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TV-Kritik

"Unsere wunderbaren Jahre": Der schwere Neuanfang nach dem Krieg - darum sollten Sie den ARD-Dreiteiler einschalten

Der ARD-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre" erzählt von den Nachkriegsjahren in einer westfälischen Kleinstand - und zeigt, dass es eine Stunde Null nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gab.

"Unsere wunderbaren Jahre"

Szene aus dem ARD-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre": Ulla Wolf (Elisa Schlott) besucht Tommy Weidner (David Schütter) in Ost-Berlin.

ARD

Für viele ist die Corona-Pandemie die schlimmste Krise, die sie bislang erlebt haben. Menschen älteren Semesters können da nur müde lächeln: Wer den Zweiten Weltkrieg und den Zusammenbruch am eigenen Leib erfahren hat, weiß, dass es schlimme Phasen in der deutschen Geschichte gegeben hat.

So ist es vielleicht gar nicht so unpassend, dass ab diesem Mittwoch der ARD-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre" ausgestrahlt wird, der auf dem ersten Teil des gleichnamigen Bestsellers von Peter Prange basiert.

Die Geschichte spielt in der westfälischen Kleinstadt Altena bei Lüdenscheid und setzt ein kurz vor der Währungsreform im Jahr 1948. Erzählt wird die Geschichte einer Fabrikantenfamilie. Vater Eduard Wolf (Thomas Sarbacher) ist bei den britischen Besatzern hoch angesehen, weil er im Krieg keine Waffen, sondern nur harmlosen Draht produziert hat und bekommt deswegen wichtige Aufträge. Seine Frau Christel (Katja Riemann) führt daheim ein eisernes Regiment. Die drei Töchter machen auch nicht nur Freude: Anstatt den Betrieb ihres Vaters zu übernehmen, möchte Ulla (Elisa Schlott) viel lieber Medizin studieren. Gundel (Vanessa Loibl) wäre für diese Aufgabe viel besser geeignet, doch ihr Vater ignoriert sie. Und Margot (Anna Maria Mühe) hat sich mit der Familie überworfen, weil sie einen überzeugten Nazi geheiratet hat.

"Unsere wunderbaren Jahre" spielt in Altena

Am Beispiel dieser Familie entfaltet der Dreiteiler ein vielschichtiges Panorama vom Nachkriegsdeutschland. "Unsere wunderbaren Jahre" erzählt von dem märchenhaften Wirtschaftswunder, aber auch der Armut und dem Elend, das zunächst geherrscht hat. Von Verdrängung und Schweigen über die Hitler-Jahre. Von Aufbruch und Restauration. Über weite Strecken sind die drei Filme sehr düster geraten, was sich insbesondere in den Bildern zeigt (Kamera: Felix Novo de Oliveira; Regie: Elmar Fischer) und die Stimmung jener Jahre widerspiegeln soll.

Wie bei derartigen Filmen üblich geht es auch hier um Liebe. Ulla Wolf steht zwischen zwei Männern: ihrem Jugendfreund Jürgen (Ludwig Trepte) und dem mit dem Kommunismus sympathisierenden Arbeiter Tommy (David Schütter), der zwischenzeitlich nach Ost-Berlin auswandert - wodurch der Film auch ein wenig DDR-Geschichte erzählt.

"Unsere wunderbaren Jahre" passt perfekt in die Reihe bislang gesendeter Mehrteiler von ARD und ZDF, schlägt er doch zeitlich eine Brücke zwischen der Tragödie von "Unsere Mütter, unsere Väter" und dem aufkommenden Optimismus in "Ku'damm 53". Mit Elisa Schlott und David Schütter weist die Produktion zudem zwei unverbrauchte Schauspielgesichter auf, die ein tolles Filmpaar abgeben. 

Die ARD sendet "Unsere wunderbaren Jahre“, am Mittwoch, 18. März, Samstag, 21. März und Mittwoch, 25. März,  ab 20.15 Uhr.