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Brigitte Bardot: Ein gescheiterter Star

Brigitte Bardot, Frankreichs einst populärster Filmstar und das Leitbild einer Nation, ist dem Ruhm zum Opfer gefallen. Abgeschottet von der Menschheit feiert sie ihren 70. Geburtstag.

Einst machte Brigitte Bardot wegen ihrer prallen Reize und erotischen Weiblichkeit Schlagzeilen. Heute jedoch ist von der französischen Schauspielerin nur noch die Rede, wenn sie wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt wird. Der Mythos BB, wie das ehemalige blonde Sexsymbol mit dem "einzigartigen Schmollmund" genannt wurde, fing an zu bröckeln, als Bardot sich 1973 im Alter von 39 Jahren plötzlich vom Kino verabschiedete und sich in ihre Villa "La Madrague" in Saint-Tropez zurückzog. Dort lebt Brigitte Bardot, die am 28. September 70 Jahre alt wird, in der Gesellschaft von Hunden und Katzen und sorgt mit ihren menschenfeindlichen Äußerungen und Publikationen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer, die die Kirchen zu "Sauställen machen", regelmäßig für Aufsehen.

Sie lebt lieber mit Tieren als mit Menschen

Aus der einst naiv-natürlichen Kindfrau, deren Gesichtszüge sogar die Büste des französischen Nationalsymbols Marianne zierten, ist eine vereinsamte und verbitterte Frau geworden. Sie ist ihrem Ruhm zum Opfer gefallen und hat als engagierte Tierschützerin aus dem Kampf gegen Tierquälerei ihren Lebensinhalt gemacht. "Gäbe es irgendetwas, was ich tun könnte, damit sich das Verhalten der Menschen miteinander ändern würde - ich würde es tun. Solange ich dies aber nicht kann, bleibe ich bei den Tieren."

Die "grausame" Welt des Films

Bereits Anfang der 60er Jahre versuchte Bardot vor dem Rummel um sie herum zu fliehen und unternahm an ihrem 26. Geburtstag einen Selbstmordversuch. "Ich wollte nie Filmschauspielerin werden. Tänzerin war mein Traum", gestand das wohlbehütete Mädchen aus gutem Haus, das Kunst und Tanz studierte, später.

Zur "grausamen" Welt des Films, in der man "genommen und wieder weggeworfen wird" hat sie der Filmregisseur und spätere Ehemann Roger Vadim gebracht, der das "Star-Potenzial" der Bardot erkannte. Er machte sie innerhalb weniger Jahre zu Frankreichs populärstem Filmstar, wobei er nicht zögerte, ihre Karriere mit einigen Skandalen und Nacktszenen zu fördern. Ihr Vater soll damals gesagt haben: "Was soll ich machen? Er macht ein Flittchen aus ihr, ob sie ihn heiratet oder nicht."

Der Weg zum Ruhm

Ihren internationalen Durchbruch schaffte Bardot 1956 mit dem Film "Und immer lockt das Weib", bei dem auch Curd Jürgens mitspielte. Doch auch wenn sie in "Babette zieht in den Krieg" komisches Talent bewies und in "Privatleben" und "Die Wahrheit" Anlagen zur Charakterschauspielerin zeigte, entkam sie ihrem Mythos BB nicht, der für wohlproportionierte und weibliche Formen steht. Ein Mythos, den sie mit zum Teil provozierenden Songs von Serge Gainsbourg wie "Bonnie and Clyde" und "Harley Davidson" noch verstärkte. Zu ihrem Geburtstag erscheint die CD "Best of Bardot" mit einigen dieser Welterfolge.

Ein Leitbild der Nation

Als bezaubernd natürlicher Vamp mit Pferdeschwanz und wippendem kurzen Rock lag Bardot im Trend gesellschaftlicher Entwicklungen und beeinflusste diese. Sie wurde zum Leitbild einer Generation, die mit dem Moral-Muff der vergangenen Jahre Schluss machen wollte - auch wenn sich Bardot nie mit der Rolle der "Verführerin" identifizieren wollte.

Trotz aller Freiheiten, die sie sich herausnahm, blieb sie im Grunde ihrer erzkonservativen Erziehung treu. Nach ihrer Eheschließung 1992 mit dem französischen Geschäftsmann Bernard d’Ormale, einem Freund von Jean-Marie Le Pen, dem Führer der rechtsradikalen Nationalen Front, geriet sie in deren politisches Fahrwasser - auch wenn sie sich immer als "politisch an kein Etikett gebunden" bezeichnete.

"Ein Ruf aus der Stille"

Bardot hat der Schauspielerei den Rücken gekehrt, weil sie ihrer Star-Rolle überdrüssig war. In dem vor wenigen Monaten veröffentlichten Buch "Ein Ruf aus der Stille" schreibt sie: "Bestand der Erfolg im Leben darin, berühmt zu sein? Bestand er darin, vergöttert zu werden, anerkannt, umschwärmt? (...) Der Ruhm ist vergänglich, der Absturz unwiderruflich."

Sabine Glaubitz/DPA / DPA