serben begangen, sondern auch Muslime.

Die Fakten sind nüchtern: 100.000 Tote sind bisher namentlich identifiziert worden. Die überwältigende Mehrheit waren Muslime. Die größten Missetäter, die das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag bislang verurteilt hat, waren mehrheitlich Serben.

kave/DPA/AFP DPA

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