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"Shrek, der Dritte": Profitabler Terror im Märchenwald

Schreck lass nach: Schon wieder eine Fortsetzung? Och nö! Aber ja! Denn der neusten Episode der Shrek-Reihe gelingt, was anderen dritten Teilen dieses Sommers nicht möglich ist: sie überzeugt. Denn das grüne Monster´durchlebt eine entscheidende Entwicklung.

Von Frauke Hansen

Hoppla! Schon wieder entern verfluchte Piraten die Leinwand, noch einmal schwingt sich ein Spinnenmann von Haus zu Haus? Beim Blick ins Kinoprogramm dieses Sommers drängt sich der Eindruck auf, aller wirklich guten Dinge seien drei. Ob "Fluch der Karibik 3", "Spider-Man 3" oder auch "Ocean's 13", Blockbuster-Sequels überfluten die Säle wie nie zuvor. Warum auch nicht? Die Einspielergebnisse an den Kinokassen scheinen den Schlips- und Entscheidungsträgern der großen Filmstudios Hollywoods Recht zu geben, Säbelträger und Spinnenmänner lösen sich regelmäßig an der Spitze der Liste der Rekord-Einnahmen am US-Eröffnungswochenende ab. Fortsetzungen sind eben profitabel.

In diese Erfolgsstory reiht sich ein weiteres Drittwerk ein, das in den ersten Tagen rund 90 Millionen Euro einspielte, sich von den anderen jedoch grundlegend unterscheidet: "Shrek, der Dritte" erzählt eine glaubhafte, eine konsequente Geschichte. Während sich bei "Fluch der Karibik 3" nur die Actionszenen und bei "Spider-Man 3" die Bösewichte vermehren und die Entwicklung der Hauptfigur eigentlich schon nach dem ersten Teil abgeschlossen war (und die Fortsetzungen somit ihre Existenzberechtigung verloren haben), hat das potthässliche Sumpfmonster Shrek überzeugend mit seinen größten Ängsten zu kämpfen. Kann er ein Königreich regieren? Und viel wichtiger: Kann er ein guter Vater sein?

Terrorangriff auf Weit, Weit Weg

"Shrek, der Dritte" beginnt dramatisch: König Harald, Oberhaupt des Königreichs Weit, Weit Weg, scheidet dahin. Noch auf dem Sterbebett vertraut der verzauberte Frosch - in einer aberwitzigen Sterbeszene - sein Reich Schwiegersohn Shrek und Tochter Fiona an. Welch eine Horrorvorstellung für den grünen Oger! Will er doch nichts lieber tun, als es sich im heimischen Sumpf mit Gattin Fiona gemütlich zu machen. Doch zum Glück für Shrek quakt Harold im letzten Atemzug den Namen eines entfernten Familienangehörigen heraus. Sofort nach der Bestattung des Frosches, standesgemäß im Schuhkarton eines bekannten Sportartikelherstellers, macht sich Shrek auf die Suche nach Artie (in der Originalversion gesprochen von Popstar Justin Timberlake), der als Loser in einem Internat lebt und nichts von seiner Position als Thronfolger ahnt. Immer an Shreks Seite: Der ewig quasselnde Esel und der mit spanischem Akzent schnurrende gestiefelte Kater. Noch bei der Abfahrt fährt dem plumpen Oger der nächste Schreck in die schweren Knochen: Fiona gesteht ihrem Mann, dass sie Nachwuchs erwarten. Oger-Kinder! Albträume voll schreiender und spuckender Monster beherrschen fortan Shreks Nächte.

Während der Grüne noch mit sich selbst und der schweren Verantwortung auf seinen Schultern kämpft, ereignen sich im beschaulichen Weit, Weit Weg furchtbare Dinge: Der aalglatte, tuntige Prinz Charming erhebt Ansprüche auf den Thron und schart die Aussätzigen des dunklen Waldes um sich. Mit Bösewichten wie Kapitän Hook und Schneewittchens Stiefmutter rüstet sich der Schnösel zur Terrorattacke auf Weit, Weit Weg. In einer Szene, die wie ein Luftangriff auf "Pearl Harbour" aussieht, überfallen Shreks Erzfeind und seine Kumpanen das Königreich. Prachtmeilen und Häuser liegen in Schutt und Asche, die Königswitwe, Fiona und ihre Promi-Freundinnen aus der Märchenwelt, Aschenputtel, Dornröschen, Rapunzel und Schneewittchen, werden gefangen genommen. Pinocchio wird einem Verhör unterzogen. Männliche Hilfe ist nicht in Sicht, die hängt nämlich beim schrulligen Zauberer Merlin fest und versucht, den bockigen Jüngling Artie davon zu überzeugen, die Krone anzunehmen und sich wie ein Held zu fühlen. Doch wozu haben Frauen ihre eigenen Waffen? Schönheit, dicke Köpfe und betörende Stimmen läuten die feministische Emanzipation des Teekränzchens ein. Auch wenn das narkoleptische Dornröschen keine große Hilfe ist, gegen die restlichen Furien sehen "Charlie's Engel" alt aus. Zum Glück für Shrek, denn als er endlich zurück ist, erwartet ihn eine böse Überraschung …

Aller guten Dinge sind vier?

Schon "Shrek" überraschte vor sechs Jahren mit absurden Bezügen auf die Populärkultur und auch der zweite Streich (2004) hielt am erfolgreichen Mix aus prominenten Synchronsprechern (in der Originalversion leihen unter anderem Cameron Diaz, Antonio Banderas und Eddie Murphy den Figuren ihre Stimmen), fetzigem Soundtrack, kuriosen Details und Verweisen fest. Hemmungslos vergreift sich auch "Shrek, der Dritte" an Figuren und Geschichten der Märchenwelt, selbst die Artus-Sage wird mit sichtlichem Genuss durch den Kakao gezogen. Leider - und das ist ein Wehrmutstropfen des Films - spulen vor allem der Esel und der gestiefelte Kater ihr gewohntes Gag-Programm ab.

Wieder wettgemacht wird dieses Manko aber durch einige geniale Szenen: Grandios ist die Darstellung Merlins als tattriger, völlig durchgeknallter Zaubermeister, der ohne Hose, dafür aber mit weißen Tennissocken in seinen Sandalen durch die Gegend taumelt. Ein wahres Pointen-Feuerwerk schießt der Film in den Internatsszenen ab, bei denen Klischees amerikanischer High-School-Filme kongenial auf die mittelalterliche Szenerie übertragen werden. Solche Szenen, in denen die Lachmuskeln besonders strapaziert werden, machen deutlich, dass das Pulver noch nicht gänzlich verschossen zu sein scheint.

Ob aller guten Dinge vielleicht doch vier sind? Der nächste Fortsetzungs-Sommer wird es zeigen, haben die Hollywood-Bosse doch schon den nächsten Piraten-, Spinnemann- und Oger-Streich angekündigt. Zumindest "Shrek, der Vierte" könnte als Geschichte noch einmal überzeugen und funktionieren. Und falls nicht: Profitabel wird er auf jeden Fall sein.

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