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Leidenschaft für Flugzeuge Schauspieler Ludwig Trepte: Am liebsten mit 65.000 PS über den Wolken

Ludwig Trepte im Cockpit einer Fiat G91 Gina. Der Berliner Schauspieler büffelt gerade für seine Privatpiloten-Lizenz. Solche Jets zu fliegen, wäre ein Traum für ihn.
Ludwig Trepte im Cockpit einer Fiat G91 Gina. Der Berliner Schauspieler büffelt gerade für seine Privatpiloten-Lizenz. Solche Jets zu fliegen, wäre ein Traum für ihn.
© Henry Lübberstedt
Ludwig Trepte nennt sich selbst einen Getriebenen. Nun treibt es ihn ins Cockpit. Ein Ort, an dem es schnell brenzlig werden kann, wie er bei einer seiner ersten Flugstunden erfahren musste.
Von Henry Lübberstedt

Es ist kalt, grau und windig. Ein Wetter zum Reingehen. Ludwig Trepte bleibt. "Ich muss hier erst einmal ankommen. Flugplätze haben doch immer etwas ganz besonderes", sagt er und schreitet mit großen Augen die Front längst stillgelegter Düsenjets ab. Vorbei an der mächtigen F-4E Phantom, der F-84 aus den Unterschall-Anfangsjahren der Luftwaffe, dem Schwenkflügler Mig-23 und der massigen Su-22 "Fitter" in den knalligen Farben Mecklenburg-Vorpommerns.

Treptes Augen leuchten. Die Typenbezeichnungen kennt er nicht. Das ist nebensächlich, ihm geht es um die Faszination des Fliegens. Seit einem Jahr büffelt der Berliner Schauspieler für seinen PPL, die Lizenz für Privatpiloten. Die Theorie hat er schon geschafft, dieses Jahr wird die praktische Prüfung folgen. Eben darum wollte er sich hier treffen, hier im Museum der Luftwaffe auf dem stillgelegten Flugplatz Gatow westlich von Berlin. 

Die Außenstelle des Militärhistorischen Museums in Dresden beherbergt eine der größten Sammlungen militärischen Fluggeräts in Europa. Auf einer Fläche von rund 100 Hektar stehen 216 Flugzeuge, die meisten davon nicht in der Ausstellung, sondern eingelagert in acht riesigen Hangars. Als Technikmuseum versteht sich Gatow dennoch nicht, sondern als eines der Luftfahrt-Zeitgeschichte. 

Ludwig Trepte blickt durch da Visier einer Fiat G91
Augen geradeaus. Als jüngster von vier Brüdern musste der Berliner Schauspieler nicht zum Bund. 
© Henry Lübberstedt

Historischer Rundschlag: vom Doppeldecker bis zum Tornado

Im Hangar 3 kreist uns die Geschichte in Form von Flugzeugnasen ein. Der Zirkel beginnt mit den Anfängen der Fliegerei, daran anschließend der Erste Weltkrieg mit seinen vermeintlichen Helden Richthofen und Immelmann, es folgt der Zweite Weltkrieg mit einer auf Stelzen ruhenden Heinkel 111, aus deren Schächten 50-Kilo-Bomben fallen, es geht über in den Kalten Krieg mit den großen Kontrahenten Mig-15 und F-84 Sabre. Eine Mig-29 in Bundeswehrfarben steht für die Wiedervereinigung und die Panavia Tornado für den ersten scharfen Auslandseinsatz der Bundeswehr in Jugoslawien 1991.

Als Jahrgang 1988 hat Ludwig Trepte keine dieser Zeiten selbst erlebt. Doch vertraut sind sie ihm dennoch, beruflich Der 31 Jährige ist, könnte man sagen, auf zeitgeschichtlichen Stoff abonniert. Erst kürzlich stand er für die ARD  "Unsere wunderbare Jahre" vor der Kamera, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Peter Prange über die Wirtschaftswunderzeit bis zur Einführung des Euro. Er gibt den Jürgen, im Buch ein eher bemitleidenswerter Charakter. Trepte blickt erstaunt. "Das ist der Jürgen im Film überhaupt nicht! Er wurde in weiten Teilen umgeschrieben und aus Versatzstücken anderer Protagonisten neu zusammengesetzt. Eine wunderbare Rolle", schwärmt er.  

Ludwig Trepte: Bei drei Brüdern brauchte der vierte nicht zum Bund

Die Ära des Kalten Krieges bei der Bundeswehr erlebte er schauspielerisch an der Seite von Jonas Nay im Spionage-Thriller "Deutschland 83". Trepte selbst wurde nicht gezogen. "Ich habe drei Brüder, als Vierter musste ich nicht zum Bund. Wehrgerechtigkeit hieß das. Einer sollte der Mutter schließlich nach einem Krieg erhalten bleiben", kommentiert er trocken das Wehrpflichtgesetz, entstanden aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs. Mit dem musste sich er sich für seine wohl bekannteste Rolle auseinandersetzen. Im international erfolgreichen "Unsere Mütter, unsere Väter" durchlitt er als deutscher Jude Viktor Goldstein das Grauen des Holocaust. Um sich in die Rolle hineinzufühlen, hatte er 2012 das Drehbuch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gelesen. "Rückblickend kommt mir das vermessen vor, als könnte man sich überhaupt irgendwie dem Leiden der Menschen von damals näheren", erinnert er sich.

Krieg hautnah: In Syrien unterwegs für das Rote Kreuz

Schauspieler täten eben nur so als ob. Und so realistisch es anschließend auf der Leinwand wirke, es fließe künstliches Blut, es seien künstliche Trümmer und demolierte Hausfassaden aus Sperrholz. Wie sich dagegen die Realität anfühlt, habe er in Syrien erlebt. "Ich war in Homs und Damaskus als Botschafter des Deutschen Roten Kreuzes. Diese Zerstörungen, das Leid der Menschen, das war erschütternd, ganz schwer fassbar. Eines Abends saß ich dann in einem edlen Restaurant nur ein paar Straßenzüge vom Krieg entfernt. Man hätte ihn fast vergessen können."  

Bei seiner Rückkehr waren seine Frau Deborah und die beiden Kinder nicht Zuhause. "Das war ganz gut so. Ich brauchte ein paar Tage für mich, um die Eindrücke zu verarbeiten. Vieles, was uns hier im Alltag umtreibt, erscheint einem plötzlich so verdammt unwichtig", resümiert Trepte nachdenklich. 

Seit über einem Jahr ist er für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Botschafter des Humanitären Völkerrechts unterwegs. Ein internationales Regelwerk für die Kriegsparteien zum Schutz der Bevölkerung, der eigentlich leidtragenden Gruppe in jedem bewaffneten Konflikt. Es ist eines der großen Themen des DRK seit den 50er Jahren und heute aktueller denn je. Allerdings nützen Regeln nur, wenn sie allgemein bekannt sind. Für sie zu Trommeln ist der Job von Ludwig Trepte als prominenter Abgesandter. 

Mit 65.000 PS durch den Himmel zischen

"Wow!" Treptes Blick gleitet über den schlanken Rumpf einer Mig-29. Anfang der Neunziger hatte die Bundesluftwaffe den sowjetischen Jäger von der NVA übernommen und damit erstmals ein Jagdflugzeug im Arsenal, das es mit den besten Maschinen der Nato-Partner aufnehmen konnte. Er googelt auf dem Smartphone. "65.000 PS haben die beiden Triebwerke!", platzt es begeistert aus ihm heraus. Ein verträumter Blick aufs Cockpit. Einmal in einem solchen Jet mitfliegen, das wäre was. 

Schnelle Jets, Helikopter steuern, Motorrad fahren, den Bootsführerschein hat er ja schon - ob er ein hibbeliger Typ sei, so ein Ruheloser? Ludwig Trepte bleibt stehen, als empörte ihn schon die Frage. "Absolut! Und wie! Ich will möglichst viel in mein Leben packen!" Überhaupt sei er ein Stehauf-Männchen. So leicht werfe ihn nichts um. Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Eine Eigenschaft seines Vaters. Stephan Trepte, 70, ist Musiker, Sänger, früher ein Energiebündel auf der Bühne. Im Westen waren seine Bands "electra" und "Lift" kaum bekannt, in der DDR war er in den späten Siebzigern ein Star. Mit dem Fall der Mauer fiel auch die Karriere. Nur wenige Bands schafften es auch im Westen, Karat zum Beispiel. Mühsam kämpfte sich Stephan Trepte wieder nach oben. "Hier muss ich unbedingt mit ihm hin", sagt sein Sohn zu sich selbst. 

Vater und Sohn - ziemlich beste Freunde

Sein Vater war es, der ihn für die Fliegerei begeisterte, allerdings ohne es damals geahnt zu haben. 1991, die Mauer war gerade weg und die Twin-Towers in New York sollten noch zehn Jahre stehen, flogen beide in die USA, nach Florida. Papa Stephan überredete die Crew, seinen 13-jährigen Sohn die Landung im Cockpit miterleben zu lassen. "Dieses Bild, das Einschweben der Maschine, diese Freiheit da oben, das hat bei mir einen tiefen, bleibenden Eindruck hinterlassen", erklärt der Schauspieler. 

Oberstleutnant Ralf-Günter Leonhardt, Direktor des Luftwaffenmuseums in Gatow, schließt uns die für das Publikum sonst versperrten Lagerhallen auf. Ludwig tritt über die Schwelle, geht ein paar Meter in die Halle hinein und lächelt ein breites, seliges Flieger-Nerd-Lächeln. Der Hangar ist voll von Flugzeugen und Hubschraubern. Exponate, die derzeit nicht in der Ausstellung sind. Nirgendwo Absperrbänder, Trepte klettert ins Cockpit einer Fiat-G91. "Wendezeiger, Vario, Höhenmesser, Treibstoffdruck …", er dekliniert die Rundinstrumente des 60-Jahre-Jets durch. Als seine Schulmaschine 1995 erstmals vom Band lief, stand dieser Flieger schon längst im Museum. Doch viele der Instrumente von damals sehen heute noch nahezu identisch aus.

Ludwig Trepte im Cockpit einer Fiat G91 Gina
Wendezeiger, Tochterkompass, Höhenmesser, Variometer, Temperaturen - Ludwig Trepte kennt die meisten Instrumente dieses Jets aus den sechziger Jahren.
© Henry Lübberstedt

Fluglehrer: "Willst Du uns umbringen?" 

Als Flugschüler sitzt der Berliner seit einem Jahr hinter dem Knüppel einer schnittigen Diamond Katana. Neben ihm der Fluglehrer und über ihm dank Vollsichthaube der Panoramablick auf den Himmel. In den Himmel zu steigen, sei das Beste überhaupt, schwärmt er. Zugleich ist es aber auch eine der gefährlichsten Situationen im Flug, wie er selbst erfahren musste. "Kurz nach dem Abheben sagte mein Fluglehrer, ich solle nach unten schauen, das tat ich, zog jedoch gleichzeitig am Knuppel. Mein Lehrer wetterte, ob ich uns denn umbringen wolle und griff ins Steuer", erzählt Trepte. Durch das Ziehen am Knüppel wurde das Flugzeug so langsam, dass die Strömung über den Tragflächen hätte abreißen können. Der Pilot muss dann sofort die Nase des Fliegers nach unten drücken und Fahrt aufholen. Kurz über dem Boden bleibt dafür wenig Spielraum, das kann schnell tödlich enden. "Da wurde mir erst richtig klar, wie verdammt schnell das gehen kann", fasst der Familienvater seine Erfahrung zusammen. 

In der Theorie ist Navigation schwer

Bis zur Lizenz dauert es noch ein wenig. In der Theorieprüfung verlangt das Bundesluftfahrtamt die Beantwortung von fast 1000 Fragen aus neun Themengebieten. Die Rechnerei bei der Navigation fiel ihm am Schwersten - wie fast allen Flugschülern. Winddreiecke berechnen, die Gegenwindkomponente bestimmen, die Schwerpunktlage ermitteln und Kurse unter Berücksichtigung von Variation und Deviation zeichnen. Zahlenmenschen sind in der Fliegerei im Vorteil, Ludwig Trepte nahm sich etwas Nachhilfe. Sicher ist sicher. 

Der erste Prototyp des Panavia Tornado im Luftwaffenmuseum Gatow
Luftfahrthistorisches Kleinod in den Lagerhallen: Der allererste flugfähige Prototyp des Panavia Tornado. Erstflug am 14. August 1974. Ein Zufallsfund, den sich das Militärhistorische Museum sichern konnte.
© Henry Lübberstedt

Das nächste Sehnsuchtsziel hat Ludwig Trepte bereits ausgemacht: Helikopter. "Das ist fliegerisch ja nochmal eine ganz andere Hausnummer! Man braucht beide Hände und Füße, um in der Luft zu bleiben. Die kleinste Bewegung wird sofort von der Maschine umgesetzt. Wahnsinn!", schwärmt er. Für das Hobby ist ihm eine weiterhin so stetige Filmkarriere wie bisher zu wünschen: Ein Flug im Hubschrauber kostet schließlich über 40 Euro - pro Minute.


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