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Daniel Radcliffe: "Für Mädchen am besten was Obskures!"

Er wächst und wächst und wächst: Mit 16 Jahren ist Daniel Radcliffe in "Harry Potter und der Feuerkelch" erneut als Zauberlehrling unterwegs. Und alt genug für ein Gespräch über Girls und Rock'n'Roll.

Das soll Harry Potter sein? Als Daniel Radcliffe das kleine, etwas schmuddelige Nebenzimmer in den Londoner Leavesden Filmstudios betritt, liegt wenig Magie in der Luft. Radcliffe trägt Jeans, T-Shirt und schwarze Lederjacke. Sein Gesicht ist voller roter Pickel, die aus den Filmen bekannte Wuschelfrisur ist einem praktischen Kurzhaarschnitt gewichen. Und natürlich trägt er nicht die klassische runde Potter-Brille, im echten Leben sieht er nämlich ziemlich scharf.

Seit fünf Jahren schlüpft Radcliffe nun in die Rolle des weltberühmten Zauberlehrlings. In dieser Zeit ist aus dem weichgesichtigen Drück-mich-Schnuckel ein junger, selbstbewusster Mann geworden, der im Juli seinen 16. Geburtstag feierte, laut englischem Gesetz nun also Sex haben und mit Einverständnis der Eltern heiraten darf.

Daniel, "Harry Potter und der Feuerkelch" ist definitiv kein Kinderfilm mehr. Sehr viel knallharte Action, viele furchteinflößende Szenen und sehnsüchtige Blicke. Deswegen wollen wir hier mal ein sehr erwachsenes Interview führen.

Oh, yeah. Das wäre mal eine schöne Abwechslung. Absolut!

Also sprechen wir über Sex, Action und Rock'n'Roll.

Klar, warum nicht. Come on!

Du kannst dir aussuchen, womit wir anfangen.

Ich nehme Action.

Zu der berühmten Narbe auf deiner Stirn kommen diesmal - bei einer Drachenverfolgungsjagd oder einem Tauchunfall - viele neue Wunden dazu, die ungewöhnlich schnell verheilen...

Das ist eben Zauberei. Ich bekomme diesmal wirklich eine Unmenge Narben ab. Cool und hart sieht das aus. Bei einigen weiß man nicht mal, woher die plötzlich kommen.

Hast du echte Narben?

Eine winzige an meinem linken Knie. Die stammt von einem Club-Med-Urlaub in Israel. Ich hatte große Flossen an, um tauchen zu gehen. Nach zwei Schritten ins Wasser fiel ich hin und schnitt mich an einem sehr scharfen Stein.

Während des Drehs hast du dich nicht verletzt?

Nein, nur ein paar Schrammen und Ohrenentzündungen von den vielen Unterwasserszenen. Ich hatte zwar zwei Stunt-Doubles, mache aber die meisten Stunts lieber selbst. Ich mag nicht, wenn man sich als Zuschauer betrogen fühlt. Wenn ich von einem Dach rutsche, soll man mein Gesicht sehen. Auch wenn das wirklich schrecklich war. 20 Meter freier Fall in zwei Sekunden. Ich hatte vorher schon mal über Bungee-Jumping nachgedacht, jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Ich hatte wirklich schreckliche Angst. Am schmerzhaftesten war jedoch, dass vor dem Sturz zur Sicherheit meine Knöchel mit Klebeband eingewickelt wurden, das danach wieder abgerissen werden musste. Und ich habe sehr haarige Beine, uhh!

Musstest du vorher ins Fitnessstudio?

Nein, aber ich habe von selbst damit angefangen. Ich muss diesmal ja mein T-Shirt ausziehen, also wollte ich ein bisschen muskulöser wirken. Nicht, dass ich davon besessen wäre. Aber Harry wäre das wohl. Wenn man sich ansieht, was er in den bisherigen Filmen schon alles durchgemacht hat, muss er inzwischen ganz schön hart im Nehmen sein.

Schon merkwürdig, dass er bei aller Zauberei immer noch eine Brille braucht, oder?

Diese Frage würde ich Frau Rowling auch gern mal stellen. Die Magie könnte sich doch leicht um das Augenproblem kümmern. Ist das also nur ein Image-Ding?

Zum Thema Rock'n'Roll: Im Film tritt beim großen Internatsball eine Band auf, in der zwei Mitglieder von Radiohead und Jarvis Cocker, der Sänger von Pulp, mitmachen.

Fantastisch. Ich bin ein gewaltiger Radiohead- und ein noch größerer Pulp-Fan. Und Damon Alburn von Blur kam auch noch auf den Set. Das Treffen mit Cocker war aber sehr peinlich. Ich bin zu ihm hin und habe schlechte Witze gerissen. Aber wenn du einen der intelligentesten Songschreiber triffst, ist das halt ziemlich einschüchternd.

Lernst du immer noch Bassgitarre?

Leider fehlt mir momentan die Zeit. Ich hatte neben den Dreharbeiten noch wichtige Schulprüfungen. Meine schwarze Gitarre steht aber immer noch in meinem Zimmer. Ab und zu nehme ich sie in die Hand. Aber auch, wenn ich mehr üben würde, wäre ich wohl nie ein guter Musiker geworden. Das Einzige, worin ich wirklich gut bin, ist Schauspielern.

Musik ist bekanntlich sehr wichtig für dich. Womit beginnt dein Tag, was läuft zum Beispiel beim Frühstück? Oder ist Musik da nicht erlaubt?

Doch, mein Vater mag Gott sei Dank meine Musik. Zum Frühstück nichts zu Verrücktes. Vielleicht Pulp, großartige Melodien, scharfsinnige Texte. Oder The Smiths - mein Dad ist ein großer Fan. Zum Aufwachen höre ich Mercury Rev: "Holes". Und wenn man wach ist: "What Do I Get" von den Buzzcocks.

Das beste Lied, bevor es an den Set geht?

The Rakes, der Song heißt "We Are All Animals".

Und um Mädchen zu imponieren?

Die sind immer sehr beeindruckt, wenn man eine Band erwähnt, von der sie noch nie etwas gehört haben. Also am besten was Obskures. Vielleicht Broken Social Scene. Oder die Stars: "Set Yourself On Fire".

Apropos Mädchen. Warst du nicht enttäuscht, dass Harry immer noch keine Kussszene hat?

Da wartet natürlich jeder darauf. Aber das wird wohl erst im fünften Film passieren. Ich bin natürlich sehr aufgeregt, diese Szene endlich zu drehen.

Für die Rolle deiner Filmflamme gab es 5000 Bewerberinnen. Hast du hinterm Vorhang mit ausgesucht?

Leider nicht. Aber ich hätte kaum jemand schöneren und süßeren als Katie Leung finden können. Sie ist atemberaubend anzuschauen und echt nett.

Im "Feuerkelch" gibt es dennoch eine Art Sexszene: Harry sitzt oben ohne im Schwimmbad und wird von einem Gespenst angebaggert.

Yeah, da gibt es definitiv sehr sexuelle Untertöne. Das ist großartig, weil die jüngeren Kinder nicht verstehen werden, warum ihre Eltern bei dieser Szene so lachen.

Zudem tritt eine neugierige Reporterin auf, die ständig Harry mit Hermine verkuppeln will. Dir stellen Journalisten ja auch die immer gleiche Frage: Hast du eine Freundin?

Das höre ich wirklich sehr oft. Prominenz ist seltsam. Wenn dich die Leute auf dem roten Teppich sehen, denken sie automatisch, du hast 50 Millionen Geliebte. Die wollen einen echten Filmstar, der nur auf reiner Seide schläft. Aber das bin ich eben nicht. Ich habe glücklicherweise super Eltern, die immer ehrlich zu mir sind und mich erden.

Tonnen von Fanpost und Geschenken bekommst du aber weiterhin?

Klar. Und es gab wieder mal einen sonderbaren Heiratsantrag, von einer, die mich noch nie getroffen hat. Daran habe ich mich schon gewöhnt.

Dein nächster Film ist kein "Harry Potter". Er heißt "December Boys", eine australische Produktion, in der du ein Waisenkind spielst. Da darfst du dann doch endlich vor der Kamera küssen...

Yeah! Das ist die Wahrheit. Küssen und ein wenig mehr. Aber darüber darf ich leider nicht sprechen.

Mathias Schmidt / print