Comic-Boom im Kino Hollywood setzt auf Superhelden


Nach "Spider-Man" und "X-Men" schickt Hollywood in diesem Sommer erneut "Batman" und zum ersten Mal "Die Fantastischen Vier" ins Rennen an der Kinokasse. Und das ist erst der Anfang.

Fast könnte man meinen, den Drehbuch-Autoren in Hollywood gingen die Ideen aus. Ein Blick auf die Start- und Produktionsliste offenbart über 50 Projekte bis 2007, die auf Comic-Vorlagen basieren. Den Anfang macht "Batman Begins", die Neufassung der Dunklen Ritter-Saga von Christopher Nolan, Start am 16. Juni. Nun ist die Figur nicht ganz taufrisch, auch wenn Kostüm (diesmal ohne Brustwarzen!) und Inhalt (passend: Christian "American Psycho" Bale) neu sind, nachdem Joel Schumacher vor einigen Jahren das ganze Franchise mit dem grell-bunten "Batman & Robin" und einem farblosen George Clooney nachhaltig in den Sand gesetzt hatte.

Es war wohl vor allem der Erfolg der Vorlagengetreuen "Spider-Man" und "X-Men", der die Produzenten nach vorherigen Missgriffen darauf gebracht hat, dass man aus Markenartikeln eben doch Kassenknüller machen könnte. Die New Yorker Comic-Fabrik Marvel, einst von "Spider-Man"-Mastermind Stan Lee gegründet, witterte in den vergangenen zwei Jahren Morgenluft und verteilte reichlich Film-Lizenzen für viel Geld – für nahezu alles, was Stan Lee je erfunden hat: "Hulk", "Punisher", "Daredevil" und "Elektra" basieren allesamt auf Marvel-Charakteren, genau wie die "Fantastischen Vier", die im Juli als Verkörperung der Vier Elemente über die Leinwand toben, der "Ghost Rider" mit Nicholas Cage oder der "Silver Surfer", jener galaktische Surfbrett-Held der 70er, dessen Kino-Debüt erst durch die neuen Tricktechniken möglich wird.

Dagegen sieht sich die Konkurrenz, der "Superman" und "Batman"-Verlag DC, eine Tochter von Warner, im Regen. Doch es geht voran: Um den ersten "Superman"-Film seit beinahe 30 Jahren zu produzieren, wurde nun ausgerechnet "X-Men"-Regisseur Bryan Singer abgeworben. "Wonder Woman" wird gerade von Joss Whedon vorbereitet, dem Erfinder von "Buffy". "Batman Begins" wird garantiert einen Schub für Lizenzen aus dem Hause DC bedeuten - doch bis dahin könnte der Zuschauer das Interesse an Helden in Spandex bereits verloren haben.

"Catwoman" floppte

Zahlreiche Projekte, wie das ebenso düster-brutale wie eindrucksvolle Sittengemälde "Sin City", basieren denn auch auf Comics außerhalb des Superhelden-Mainstreams. In "Fables" geht es um Märchengestalten, die nach einem Krieg in ihrer Heimatwelt, einen ganzen Wohnblock in Manhattan bevölkern. Die Wachowski-Brüder bleiben ihrem "Matrix"-Image treu und verfilmen die Vision eines totalitären Staates in "V wie Vendetta" mit Natalie Portman in Babelsberg. Was kaum ein Zuschauer wusste (und ihn vermutlich nicht interessierte): Sogar die schwarze Komödie "Bluthochzeit" mit Armin Rohde basierte auf einem Comic-Roman des Belgiers Jean Van Hamme. Während früher Comics als Gift an den Kinokassen galten, vermuten nun Produzenten die sichere Bank. Dass es aber nicht so einfach ist, eine Marke, die seit 50 Jahren besteht, für schnelles Geld in einen guten Film zu verwandeln, lernte DC kürzlich mit "Catwoman". Da wurde die Geschichte der Titelfigur vergewaltigt, bis nicht einmal mehr ihr Name übrig blieb, nur um sie der Hauptdarstellerin Halle Berry anzupassen, und man landete damit einen peinlichen Flop.

Überhaupt hätte vermutlich mancher Regisseur und Drehbuchautor mit weniger Arroganz an seinen Stoff gehen sollen: Werkgetreue Verfilmungen wie „Hellboy“ (Teil 2 ist in Vorbereitung) wurden zu Überraschungshits, während die rundum verschlimmbesserte "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" höchstens noch als originelle Idee Begeisterung hervorrufen konnte. Während sich Hollywood auf die Comics stürzt, reagieren die Verlage trotzig damit, ihrerseits nun Filmemacher zu engagieren. Joss Whedon schreibt mittlerweile die Serie "X-Men" und Michael Straczynski ("Babylon 5") textet die Abenteuer von "Spider-Man" und "Die Fantastischen Vier". Ob diese Regisseure das nun tun, weil sie gerne Comics texten oder weil sie sich für das nächste Filmprojekt bewerben wollen, ist hierbei offen. Sicherlich aber werden die Kinozuschauer in den kommenden Jahren häufiger im Abspann lesen: "Based on Comic-Characters by..."

Eric Hegmann

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker