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Biografie-Film über Gustav Mahler: Bei Sigmund Freud auf der Couch

Der Komponist, die Femme fatale und der Psychoanalytiker - das prominente Trio in "Mahler auf der Couch" versucht der Ehekrise von Gustav Mahler und seiner Frau Alma auf den Grund zu gehen.

Der Komponist Gustav Mahler ist mit den Nerven am Ende, als er erfährt, dass seine junge Frau Alma eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Kurschatten Walter Gropius hat. Im Jahre 1910 legt sich Mahler auf die Couch von Sigmund Freud, um seine Schaffenskrise zu überwinden. Dass Mahler von Alma betrogen wurde und den Psychoanalytiker konsultierte, ist historisch belegt - doch wie es geschah, das hat das Regieduo Percy und Felix Adlon in seiner amüsanten Tragikomödie "Mahler auf der Couch" erfunden.

Um diese pfiffige Episode zu goutieren, sollte man jedoch Interesse für die aufregende Spätzeit des K.u.K.-Wien und eine ungefähre Kenntnis des prominenten Trios mitbringen. Da ist Sigmund Freud, von Karl Markovics ("Die Fälscher", "Nanga Parbat") als ungnädiger Beichtonkel im eleganten weißen Sommerfrischler-Anzug und rauchender Zigarre gespielt. Da ist das nervöse Genie Gustav Mahler (Johannes Silberschneider), den sein Liebeskummer zu einem zittrigen alten Mann gemacht hat. Und da ist Alma, sein fast 20 Jahre jüngeres Klasseweib, kunstsinnig, sinnlich und ganz schön ausgekocht.

Alma Mahler, berüchtigtes Künstlergroupie und Femme fatale der Wiener Sezession, heiratete nach Mahlers Tod 1911 den jungen Bauhaus-Architekten Gropius, dann den Dichter Franz Werfel und hatte unter anderen eine heftige Affäre mit Maler Oskar Kokoschka. Der Wiener Bühnenstar Barbara Romaner verkörpert die Geniesammlerin als energiegeladene junge Wuchtbrumme, die anfangs selbst Komponistin werden will - und die sich in der neunjährigen Ehe mit Mahler in die Rolle der Hausfrau, Mutter und Muse ihres Göttergatten zu fügen versucht. Dies erweist sich als Knackpunkt der Instant-Analyse: Mahler verbat seiner talentierten Verlobten das Komponieren.

Dem Egozentriker wird diese verdrängte Schuld erst nach Alpträumen und vielen Zigarren bewusst. Ein eulenspiegelhafter Running Gag ist Freuds - von Mahler stets hastig abgeschmetterte - Frage nach dem ehelichen Verkehr. Ganz im Sinne von Freud, dem Entdecker des Unbewussten, erzählt der Münchner Autorenfilmer Percy Adlon ("Out of Rosenheim"), der den Film mit Sohn Felix drehte, Mahlers allmählichen Illusionsverlust in assoziativen Streiflichtern mit mehrfach gebrochener Perspektive statt in geordneter Chronologie. Die labyrinthischen Gassen im niederländischen Leyden, wo die Begegnung stattfand, werden zum Abbild von Mahlers Irrungen.

In einem Mosaik aus geträumten und erlebten Szenen, in denen Tagebucheintragungen und Briefe Almas zitiert werden und zum Beispiel auch ihre Mutter (Eva Mattes) ihren Kommentar abgibt, setzt sich neben dem Ehedrama das Sittenbild einer Epoche voller Umwälzungen zusammen. Das Schöne daran ist, wie leichtfüßig und selbstironisch diese Entzauberung der vermeintlichen Idealfrau, die sich als Wesen mit Bedürfnissen jenseits der des Ehemannes entpuppt, inszeniert ist. Was will das Weib? Untermalt von schwelgerischer Mahler-Musik sitzen am Ende zwei abgeklärte ältere Herren gemeinsam qualmend auf der Couch.

Birgit Roschy, APN / APN