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»MONDSCHEINTARIF«: Vanille-Eis zum Liebeskummer

Weshalb Frauen manchmal einen an der Waffel haben - die Komödie »Mondscheintarif« beglückt mit Witz und Wissen.

Für Frauen klären sich ein paar Fragen: Kann es in dringenden Fällen vertretbar sein, auf ein Grab zu pinkeln? Wie verhalte ich mich im Bett neben Extrem-Stöhnern? Lassen sich Melancholie-Attacken wirklich nur mit einem halben Liter Vanille-Eis kurieren?

Für Männer dagegen stellen sich bei Ralf Hüttners Film »Mondscheintarif« ein paar Fragen: Warum warten Frauen tagelang vor dem Telefon, statt einfach selbst anzurufen? Was ist so schlecht an Sex gleich nach dem ersten gemeinsamen Abendessen? Und vor allem: Ist die Hauptfigur eine neurotische Einzelgängerin? Oder sind alle Großstadtfrauen so eigenartig wie Cora Hübsch?

»Doch, ich würde schon sagen, dass Cora eine normale Frau ist«, sagt die Schauspielerin Gruschenka Stevens über ihre Rolle. Zögert dann. Grinst. »Also, na ja... vielleicht nicht ganz normal. Aber viele Frauen denken ähnlich wie sie.«

Das stimmt zumindest für eine: Bridget Jones. Und so ist »Mondscheintarif« nach »Schokolade zum Frühstück« eine weitere Kino-Komödie über die verschrobene Single-Frau von heute, und die zwei Heldinnen, Cora Hübsch und Bridget Jones, könnten beste Freundinnen sein. Sie sehen sich ähnlich, hadern beide mit der Tatsache, dass Eiscreme mehr Kalorien hat als Karotten, und sie haben - zumindest aus männlicher Sicht - dasselbe Problem: Sie finden den Typen ihrer Träume, stellen sich aber so seltsam an, dass sie's fast verbocken. Und schieben die Schuld dafür natürlich auf die Männer.

Zum Glück ist »Mondscheintarif« kein Abklatsch von »Schokolade zum Frühstück«, sondern macht sogar mehr Spaß als der englische Vorgänger. Hüttner hat aus der Romanvorlage von stern-Redakteurin Ildikó von Kürthy einen Gute-Laune-Film voll Herz und Charme gezaubert. Mit einer 27-jährigen Hauptdarstellerin, die als Cora Hübsch zwar mächtig einen an der Waffel hat, aber so liebeskummervoll gucken kann, dass man sie zum Trost umgehend aus ihrem Film und ganzen Leid herausretten möchte.

»Absolut: Männer sind die einfacheren Wesen«, sagt Gruschenka Stevens noch. Was das heißen soll? Keine Ahnung. Aber, oh Mann: Nach Bridget und Cora, »Ally McBeal« und »Sex And The City« und diesen ganzen Diskussionen über die richtigen Männer und die richtigen Klamotten und die richtigen Augenblicke bin ich mir sicher, es stimmt. Gott sei Dank.

Michael Ebert

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