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Audrey Tautou: "Ich lege mein Parfum am Morgen auf, nackt"

In "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft" brilliert Audrey Tautou auf der Kinoleinwand in der Rolle der weltbekannten Modeschöpferin. Im stern.de-Interview spricht die französische Schauspielerin über Gemeinsamkeiten zur Modeikone, ihre wilde Seite und die Liebe.

Mademoiselle Tautou, wie ist es, die Frau zu spielen, die so viele Menschen zu kennen glauben - hat man da Angst vor Besserwissern?

Nein, die sind mir scheißegal. Es gibt immer Leute, die etwas zu meckern haben. Ich zeige meine Version von Chanel, die ich mir zusammengereimt habe. Aber ich sage nicht, dass es die allein glücklich machende Darstellung ist.

Was haben Sie während Ihrer Vorbereitung über Coco Chanel gelernt?

Dass sie einen sehr starken Charakter hatte. Sehr schlau war, wie Karl Lagerfeld mir erzählte. Aber dass sie in einem Waisenhaus aufwuchs, eigentlich Sängerin werden wollte, ihre Modekarriere mit Hutdesign begann, das wusste ich vorher nicht.

Welche Gemeinsamkeiten haben Sie bei sich und Mademoiselle Chanel festgestellt?

Der Wunsch, frei und unabhängig zu sein. Die wilde Charakterseite.

Wie, Sie haben eine wilde Seite?

Oh ja, man kann mir nicht sagen, was ich zu machen habe. Ich bin eher eine Einzelgängerin. Niemand, der sich in großen Gesellschaften bewegen muss, wie Chanel es gern hatte. Sie war sehr ambitioniert, wollte es wirklich schaffen. Diesen Ehrgeiz habe ich nicht. Ich wäre gern unsichtbar.

Dann hatten Sie aber großes Pech bei der Berufswahl.

Nein, nein. Ich konnte ja nicht ahnen, was für ein Erfolg mir widerfährt. Und außerdem kann ich mich durch meinen Beruf in Rollen verstecken, muss dabei nicht ich sein.

Sie sind nicht gern Sie selbst?

Nein, ich hasse es nur, als etwas Besonderes behandelt zu werden. Ich mag auch das ganze Prozedere, was außerhalb des Filmemachens passiert, nicht besonders.

Es scheint Sie aber nicht zu stören, das neue Werbegesicht für Chanel No.5 zu sein und damit Nicole Kidman zu beerben.

Dass den Job vorher Frauen wie Catherine Deneuve und Nicole Kidman gemacht haben ist sehr schmeichelhaft. Im Vergleich zu denen fühle ich mich wie ein Federgewicht.

Hat Frau Kidman Sie schon mal aus Rache auf dem roten Teppich stolpern lassen?

Ich gehe über keine roten Teppiche.

Ich hätte eine etwas indiskrete Frage an Sie...

... das können Sie vergessen!

... halten Sie es wie Marilyn Monroe, tragen Sie nachts nichts außer Chanel No. 5?

Nein, ich lege mein Parfum erst am Morgen auf. Aber dann nackt.

Sie tragen Jeans - Coco Chanel hätte Sie dafür schwer getadelt.

Jaja, zuerst war Chanel ganz weit vorn und dann lag sie sehr weit zurück mit ihren Ansichten. Sie hat ja auch den Minirock nicht verstanden und brauchte sehr lange, um Hosen zu akzeptieren.

Dadurch, dass Sie so klein und zierlich sind, unterschätzen Sie sicher viele. Können Sie auch richtig fies werden, wie Mademoiselle Chanel es oft war?

Nein, niemals. Ich verachte Ungerechtigkeit, so wurde ich erzogen. Da hätte ich sofort Schuldgefühle.

Coco Chanel hatte einen Hang zu mächtigen Männern. Das trifft auch auf Ihre Landsmännin Carla Bruni zu.

Zu der habe ich überhaupt keine Meinung. Dass die mit Sarkozy verheiratet ist, ist mir scheißegal. Ich habe ihr erstes Album damals gekauft, aber danach mochte ich die Musik nicht mehr. Das hat aber mit der Ehe nichts zu tun.

Nach welchen Kriterien nähern Sie sich denn der Liebe?

Wenn man bestimmte Kriterien hat, ist das schon mal der falsche Ansatz. Obwohl - ein Kriterium habe auch ich: Es sollte ein Mann sein.

Ein Gerücht, das sich stetig hält, ist, dass Französinnen die besseren Verführerinnen sind. Können Sie den deutschen Frauen noch schnell ein paar Tricks beibringen?

Ähhh... Mir fällt da was ein, aber das kann ich auf gar keinen Fall sagen...

Interview: Stefanie Luxat