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"Tribute von Panem"-Darstellerin: Jennifer Lawrence, Superstar

Sie ist erst 23, hat schon einen Oscar und alle lieben sie: Jennifer Lawrence ist einer der größten Stars, die Hollywood in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis?

Von Patrick Heidmann

Hätte Katniss Everdeen in der Hunger-Games-Arena eine Chance gegen Spider-Man oder Thor? Das könnte, Pfeil und Bogen zum Trotz, schwierig werden. Doch jenseits der Leinwand steckt zumindest Jennifer Lawrence ihre Kollegen Andrew Garfield oder Chris Hemsworth locker in die Tasche. Als das renommierte Entertainment-Portal "Vulture" kürzlich in einem ebenso komplizierten wie umfangreichen Verfahren seine jährliche Liste der 100 erfolgreichsten Hollywood-Stars erstellte, landete die Katniss-Darstellerin hinter Robert Downey jr. und Leonardo DiCaprio auf dem dritten Platz – und besagte Superhelden nicht einmal in den Top 30.

Wie viel man nun von der Aussagekraft solcher Listen halten mag, ist die eine Sache. Aber dass die wenigsten Kinogänger mit einem Namen wie Henry Cavill (alias Superman) etwas anfangen können, während der der 23-jährigen nun schon seit einer ganzen Weile in aller Munde ist, wird niemand ernstlich bestreiten. Für nicht wenige ist Lawrence gar der größte Star, den Hollywood in den vergangenen 15 Jahren hervor gebracht hat. Und "Vulture" befand: "Die kriselnde Branche klammert sich an den aufsteigenden Stern der Schauspielerin als sei er ein Rettungsboot." Grund genug, die Gründe für den Erfolg dieser jungen Schauspielerin mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Erfolg auch jenseits von Panem

Entscheidenden Anteil an einer Aufstiegsgeschichte wie dieser, die vor sieben Jahren mit Gastrollen in Serien wie "Monk" oder "Cold Case" begann, haben natürlich erfolgreiche Filme. Insofern hat Lawrence vieles den "Tributen von Panem" zu verdanken. Vor anderthalb Jahren wurde die Verfilmung des ersten Teils der sich vor allem an Teenager richtenden Romantrilogie zum Überraschungserfolg, der es sogar mit dem "Twilight"-Franchise (für das Lawrence übrigens auch mal vorgesprochen hatte) aufnehmen konnte. Und die nun angelaufene Fortsetzung "Die Tribute von Panem - Catching Fire" ist nicht nur besser als Teil 1, sondern dürfte auch bessere Zahlen schreiben. Allein am ersten Wochenende in Deutschland, so die Prognose, wird der Film mehr als doppelt so viele Zuschauer anlocken wie der Vorgänger.

Doch Lawrence kann nicht nur eine, sondern gleich zwei Filmreihen ihr eigenen nennen. Denn die aus Kentucky stammende Schauspielerin auch im "X-Men"-Reboot mit von der Partie und entsprechend auch im kommenden Jahr in "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" wieder als blauhäutige Mystik zu sehen. Und wer nun einwendet, dass Rollen in erfolgreichen Comicverfilmungen nicht automatisch zur Bekanntheit eines Schauspielers beitragen (siehe Cavill und Co.), der sei auf "House at the End of the Street" verwiesen. Der Gruselfilm war zwar kein Mega-Hit, hat aber - nicht zuletzt dank Lawrence in der Hauptrolle - rund das Zehnfache seiner Kosten wiedereingespielt. Ein Kunststück, das Chris Hemsworth jenseits von "Thor" noch nie gelungen ist.

Ein Oscar mit 22

Dass Lawrence - die nie eine Schauspielschule von innen gesehen hat - auch mit einer großen Portion Talent gesegnet ist, dürfte ihrer Karriere selbstverständlich nicht geschadet haben. Schon ihr erster größerer Kinoauftritt - als Tochter von Kim Basinger in "Auf brennender Erde" – brachte ihr einen Preis beim Filmfestival von Venedig ein, bei der ersten Oscar-Nominierung (für das Independent-Drama "Winter's Bone") war sie gerade einmal 20 Jahre alt. 2013 hat sie für die erfolgreiche Liebeskomödie "Silver Linings" den wichtigsten Filmpreis der Welt dann sogar gewonnen. Und den Golden Globe und diverse Kritkerpreise gleich noch obendrein. Sollte sie kommenden Januar für ihre Nebenrolle in der Gangster-Geschichte "American Bullshit" gleich schon wieder nominiert werden - was viele Experten für durchaus realistisch halten -, wäre sie die jüngste dreifach Oscar-nominierte Schauspielerin aller Zeiten.

Spaß frei Schnauze

Doch was nützen Preise, gute Kritiken und Erfolge in den Kinocharts, wenn einen niemand wirklich mag? Angelina Jolie wird immer wieder angefeindet, Anne Hathaway löste rund um ihren "Les Misérables"-Oscar sogar einen echten Shitstorm im Netz aus. Davon kann bei Jennifer Lawrence keine Rede sein. Ob Kritiker oder Fans, Vogue-Chefredakteure oder Kollegen wie Donald Sutherland (der seinen "Panem"-Kostar sogar mit Schauspiellegende Laurence Olivier vergleicht) - jeder liebt sie.

Bei allem Erfolg ist Lawrence ein Filmstar zum Anfassen und Identifizieren, eine wie du und ich. Sie ist hübsch, aber weder so unerreichbar schön wie manche Kollegin, noch ein Sexsymbol an der Grenze zur Künstlichkeit. Ihr Privatleben taugt zwar mitunter für Schlagzeilen (aktuell scheint sie wieder mit "X-Men"-Kollege und Ex-Freund Nicholas Hoult zusammen zu sein), aber Stammgast ist sie dort nicht. Bei den Oscars stolpert sie schon mal über ihr Kleid. Sie tröstet weinende Fans. Wenn Jack Nicholson an ihr vorbeiläuft, fällt ihr vor Schreck die Kinnlade runter. Und wenn man, wie wir kürzlich beim Interview in Berlin, danach fragt, wie sie eigentlich noch immer so frei von der Leber weg plappern kann, lautet ihre Antwort: "Das Medientraining, zu dem man mich beim ersten 'Panem'-Film verdonnert hat, hat scheinbar nichts gebracht. Aber was hält man auch einer 23-jährigen ständig ein Mikro unter die Nase?"

Das Phänomen ihres Erfolges lässt sich am besten so zusammenfassen: Jennifer Lawrence bringt alles mit, was man für eine lange Karriere in Hollywood braucht – und ist dabei trotzdem einfach wirklich mal sie selbst geblieben. Was viele Stars immer wieder von sich behaupten, aber dann doch nie sind. Ganz abgesehen davon, dass Jennifer Lawrence verdammt viel Spaß an ihrem eigenen Leben zu haben scheint - selbst auf dem roten Teppich. Das ist unter Jungstars keine Selbstverständlichkeit (wir meinen dich, miesepetrig guckende Kristen Stewart!), aber gerade deswegen umso ansteckender.

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