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58. Berlinale: Yvonne goes Romy

Das dürfte vielen Romy-Schneider-Fans die Stimmung verhagelt und die Schausspiel-Avantgarde zu Buh-Rufen animiert haben: Yvonne Catterfeld, mal Sängerin, mal Soapstar, wird unser aller Romy spielen. In einem Kinofilm, der 2009 in die Kinos kommt. Nicht ganz so laut buht: Judka Strittmatter.

Von Judka Strittmatter

Wahrscheinlich gab die Gänsehaut von Daniel Biasini den Ausschlag. Schade, auch so ein Typ, der sie im Leben schwer enttäuscht hat. Kalt erwischt soll es ihn haben, den Ex von Romy Schneider und Vater ihrer Tochter Sarah, als die romysierte Yvonne probehalber die verblichene Traumfrau gab. Und richtig: Ganz schlimm war's nicht, ein, zwei Sequenzen lassen ahnen, dass die Catterfeld mehr kann, als je zu sehen war von ihr. Trotzdem, nur auf die Ähnlichkeit zu setzen und dann wird's schon, ist vielleicht ein bisschen kurz gedacht.

Für unsere Romy wollen wir nur das Beste - und ehrlich - selbst das ist nie genug. Ihre Augen und besonders ihre Stimme - unikate Eigenschaften, unerreicht. Sie hatte diesen Klebstoff, der noch heute wirkt, die Geister hat sie nie geschieden, alle liebten Romy, nicht nur Männer. Und jeder reklamiert noch heute seinen eigenen Zugang zur Seele dieser femme geniale, jeder trägt sein eigenes Romy-Bild im Herzen.

Auch unser aller Romy hat mit Schnulzen angefangen

Auch Marie Bäumer, die mal im Gespräch war für die Rolle, hätte es nicht leicht gehabt - trotz Schönheit und Talent. Jetzt also Yvonne Catterfeld. Reputation bedenklich, "GZSZ", "Sophie - Braut wider Willen", nichts Gescheites. Sie selbst scheint keine völlig Dumme, schaut man und hört man, was sie dem Boulevard so preisgibt. Da gibt's ganz andere Luschen und auch Luder. Und, darf man eigentlich nicht vergessen: Auch unser aller Romy hat mit Schnulzen angefangen. Sissi hoch und Sissi runter. Fatal wär's nur, wenn sich die junge, ehrgeizige Frau Catterfeld schon lange still und heimlich für die Inkarnation von Romy hält, nur weil vermarktungsgeile Fernehnasen ihr das schon lange flüstern: Die Haare plötzlich braun und nicht mehr blond, der Habitus, das Sprechen, plötzlich weiblich-weich und nicht mehr mädchenhaft. Vielleicht denkt sie auch insgeheim: Dieser Streifen wird für mich sein, was für Romy der Visconti war. Nämlich der Durchbruch. Autsch, möchte man da aufschreien, und sie fragen: Und wo bitte ist denn dein Visconti? Der Herr Rusnak ist es doch wohl leider nicht.

Umfragen im Freundeskreis ergeben jedenfalls geschockte Mienen: Och nee, wirklich? Was kommt als nächstes? Spielt Biedermann, Jeanette die Janis Joplin, oder gibt Neubauer, Christine nun die Callas? Denkmäler scheinen in Gefahr und Cineasten schäumen. Jetzt draufzuhauen liegt schon nahe, ist wahrscheinlich auch berechtigt, doch ein Häkchen widerstrebt: Und wenn sie's doch ganz gut macht? Perfekt ist ja nicht drin, weil eben unsere Romy - aber gut? Haben doch schon andere Serienfuzzis den Lift in bessere Etagen abgefangen. Dass sie sich diese Chance nimmt, obwohl sie wenigstens ahnen sollte, wie kollektiv der Aufschrei draußen ist und wie grandios sie scheitern kann, hat wieder was. Am Ende sind heutzutage sowieso Zahlen der Erfolg, nicht Qualität: Die Sissi-Fans von einst - da sind 'ne Menge noch am Leben - werden zuhauf ins Kino strömen. Tja. Immerhin: ihren Schnarch-Lover Wayne Carpendale hat Frau Catterfeld erst jüngst durch einen anderen, besseren Typen ausgetauscht. Oliver Wnuk, witzig-charmant, französisch sprechend. O'lala. Ein Schritt nach vorn. Ob Romy sein auch einer ist, werden wir sehen.