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"The Terminal": Stehaufmännchen in der Warteschleife

Steven Spielberg besticht mit einer Komödie um einen Osteuropäer, der in New York in die USA einreisen möchte, aber nicht darf, weil in seiner Heimat das Chaos ausgebrochen ist.

Er will nur noch drehen, was ihm Spaß macht, hat Starregisseur Steven Spielberg gesagt, und sein neuer Film "The Terminal" ist der Beweis dieser dafür. "Small is beautiful" schien das Motto dieser kleinen Komödie über einen Osteuropäer, der geschlagene neun Monate auf dem New Yorker Kennedy Airport festsitzt.

Weil während seines Fluges in die USA in seiner (fiktiven) Heimat Krakovia geputscht wurde, ist Viktors Pass nicht mehr gültig. Ein Visum bekommt er allerdings auch nicht, und so darf er als Staatenloser weder zurückfliegen noch in die USA einreisen. Obwohl der karrierebewusste Sicherheitschef des Flughafens, Frank Dixon, Viktor nur zu gerne loswerden würde. Denn dieser Mann, der sich nicht unterkriegen lässt, ist Sand im bürokratischen Getriebe und kommt daher wie der gespielte Witz eines ausnahmsweise gut gelaunten Franz Kafka.

Viel Witz

Wie Dixon Viktor eine Falle baut und scheinbar ein Schlupfloch in die Stadt New York öffnet - wo Viktor beim Überschreiten der Flughafenschwelle sofort verhaftet würde - und wie Viktor in die Überwachungskameras blickt und die Falle erkennt, gehört zu den witzigsten Momenten dieser bitter-süßen Komödie.

Vertrackt-lakonische Alltagskomik

Spielberg hat dem unwirtlichen Schauplatz - der Film spielt fast nur auf dem Flughafen - ein Maximum an vertrackt-lakonischer Alltagskomik abgerungen, die für amerikanische Verhältnisse ungewohnt leise daherkommt und oft an den Slapstick von Jacques Tati und Buster Keaton erinnert. Durch die Perspektive des naiv-gewitzen Viktor, der sich unverdrossen seine Nische gräbt, enthüllt sich hinter der betriebsamen Reise-Kulisse eine Parallelwelt unsichtbar werkelnder Heinzelmännchen.

Der Underdog wird zum Star

Viktor nimmt Quartier in einem verlassenen Wartesaal, sammelt liegen gelassene Münzen, und arbeitet als Tagelöhner bei einer Schreinerfirma. Wie der Igel dem Hasen ist er dem zunehmend genervten, aber auch faszinierten Dixon immer einen Schritt voraus und unterläuft alle Versuche, ihn kleinzukriegen. Er schafft es sogar, zarte Bande zu knüpfen zu einer schönen, aber leicht neurotischen Stewardess, und natürlich wird der Underdog zum Star des missachteten Multi-Kulti-Personals, zu dem selbst - ein offenes Geheimnis, das, wie hier zu Lande, niemand so genau wissen will - viele seit Jahren im Untergrund lebende Illegale gehören.

Der Film basiert übrigens auf der wahren Geschichte eines Iraners, der seit Jahren auf dem Pariser Charles-de-Gaulle-Flughafen lebt. So ist die Geschichte keineswegs weit hergeholt - wenn Spielberg auch auf seine typischen Spielberg-Touch nicht verzichtet und das Ganze besonders am Ende kräftig mit Schmalz übergießt. Unangenehm fällt auch das dauernde Product-Placement auf, bei dem Viktor unter anderem stolz einen Hugo-Boss-Anzug fürs Rendezvous erwirbt.

Unerschütterlicher politischer Optimismus

Trotz aller Sentimentalität und allen vorgeführten Gutmenschentums jedoch ist diese Komödie nie so märchenhaft, dass die Hauptcharaktere unglaubwürdig wären; das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Obrigkeit und dem begnadeten Improvisator macht überdies enorm viel Spaß. Und Tom Hanks als wuseliges Stehaufmännchen ist nicht nur liebenswert, sondern wird zum Sprachrohr eines unerschütterlichen politischen Optimismus', der sowohl Völkerverständigung propagiert wie auch ein entspanntes und ziemlich weitgehendes Laissez-faire gegenüber den Apparaten.

Letztlich traut die Komödie ihren eigenen subversiven Ideen zwar nicht: Dennoch gebührt Spielberg Applaus für dieses doppelbödige, aus dem Alltag gegriffene Amüsement, das Mainstream-Konventionen lässig links liegen lässt.

Birgit Roschy, AP / AP