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Filmstart "Iron Man 2": Der Eisenmann rostet

Im ersten Teil von "Iron Man" war Robert Downey Jr. als arroganter Superheld brillant. Doch die Fortsetzung der Comicverfilmung beschränkt sich darauf, ein Brückenteil zu sein. Da hilft auch Scarlett Johansson im Lederoutfit nichts.

Von Sophie Albers

Seitdem Robert Downey Jr. seine Drogenphase hinter sich gelassen hat, möchte man ihn am liebsten in jedem Film sehen. Diesen wunderbar sarkastischen, präzisen, doch genauso verspielten Mimen Hollywoods, der jede Produktion zu adeln scheint. Doch wie bei richtig gutem Schokoladeneis gibt es offensichtlich auch bei richtig guten Schauspielern eine Überdosis. Die von Downey Jr. heißt "Iron Man 2".

Dabei schien vor zwei Jahren noch alles möglich: Da machte Downey Jr. in der Rolle des Tony Stark einen arroganten Normalsterblichen zum Superhelden und schenkte dem Kino sogar einen liebenswerten Waffenhändler. Dieser sonst auf die dunkle Seite der Macht abonnierte Job ermöglichte Stark, eine multifunktionale Kampfrüstung zu bauen, mit der er mal eben die Welt rettete. Wunderbar war das Gefrotzel zwischen Iron Man/Stark und seiner herrlich unterkühlten Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow). Charmant bis brachial komisch die Ironie in jedem Spruch und jeder Geste dieses menschlichsten aller Superhelden. Aber gerade die hat in "Iron Man 2" gewaltig an Magie verloren.

Mickey Rourke als Vollpsychopath

Klar ist es witzig, wenn der Mann mit dem Überego einem dumm-feisten Senator, der von Stark die Iron-Man-Rüsting einfordert, erklärt, dass man ihm gefälligst dankbar sein solle, schließlich habe er "den Weltfrieden privatisiert". Aber Starks Selbstverliebtheit wird dann sehr schnell langweilig, weil sie keine Pause macht. Schließlich wirkt sie fast pathologisch, und man wartet auf die Entmündigung des Mannes, der zwischen Lasern und sonstwas für Waffen wohnt und vor sich hinbastelt. Nicht einmal die Tatsache, dass Stark mit dem Tode ringt, weil der Mini-Reaktor in seiner Brust, dank dem er Teil eins überhaupt nur überlebt hat, ihn zu vergiften droht, macht ihn sympathischer.

Nächstes Problem neben diesem Antihelden, der einen kalt lässt, ist eine Fülle an Nebenfiguren und Seitensträngen, in der "Iron Man 2" fast versinkt. Kein Charakter hat genug Zeit, in dieser Geschichte Stellung zu beziehen, geschweige denn sie zu halten. Man kann nur ahnen, was alles dem Schnitt zum Opfer gefallen sein muss. Sam Rockwell als Starks Branchenkollege und Widersacher Justin Hammer macht seine Sache - wie nicht anders zu erwarten - wirklich gut. Aber schon Mickey Rourke als Elektropeitschen-schwingender Voll-Psychopath hat so viel Tiefe wie eine Pfütze. Aber es sind doch eben die Untiefen der Comichelden, die sie so spannend machen. Man denke nur an Frank Millers gezeichneten Wiedergänger "Batman".

"Darf ich eins haben?"

Selbst die eigentlich selbstlaufende Sexnummer Scarlett Johansson wirkt wie ein schlecht programmierter Roboter auf Stelzen. Eigentlich hätte sie schon bei "The Spirit" (2008) merken müssen, dass ein cooles Outfit nicht reicht. Bereits damals stand die Form über dem Inhalt, und eben das schadet auch ihrer Nathalie in "Iron Man 2". Da sitzt immerhin Starks Kommentar, als er die rotgefärbte Johansson das erste Mal sieht, wie angegossen: "Darf ich eins haben?"

Vielleicht schlägt auch hier der Fluch des zweiten Teils zu, der schon so viele Filmreihen ereilt hat, sei es "Matrix" oder auch "Spider-Man". Wenn am Ende ein ganz dicker Pfeil auf Teil drei hinweist, fühlt sich der Zuschauer immer auch ein wenig betrogen. Schließlich hat er doch Geld bezahlt, damit die Geschichte endlich mal ein Ende hat und man nicht schon wieder Schokoladeneis löffeln muss.