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And the Oscar goes to...: Der bekannteste Amerikaner wird 80

Noch steht nicht fest, ob die Oscar-Gala in diesem Jahr überhaupt stattfinden wird. Doch auch wenn sie wegen des Autorenstreiks ins Wasser fällt, feiert der berühmte goldene Mann seinen 80. Geburtstag.

Der berühmteste Amerikaner misst nur 34,3 Zentimeter. Sein gut drei Kilogramm schwerer Leib aus Nickel, Kupfer und Silber ist von einer millimeterdünnen 24-Karat-Goldhaut bedeckt, der Materialwert beträgt knapp 300 Dollar. Trotz hohen Alters hat der strahlend glänzende Schwertträger einen muskulösen Körper. Und seinen Namen kennt und schätzt die ganze Welt: Oscar.

Selbst die teuersten Superstars brechen in Tränen des Glücks aus, wenn sie diesen Goldjungen bei der Verleihung endlich berühren dürfen. Am 24. Februar wird Oscar wieder seinen großen Tag haben. Denn an diesem Tag verleiht die US-Filmakademie zum 80. Mal den begehrtesten Filmpreis der Welt an Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren und all jene Spezialisten, die das Kino zum Ort der spektakulärsten und abenteuerlichsten, aber auch der rührendsten und lustigsten menschlichen Fantasien machen.

Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist es wegen des anhaltenden Streiks der Drehbuchautoren in Hollywood ganz ungewiss, ob die traditionelle Gala mit all ihrem Glamour in Los Angeles überhaupt über die Bühne gehen wird. Doch in den nun acht Jahrzehnten seit der ersten Oscar-Vergabe, die am 16. Mai 1929 in zwölffacher Ausfertigung recht glanzlos abgewickelt wurde, hat der Goldjunge schon viele Turbulenzen bestens überstanden. In ausnahmslos jedem Jahr seit dem Start 1929 fand die Vergabe des «Academy Award of Merit», wie der offizielle Titel des Preises lautet, statt, auch in den Jahren des Zweiten Weltkriegs. Zwischenfälle und Skandale gab es bei den jährlichen Zeremonien, die längst auch große TV-Ereignisse rund um den Globus geworden sind, allerdings etliche.

Für den wohl größten Eklat sorgte 1973 Marlon Brando, zugleich einer der größten amerikanischen Filmschauspieler aller Zeiten. Als er in jenem Jahr den Oscar für seine grandiose Darstellung der Titelrolle in dem Mafia-Epos "Der Pate" überreicht bekommen sollte, ließ er sich provokativ von einer Indianerin vertreten, die scharfe Kritik am Umgang der Vereinigten Staaten mit deren Ureinwohnern übte. Dass die Indianerin gar keine war, sondern - wie sich später herausstellte - eine kalifornische Schauspielerin, machte den Skandal nur noch größer.

George C. Scott, in den 60er Jahren ein populärer Charakterdarsteller, sorgte gleich zweimal für helle Aufregung: 1961 lehnte er bereits die Nominierung für den Nebenrolle-Oscar für seine Leistung in "Haie der Großstadt" ab. 1970 wurde Scott abermals mit besten Chancen nominiert, diesmal für die Hauptrolle in dem Kriegsdrama "Patton - Rebell in Uniform". Doch erneut lehnte er ab. Die Begründung, mit der er das tat, ist noch immer ein Stachel im Gewissen Hollywoods und der US-Filmakademie, deren Mitglieder alljährlich die Preisträger bestimmen: "Die Oscar-Show ist eine Fleischbeschau. Das Leben ist kein Wettrennen. Es ist ein einziger Kampf ums Überleben, und es gibt einige, die dabei auf der Strecke bleiben. Und eben weil es kein Wettrennen ist, betrachte ich mich auch nicht als Konkurrent meiner Kollegen, was Auszeichnungen oder Anerkennung angeht. Deshalb lehne ich meine Nominierung ab." Den Oscar bekam Scott damals gegen seine erklärten Willen übrigens trotzdem zugesprochen.

Als Woody Allen 1977 den Regie-Oscar für "Der Stadtneurotiker" bekam, weilte der bekennende Hollywood-Verächter weit entfernt im geliebten New York, um dort seinem wöchentlichen Klarinette-Spiel in einem Pub nachzugehen. Der Preis wurde Allen deshalb mit der Post zugestellt. Was er mit ihm gemacht hat, ist unbekannt.

Unter den wenigen originellen, aber sehr viel mehr banalen oder peinlichen Preisträgerzitaten im Laufe von 80 Jahren ist dieses von Bing Crosby, 1944 bei der Auszeichnung mit dem Oscar für die Hauptrolle in dem Melodram "Der Weg zum Glück" formuliert, vielleicht die ehrlichste Reaktion: "Ist das nicht eine wunderbare Welt, in der ein so müder Schnulzensänger wie ich ein so wunderbares Stück bester Handwerksarbeit mit nach Hause nehmen kann?"

Wolfgang Hübner/ AP / AP
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