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"Keine Zeit zu sterben" "Echtes Kinodesaster" oder "Ankunft in der Gegenwart": Das sagen die Kritiker über den neuen Bond

"James Bond: Keine Zeit zu sterben"
In "Keine Zeit zu sterben" spielte Daniel Craig zum fünften und letzten Mal den Geheimagenten James Bond.
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Ist es der beste Bond, wie Daniel Craig findet? Oder merkt man dem Film die 163 Minuten an? So urteilt die Presse über "Keine Zeit zu sterben".

Für Daniel Craig steht das Urteil fest: "Es ist mein bester", sagte der James-Bond-Darsteller kürzlich über seinen fünften und letzten Einsatz als Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät. Ein Urteil, das manche Kritiker teilen - aber bei weitem nicht alle.

Geradezu entsetzt zeigte sich Wolfgang Höbel auf "Spiegel Online": "Zwei Stunden und 43 Minuten dauert der Film, von dem man sagen darf, dass er auch gefühlt keine Minute kürzer ist." Einerseits werde die Vermenschlichung des Helden zu neuen Exzessen getrieben, wenn Bond als gefühlszermürbter Weichling vorgeführt wird, andererseits wolle Regisseur Fukunaga über weite Strecken doch bloß rasanten Actionkrawall bieten. "Unterm Strich ist dieser Film ein Dokument der Konfusion – und ein echtes Kinodesaster", so sein radikales Resümee.

"Ein klassischer Bond-Film"

Deutlich milder bewertet Verena Lueken das Werk: "Ein klassischer Bond-Film, nur deutlich länger (fast drei Stunden), und also mit mehr von allem", schreibt sie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Unter der Regie von Cary Joji Fukunaga läuft es wie am Schnürchen, ohne größere Durchhänger und in einem Rhythmus, der den Figuren gerade noch Zeit zum Atmen gibt."

Eine merkwürdige Parallelität von rasender Action und einer Behäbigkeit in den Dialogen und Monologen sieht Jan Kedves. "Immer wenn aufs Gas getreten, geballert, geboxt wird, immer wenn es darum geht, sich von Brücken abzuseilen und sich mit einem letzten Quantum Sauerstoff in der Lunge aus einem sinkenden Schiff frei zu schwimmen, kann man im Kino nicht klagen, dann hat der Film ein gutes Tempo" schreibt Jan Kevdes in seiner nicht ganz spoilerfreien Kritik auf "Zeit-Online". "Andererseits wird dazwischen immer ein bisschen zu viel, zu ausführlich geredet."

Regisseur Fukunaga schaffe in einigen Punkten Tatsachen, die unmissverständlich auf das Ende einer Ära hindeuten, schreibt Andreas Busche im "Tagesspiegel". "Und zwar nicht bloß hinsichtlich der Frage, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht James Bond künftig haben sollte." Die Ära Craig sei der richtige Zeitpunkt für einen so radikalen Schnitt. "Er hat James Bond in der Gegenwart ankommen lassen."

Endlosschleife der ewigen Virilität und Kampfkraft

Für Tobias Kniebe ist das eigentliche Thema des Films die Sinnlosigkeit von James Bonds Tun: "Klar ist aber wie immer, dass Bond in einer Endlosschleife gefangen ist. (...) Bond muss dieselben Dinge immer wieder erleben", schreibt er in der "Süddeutschen Zeitung". Doch 007 ist müde geworden: "Da sitzt ein Mann, der nicht mehr mag. Der darum bittet, aus der Endlosschleife der ewigen Virilität und Kampfkraft und Unbesiegbarkeit entlassen zu werden, aus der Wiederkehr des Immergleichen, die eben nicht nur das Paradies sein kann. Sondern auch die Hölle."

Eine Sichtweise, die auch vom stern geteilt wird: "In einer Zeit, da die Klimakatastrophe die Menschheit eingeholt hat, erkennt auch James Bond, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass die alten Verhaltensmuster und Rollenbilder nicht mehr funktionieren", heißt es auf dieser Seite. "Doch die Welt hat sich verändert, und mit ihr die Menschen: Das hat Daniel Craig auch im Laufe seiner fünf Filme erkannt - und daraus seine Schlüsse gezogen."

che

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