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"Liebe braucht keine Ferien": Tapetenwechsel mit Folgen

Tausche Seeblick gegen Schafe - wenn es mit der Liebe nicht so klappt, hilft ein Ortswechsel: Und so geht Amanda nach England und Iris nach L.A. In der zuckersüßen Komödie "Liebe braucht keine Ferien" spielen Cameron Diaz, Kate Winslet, Jude Law und Jack Black.

Amanda ist in Los Angeles eine erfolgreiche Frau, die viel Geld mit ihrer Agentur für Kinotrailer verdient. Iris ist Journalistin in London, die allein in einem idyllischen Häuschen der englischen Provinz wohnt. Beide Frauen sind in den frühen Dreißigern, beide verbindet trotz der trennenden rund 10.000 Kilometer ein Problem, nämlich der Frust mit den Männern: Amanda hat ihren Liebhaber gerade abgelegt, weil er sie betrogen hat; Iris ist verliebt in einen Kollegen, der aber nun eine andere heiraten will.

Doch die Frauen reagieren höchst verschieden auf ihr tristes Schicksal. Amanda ist außer sich vor Wut, ergreift dann aber in gewohnter Dynamik die Initiative; Iris hingegen flennt sich die Augen aus. Dann aber ergibt sich ein Internet-Kontakt zwischen der Amerikanerin und der Engländerin: Amanda sucht den Tapetenwechsel, sie bietet ihr Luxusappartement im sonnigen Kalifornien an im zeitweiligen Tausch gegen das gemütliche Heim von Iris auf der verschneiten Insel. Letztere überlegt nicht lange, setzt sich ins Flugzeug gen Westen, Amanda schläft gleichzeitig in der First Class dem Fluchtpunkt im Osten entgegen.

Am jeweiligen Reiseziel erwarten die beiden Frauen etliche Überraschungen und Herausforderungen, vor allem aber werden Amanda wie Iris jenen Männern begegnen, die ihr Leben verändern. Für die Kalifornierin ist das der charmante Graham, Iris' gut aussehender Bruder. Und für die Londoner Journalistin wird die Begegnung mit dem kantigen Filmkomponisten Miles zum Wendepunkt. Das ist die Geschichte des am 14. Dezember in die Kinos kommenden amerikanischen Films "Liebe braucht keine Ferien", geschrieben, inszeniert und auch produziert von Nancy Meyers, Hollywoods erfolgreichste Frau auf dem Regiestuhl.

Viel Süßstoff für Weihnachten

Attraktive Besetzung mit Diaz, Winslet und Law Mit den Kassenhits "Was Frauen wollen" und "Was das Herz begehrt", beides Komödien, hat Meyers, die schon lange als Drehbuchautorin tätig ist, sich eine starke Stellung in der Filmbranche erobert, die sie mit ihrem neuen Film natürlich bestätigen und nach Möglichkeit ausbauen will. Die Chancen dafür sind nicht schlecht, obwohl "Liebe braucht keine Ferien" nicht die Rasanz von "Was Frauen wollen" und auch nicht das Raffinement von "Was das Herz begehrt" aufweisen kann. Dazu hat Meyers ihr neues Werk mit etwas zu viel Süßstoff im Handlungsverlauf und bei den Beziehungskisten der Hauptakteure angerührt.

Cameron quirlig, Kate sympathisch

Der Attraktivität fürs Publikum muss das allerdings ja keineswegs schaden. Vorzüglich ist zweifellos die Besetzung des Films: Cameron Diaz mimt temperamentvoll die quirlige Amanda, auch wenn man sich diese Schauspielerin bestens als Verführerin, aber nicht besonders gut als betrogene Frau vorstellen kann. Die sichtlich gereifte Kate Winslet, inzwischen zweifache Mutter, verkörpert sympathisch wie immer Iris. Mit Winslets Landsmann Jude Law bekommen weibliche Zuschauer den derzeit elegantesten Herzensbrecher auf der Leinwand serviert, assistiert vom äußerlich sicher weniger attraktiven Jack Black als Miles. Doch Black, auch ein bekannter Rock-Folk-Sänger, ist ein Typ, dem gewisses Charisma nicht abzusprechen ist.

Perfektes Hollywood-Kino

In einer ziemlich rührseligen Nebenrolle ist der alte Eli Wallach zu sehen, er spielt den seinen Erinnerungen melancholisch nachhängenden Drehbuchautor Arthur. Meyers macht niveauvolles Illusionskino für zwei unbeschwerte Stunden, die Verkäuferinnen ebenso gefallen sollen wie Hochschulabsolventen. Filme wie "Liebe braucht keine Ferien" riskieren nichts, schon gar nicht die Begegnung mit den Realitäten der Zuschauer. Aber diese haben ja durchaus ein Recht darauf, einfach nur gut und völlig schmerzfrei unterhalten zu werden. Wie das geht, weiß Nancy Meyers bestens. Und so wenig ist gekonntes Kinohandwerk nun auch wieder nicht - trotz der Überdosis Süßstoff.

Wolfgang Hübner/DPA / DPA