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"Love and other Drugs - Nebenwirkung inklusive": Pointierte Dialoge und viel Erotik

Maggie und Jamie wollen von Liebe nichts wissen. Doch dann vergucken sie sich ineinander. Aus diesem 08/15-Stoff zaubern die Hollywoodstars Anne Hathaway und Jake Gyllenhaal in "Love and other Drugs - Nebenwirkung inklusive" eine zauberhafte Komödie und bekamen dafür beide zu recht Nominierungen für die Golden Globes.

Erst einmal streiten Maggie (Anne Hathaway) und Jamie (Jake Gyllenhaal). Dann erklären sie Liebe für Blödsinn. Anschließend reißen sie sich die Kleider vom Leib und genießen berauschenden Sex. So beginnt "Love and other Drugs - Nebenwirkung inklusive" von Regisseur Edward Zwick. Bei diesem Auftakt sind Filmfreunde sicher erst skeptisch. Zu oft hat Hollywood bereits mittelmäßige Komödien geliefert, die ähnlich beginnen und anschließend schematisch über eine Reihe mehr oder weniger ulkiger Stationen zum Happy Ende stolpern. Bei "Love and other Drugs" aber entwickelt sich rasch ein Film von wirklich besonderer Klasse.

Als erstes verblüfft die ungewöhnlich starke erotische Präsenz der beiden Hauptdarsteller. Anne Hathaway, 2009 für ihre Verkörperung einer psychisch Kranken in "Rachels Hochzeit" mit einer "Oscar"- Nominierung bedacht, und Jake Gyllenhaal, der diese Ehrung 2006 für seine Interpretation eines heimlich schwulen Cowboys in "Brokeback Mountain" bekam, entfachen im Zusammenspiel eine wunderbar flirrende Lust am Genuss körperlicher Leidenschaft. Dabei begeistern sie mit einer Freizügigkeit, die in Hollywood selten ist.

Zudem gelangen Regisseur Edward Zwick, dessen Actionthriller "Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio 2007 weltweit erfolgreich war, und seinen Drehbuchmitautoren Charles Randolph und Marshall Herskovitz herrlich vieldeutige, gepfeffert-pointierte Dialoge. Nicht zuletzt ist dem Trio eine Handlung eingefallen, die mit einigen überraschenden Wendungen und vor allem mit einer perfekten Balance von Komik und Dramatik begeistert.

Die Geschichte der beiden Mittdreißiger bleibt nicht an der Oberfläche. Maggie und Jamie erleben neben den Hochs sprudelnder Leidenschaft auch extreme Tiefs voller Verzweiflung und Schmerz. Das Können der zwei Hauptdarsteller sorgt dabei dafür, dass es nicht einen einzigen rührseligen Moment gibt. Eine ähnliche Tiefe im Ausloten großer Gefühle gelang zuletzt wohl vor nun schon fünfzehn Jahren Meryl Streep und Clint Eastwood in "Die Brücken am Fluss".

Die Feinnervigkeit, mit der Jake Gyllenhaal die Wandlung vom Testosteronprotz zum ernst zu nehmenden und liebenswerten Charakter zeichnet, ist phänomenal. In Ton und Gestik durchweg komödiantisch bleibend, changiert er hinreißend nuanciert zwischen Clowneskem und Tieftraurigem. Es wäre keine Überraschung, wenn er damit seine zweite "Oscar"-Nominierung einheimste. Eine Nominierung für den Golden Globe, der am 16. Januar in den USA verliehen wird, hat er bereits bekommen. Auch Anne Hathaway erhielt für ihr bezauberndes Spiel völlig zu recht eine Golden-Globe-Nominierung. Beide sind mit diesen Glanzleistungen in der ersten Liga Hollywoods angekommen.

Natürlich sei das Ende nicht verraten. Nur so viel: Es triumphiert das raffinierte Miteinander von Lachen und Weinen, das den gesamten - nebenbei bemerkt: wunderschön fotografierten - Film prägt. Auch damit bekommt "Love and other Drugs" endgültig die Chance, weltweit Kultstatus zu erlangen.

Peter Claus, DPA / DPA