"The Number 23" Walter widersteht dem Wahnsinn


666 war gestern. 13 ebenfalls. Die momentan angesagt Zahl des Bösen ist die 23. Ihr widmet sich der neue Film von Regisseur Joel Schumacher. Allerdings geht dabei einiges böse schief.

Auch das Okkulte unterliegt der Mode: Die verflixte Sieben ist längst passé, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es wieder Hotelzimmer mit der bösen Nummer 13 gibt. Denn der am 22.3. (!) angelaufene Psychothriller "Number 23" widmet sich der nächsten satanischen Primzahl, deren Fluch bisher nur Eingeweihten und Lesern der "Illuminaten"-Romane bekannt war. Doch Regisseur Joel Schumacher stürzt sich in seinem 23. Film mit so viel Pathos auf die mysteriöse Zahl, dass der Zuschauer unwillkürlich zu rechnen beginnt.

So geht es auch Hundefänger Walter, der mit seinem kleinen Glück mit Frau und Sohn ganz zufrieden scheint. Nachdem aber Gattin Agathe im Antiquariat den rot eingebundenen Roman "Die Zahl 23" erstanden hat und Walter zum Geburtstag schenkt, ist es mit der Beschaulichkeit vorbei. Walter entdeckt in seinem Leben immer mehr Parallelen zur Romanhandlung, deren Ich-Erzähler Detektiv Fingerling langsam wahnsinnig wird. Fingerling, dessen Off-Stimme die Handlung begleitet, fühlt sich verfolgt von der Zahl 23, die in vielen biografischen und historischen Datenkombinationen auftaucht. Und in seiner Beziehung zu sexy Fabrizia wird er von paranoider Eifersucht und Mordgelüsten heimgesucht.

Fiktive Doppelgänger realer Figuren

Keine Frage, Regisseur Schumacher, bekannt für opulente Bilder, versteht es, das magische Denken einer von unsichtbaren Mächten beherrschten Wirklichkeit gekonnt zu illustrieren. Während Walters Familienwelt durchsonnt und heiter ist, wird er nachts von blutrünstigen, braunstichigen Albträumen gequält, deren Atmosphäre dem "Film noir" nachempfunden ist. Nach dem Prinzip kommunizierender Röhren stellen sich die Fantasiegestalten langsam als Doppelgänger realer Figuren heraus, und reale Begegnungen erscheinen als literarische Déjà-vus, leitmotivisch von der Farbe rot untermalt. Agathe streicht das Wohnzimmer in einem blutrot, das die Nummer 23 hat, Fabrizia besitzt 23 Paar Schuhe - kann das Zufall sein?

Einfallsreich ist auch das straffe Drehbuch, das die Handlung mit Schmackes vorantreibt. Walters detektivische Suche nach Buchautor Topsy Cret wird gesäumt vom Erscheinen einer stummen Dogge, die als Nabelschnur zwischen Diesseits, Wahn und Jenseits fungiert. Jim Carrey, der zunächst in seiner üblichen Tour herumwitzelt und dann des Wahnsinns fette Beute zu werden droht, gibt wie in seinen doppelbödigen Filmen "Truman Show" und "Vergiss mein nicht" eine überzeugende Vorstellung als gequälter Anti-Held, dessen Grinsen stets etwas Getriebenes hat. Und Virginia Madsen ist als seine Ehefrau lieb und fad, aber als Femme fatale in schwarzer Perücke eine Wucht.

Hysterischer Ernst wirkt unfreiwillig komisch

Doch trotz des Aufwandes an Talent, Grips und schauerromantischem Brimborium will sich ausgerechnet der Sinn der Titel gebenden Zahl nicht erschließen. Was die Welt zusammenhält, ist hier nicht die 23, sondern der Zwang zum bieder-lehrreichen Happy End, in dem alles fein auseinanderklamüsert wird und jedes Rätsel seine Lösung findet. Es läuft auf eine jener wohlbekannten filmischen Instant-Psychoanalysen über Verdrängung und Verantwortung hinaus, in deren Licht der hysterische Ernst, mit dem eine Zahl beschworen wird, unfreiwillig komisch wirkt. Dabei haben die Filmemacher bei ihrer frenetischen Arithmetik der Quersummen in Richtung 23 eine Rechnung vergessen: 9 + 11 + 2001 = 23. Seltsam.

Birgit Roschy/AP AP

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