HOME

"Once": Visuelle Langspielplatte über die Liebe

Die große, wahre Liebe ist die beliebteste unter den Kinogeschichten. Ein kleiner, bescheidener Film aus Irland hat sie nun wunderbar variiert. "Once" ist eine "visuelle Langspielplatte" über die ganz großen Gefühle.

Ein perfekter Popsong kommt mit zwei Akkorden und zwei Minuten aus, trotzdem öffnet er ein ganzes Universum, in dem jeder Hörer einen anderen Planeten entdecken kann. Diese Schönheit des Schlichten gilt offenbar auch fürs Kino: Gerade hat die Low-Budget-Produktion "Once" das ganze Filmgeschäft mal eben auf den Kopf gestellt.

Niemand Geringeres als Steven Spielberg hat über den Gewinner des Publikumspreises des Sundance-Festivals gesagt: "Ein kleiner Film mit dem Titel 'Once' gab mir genug Inspiration, um über den Rest des Jahres zu kommen". Die Liebesgeschichte des irischen Regisseurs John Carney hat 130.000 Euro gekostet und wurde in zwei Wochen abgedreht. Seit der Film in den Kinos ist, wird er gefeiert, und das gerade, weil er der dem ganz großen Gefühl mit dem kleinstmöglichen Aufwand gerecht wird.

Das fängt bereits bei den Helden an. Die heißen einfach nur "der Kerl" (Glen Hansard) und "das Mädchen" (Markéta Irglovà). Mehr braucht es auch nicht. Er ist ein Singer-Songwriter, der sich nachts auf den Straßen Dublins die Seele aus dem Leib singt und tagsüber Staubsauger repariert. Sie ist eine tschechische Blumenverkäuferin und Putzfrau, der seine Musik gefällt. Der Song ist der Anfang der Geschichte, und der Film hält den Ton, denn die junge Frau ist auch Pianistin. So landen der Kerl und das Mädchen schließlich im Studio.

Da ist längst klar, dass sie eigentlich ein Paar sind, aber der Weg dahin ist lang und steinig, wie wir in zahlreichen, auch längeren sowie aufwändigeren Songs und Filmen wie auch im wahren Leben immer wieder erleben dürfen. Doch ist "Once" irgendwie noch besser als ein Großteil der anderen Junge-trifft-Mädchen-Fiktionen, denn - und das liegt eben auch an den Umständen seiner Entstehung - er wirkt ehrlicher als der große Rest.

Visuelle Langspielplatte

Der Kitt, der alles zusammenhält, und somit der eigentliche Star des Films ist die Musik. Der Regisseur nennt sein Werk deshalb auch eine "visuelle Langspielplatte". Betonung auf dem Wort lang: Songs werden hier nicht nur an- sondern ausgespielt. Der Zuschauer hat also Zeit, sich darauf einzulassen und wird so Zeuge, wie die Lieder ihre Intensität entfalten.

Hansard ist im realen Leben Sänger und Gitarrist der irischen Band The Frames. 1991 hatte er bereits in Alan Parkers "The Commitments" einen Gitarristen gespielt. Die Stücke in "Once" stammen tatsächlich von ihm und der weiblichen Hauptdarstellerin, der erst 19 Jahre alten Sängerin und Pianistin Irglovà. Und das merkt man eben auch.

So wie die Harmonien und Instrumente zueinander finden, wie sich der Text in die Musik fügt und der Rhythmus zur Melodie, so passiert es manchmal auch mit Menschen. In diesem Augenblick verlässt "Once" seine Bescheidenheit, geht es doch um die ganz große Liebe.

sal
Themen in diesem Artikel