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"Jagdfieber": Die Jagdsaison ist eröffnet

Jedes Jahr wird der Wald von Jägern heimgesucht, doch diesmal schlagen die Tiere mit Brutalität zurück. Die Komödie "Jagdfieber" schafft es nicht, der Fährte von "Findet Nemo" zu folgen.

Von Svenja Friedrich

Nach einem Jahrzehnt digitaler Charaktere für Filme wie "Stuart Little" haben nun auch die Sony Pictures Animation-Studios den Sprung in die Welt der 3D-Animationsfilme gewagt. Mit "Jagdfieber" wollen sie die Zuschauer unterhalten und begeistern. Die Stars des Films sind ein gigantischer Grizzlybär und ein schmächtiger Hirsch, dessen Geweih zu Bruch gegangen ist. Begleitet werden sie von Dutzenden von animierten Wildtieren - darunter Eichhörnchen, Biber und massenhaft Kaninchen. Unter der Regie von Roger Allers ("Der König der Löwen") und Jill Culton ("Die Monster AG") geht es in der computeranimierten Komödie "Jagdfieber" um das Überleben im Wald und vor allem um Freundschaft.

In der deutschen Version sorgen die Stimmen von Florian Heinze (als Naivling Boog), Jürgen Vogel (als listiger Loser-Hirsch Elliott) und Alexandra Neldel (als Klammer-Mama Beth) für Lebendigkeit.

Bär und Hirsch als Team

Star des Films ist der 900 Pfund schwere Grizzlybär Boog. Bei Fernseher, kuscheligem Bett und Teddybär wuchs er wohlbehütet bei Rangerin Beth auf und sehnt sich überhaupt nicht nach dem Leben in der Wildnis. Bei Auftritten auf der Waldbühne des Ortes ist Boog Publikumsliebling. Das süße Leben wird aber durch einen schmächtigen, wild lebenden Hirsch aus den Fugen gebracht. Zusammen machen Boog und Elliott die kleine Stadt Timberline unsicher und aus Beths Wildhüter-Show ein Desaster. Da beschließt die Rangerin, dass Boog nun alt genug für ein eigenes Leben ist und setzt die beiden Draufgänger im Wald aus. Eine heikle Sache, denn die Jagdsaison hat begonnen. Und die Jäger wollen nichts lieber, als ihre Trophäensammlungen mit Bärenpelz und Hirschgeweih zu erweitern. Doch diesmal schlagen die Tiere - angeführt von Boog und Elliott - zurück.

Krieg im Wald

"Jagdfieber" baut auf einen hintergründigen, fast anarchischen Humor, der auf Ideen des Cartoonisten Steve Moore basiert. Der Trumpf des Films sind die ausgefeilten Charaktere von Boog und Elliott sowie die pfiffigen Waldbewohner mit ihren Eigenarten. Ein Trupp Eichhörnchen ("Keine Jokes mit den Puschel-Grenadieren!"), zwei französische Flugenten als Überlebende eines Jagdmassakers, berlinernde Stinktiere und Arbeitsbiber bieten Gelegenheiten für herzhafte Lacher. Vor allem in Bezug auf Klo-Humor zeigt "Jagdfieber" einiges. Jedenfalls ist Disney nie soweit gegangen. Nie hat die Kamera gezeigt, wie Micky Maus seine Notdurft verrichtet. Ganz anders "Jagdfieber"! Hier hat Elliott keine Hemmungen und um Boog herum ist sogar eine ganze Szene gebaut, wie er sich hinter einen Busch hockt.

Mehr zum Film

Titel

Jagdfieber

Regie

Roger Allers, Jill Culton

Verleih

Sony Pictures

Produktionsland

USA 2006

Länge

86 Minuten

FSK

ohne Altersbeschränkung

Filmstart

9. November

Website

www.jagdfieber-derfilm.de

Schade ist nur, dass der Film nach ungefähr 30 Minuten beginnt, sich selbst zu wiederholen. Elliott und Boog verlieren den Weg und ziehen orientierungslos durch den Wald. Mit jedem neuen Kreis werden auch dieselben Witze wiederholt. Auch die innige Botschaft von Freundschaft hält nicht den ganzen Film durch. "Jagdfieber" steigert sich letztlich zu einem Krieg zwischen unschuldigen Wildtieren und blutdürstigen Jägern. Um zu überleben, schrecken die Tiere unter der Führung von Boog und Elliott vor fiesen Tricks nicht zurück - frei nach dem Motto: Ihr wollt Wildnis, hier ist sie! Natürlich fließt kein Blut, doch "Jagdfieber" schreckt nicht vor gewalttätigen Szenen zurück. So sprengt ein Biber einfach Jeeps in die Luft und Kaninchen greifen mit Messern und Gabeln an. Wenn sich die lieben Kuscheltiere in grausame Monster verwandeln, fängt manch kleines Kind an zu weinen.

Das Problem "Fisch außerhalb des Wassers"

Die Idee von "Jagdfieber" könnte gut funktionieren, wenn der Film nicht Ewigkeiten brauchen würde, bis der Kampf im Wald beginnt. In der Zwischenzeit langweilen sich erwachsene Zuschauer bereits zu Tode. Natürlich gibt es einige gute Szenen in "Jagdfieber". Doch der Film versäumt es, auf diesen aufzubauen, und entwickelt sich kaum weiter. Später erinnert man sich nicht an das Wildtier, das einem Jäger die Unterwäsche auszieht, sondern an das ungeduldige Hin- und Herrutschen auf dem Kinosessel.

In weiteres Manko von "Jagdfieber" ist, dass der Zuschauer bereits bei Filmbeginn das Gefühl hat, die Story zu kennen. Immerhin handelt es sich auch um ein typisches Mainstream-Exemplar des Genres "Tiere auf der Reise von A nach B" und "Fisch außerhalb des Wasser". Jene Art von Story zeigten schon computeranimierte Vorgänger wie "Madagaskar" (2005) oder "Tierisch Wild" (2006).

Letztlich ist "Jagdfieber" nur ein weiterer Film von computergenerierten Tieren, die sprechen können. Auf den Spuren der Meisterwerke der Animationskunst wie "Findet Nemo" oder "Shrek" versucht der Film beharrlich zu folgen, verhaspelt sich dabei jedoch tierisch.