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TV-Kritik

"Babylon Berlin" auf Sky: Eine Reise in die Abgründe der deutschen Seele

Im Berlin des Jahres 1929 ist der Kommissar Gereon Rath einer Verschwörung auf der Spur. Die Serie "Babylon Berlin" liefert ein Sittenbild der Goldenen Zwanziger und wirft einen tiefen Blick auf seine Schattenseiten.

Babylon Berlin

Szene aus "Babylon Berlin": Im Club Moka Efti werden die wildesten Partys gefeiert.

Dieser Serie eilt ein Ruf voraus. Lange, bevor die ersten Bilder zu sehen waren, galt "Babylon " als teuerste deutsche Produktion aller Zeiten. 40 Millionen Euro sollen die 16 Folgen verschlungen haben. Seit der Veröffentlichung des ersten Trailers kommt noch ein weiteres Attribut hinzu: Als "sündig, sexy und sauteuer" beschreibt "ntv" die Serie. "So versext wird 'Babylon Berlin'", schnappatmet der "Berliner Kurier".

Wer jetzt eine Orgie aus Sex und Gewalt befürchtet, kann sich getrost zurücklehnen: " Berlin" ist nichts von alledem. Es ist zuallererst eine eigenständige, typisch deutsche Serie, die über eine spannende Story und starke Charaktere verfügt - und dabei immer die deutsche Geschichte im Auge behält. Wer will, kann aus den Folgen auch Entstehungsgründe für den Nationalsozialismus herauslesen.

"Babylon Berlin" erzählt aus der deutschen Geschichte

Im Zentrum der auf Volker Kutschers Bestseller "Der nasse Fisch" beruhenden Geschichte steht der Kölner Kommissar (Volker Bruch). Der hat sich nach Berlin versetzen lassen, um einen komplizierten Fall aufzuklären: Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer wird mit erotischen Fotos erpresst - die Drahtzieher werden in Kreisen der Berliner Mafia vermutet. So heuert Rath bei der Sitte an, wo er an der Seite des hemdsärmeligen Oberkommissars Bruno Wolter (Peter Kurth) die Berliner Bordell- und Porno-Szene durchleuchtet. Im Polizeirevier am Alexanderplatz arbeitet auch die aus einfachsten Verhältnissen stammende Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die im Berliner Nachtleben den Lebensunterhalt für ihre Familie verdient.

TV-Serie: Schöne Frauen, fiese Gauner, wilde Partys - so ist "Babylon Berlin"
Babylon Berlin

Es gilt als die teuerste deutsche Serie aller Zeiten: An diesem Freitag feiert "Babylon Berlin" auf Sky seine Premiere. 40 Millionen Euro sollen die 16 auf den Bestsellern von Volker Kutscher basierenden Folgen gekostet haben. Um das zu stemmen, haben sich ganz neue Allianzen gebildet: So arbeitete die öffentlich-rechtliche ARD erstmals mit dem Pay-TV-Sender Sky zusammen. Für Drehbuch und Regie waren Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries verantwortlich.

Die Kriminalgeschichte ist der erzählerische Rahmen, spannend ist, was "Babylon Berlin" daraus macht: Die Serie entwirft ein beeindruckendes Panorama vom Berlin der 20er Jahre. Von der Mode, dem Hedonismus und den glamourösen Partys jener Epoche. Aber auch von der bitteren Armut, von den harten politischen Auseinandersetzungen, die auf den Straßen der deutschen Hauptstadt tobten. Es sind beeindruckende Bilder, mit denen die Serie eine vergangene Epoche wiederauferstehen lässt. Und sie ist bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. In kleineren Rollen sind Matthias Brandt, Lars Eidinger, Misel Matičević, Fritzi Haberlandt, Thomas Thieme und Jördis Triebel zu sehen.

Im Berlin der Goldenen Zwanziger

Geschickt webt der Mehrteiler (Buch und Regie: Tom Tykwer, Achim von Borries, Hendrik Handloegten) wahre historische Begebenheiten in die Handlung ein. Etwa die als "Blutmai" in die Geschichtsbücher eingegangenen Straßenschlachten vom 1. bis 3. Mai 1929, als die Berliner mit äußerster Brutalität gegen die Teilnehmer einer nicht genehmigten Demonstration vorgingen.

Auf der ästhetischen Ebene erweist "Babylon Berlin" dem Weimarer Kino seine Reverenz, das damals die Ängste seiner Epoche mit "Das Cabinet des Dr. Caligari", "Nosferatu" oder Fritz Langs "Dr. Mabuse"-Filmen auf Leinwand bannte.

Viele deutsche Regisseure wanderten in den 30er Jahren nach Hollywood aus und wurden dort zu Mitbegründern des Film noir, der von den des Kapitalismus erzählt und seine Geschichten von Verlierern und Außenseitern mit düsteren Bildern ausleuchtete.

Gereon Rath ist ein einsamer Held

In "Babylon Berlin" kehrt diese Filmtradition jetzt zurück zu seinen Ursprüngen: In das Berlin der Weimarer Republik. Die Hauptfigur Gereon Rath ist ein Noir-Held, wie er im Buche steht: ein einsamer Wolf, von tiefen Ängsten geplagt und dazu noch Morphium-süchtig. Einer, der sich in einer feindlichen Umwelt zurechtfinden muss, dabei aber immer aufrecht bleibt. Auch Charlotte Ritter ist ein anständiger Charakter, durch ihre Verstrickungen ins Berliner Nachtleben bekommt sie jedoch Züge einer Femme fatale. 

Im Ausland scheint diese Art von deutscher Filmgeschichte bestens anzukommen. Die Serie ist bereits in 60 Länder verkauft. Jetzt muss nur noch das hiesige Publikum anbeißen. Es lohnt sich: "Babylon Berlin" gehört zu den spektakulärsten deutschen Serien der letzten Jahre.

"Babylon Berlin" ist ab Freitag, 13. Oktober, auf dem Py-TV-Kanal Sky 1 zu sehen. Die 16 Teile werden immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen ausgestrahlt. Alle Episoden am Stück stehen ab dem 24. November bereit. Wer kein Pay-TV-Abo hat, muss sich etwas gedulden: Erst 2018 läuft die Serie in der ARD.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo