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Iron Man und Co. Ich habe alle Marvel-Filme hintereinander geguckt – welcher Film am meisten überrascht

Marvel's "Avengers": Thor und Captain America
"Marvel's Avengers": Thor und Captain America
© Zade Rosenthal / Picture Alliance
In der Corona-Isolation hat man mehr Zeit als sonst, um auf dem Sofa Filme zu schauen. Zum Beispiel: die komplette Marvel-Reihe. Was man dabei beachten sollte. 

Weil die Corona-Zeit mental schon schwer genug ist, war ich auf der Suche nach leichter Unterhaltung, die mich dennoch lange Zeit beschäftigen würde. Und da ich die zehn Staffeln "Friends" bereits mitsprechen kann, musste etwas anderes her. Die Lösung war schnell da: die gesamte Marvel-Chronologie.

Marvel-Chronologie: Diese Reihenfolge ist die beste

Superhelden kämpfen gegen die eigenen Dämonen, retten dabei die Welt und besiegen im Kollektiv die schlimmsten Bösewichte. So in etwa die Kurzzusammenfassung der Comic-Verfilmungen. Aber Iron Man, Captain America und Co. sind noch viel mehr als stumpfe Helden, Protagonisten von einfachen Blockbustern. Bevor ich allerdings anfangen konnte, musste ich mich erstmal auf eine Reihenfolge festlegen. Gar nicht so einfach, immerhin gibt es mehrere Möglichkeiten: Die tatsächliche Chronologie, die der Zeit der Filmhandlung folgt, oder aber doch sortiert nach Kino-Erscheinungsdatum? Ich entschied mich für Erstere (die genaue Chronologie nach Filmen ist unten aufgelistet). 

Heißt: Mit "Captain America: The First Avenger" (gespielt von Chris Evans) fing alles an. Der erste Film spielt während des Zweiten Weltkriegs. Ich muss gestehen, dass ich dem "Cap" gegenüber anfangs Vorurteile hatte. Viel zu glatt, viel zu amerikanisch – Captain America war mir einfach immer zu perfekt. Was habe ich mich geirrt. Ja, der erste Film der Reihe bedient wahnsinnig viele Klischees, nicht zuletzt den Kampf des US-Soldaten Steve Rodgers gegen den Prototyp-Nazi mit rotem Schädel. Doch Steve Rodgers, oder besser: Captain America, ist ein Superheld, der emotional am besten zugänglich ist. Da verzeiht man dem "Cap" das etwas zu perfekte Erscheinungsbild doch schnell. 

Iron Man: der unperfekte Held

Weiter ging es mit "Captain Marvel", verkörpert von Brie Larson. Der Film spielt in den Neunzigerjahren und hat mich ebenfalls überrascht. Captain Marvel ist so stark und fast unbesiegbar, dass dem Streifen ein wenig die Spannung abhanden kommt. Und doch ist er wichtig, um alle folgenden Filme wirklich zu verstehen. Schließlich beantwortet er eine nicht unwichtige Frage: Was ist wirklich mit Furys Auge passiert?Einer der beliebtesten Superhelden ist wohl Iron Man, gespielt von Robert Downey Jr.. Das liegt vor allem an Iron Man, beziehungsweise Tony Stark, selbst. Der genauso reiche wie intelligente Philanthrop will eigentlich gar nicht unbedingt die Welt retten, ist aber zu mächtig, um still zuzusehen, während die Bösen ihr Unwesen treiben. Mit der Besetzung des Superhelden ist Marvel der größte Coup überhaupt gelungen: Ohne Downey Jr. wären die Filme nur halb so legendär. 

Captain Marvel
Die Überfrau Captain Marvel, gespielt von Brie Larson
© Uncredited / Picture Alliance

Auch ein wenig zu perfekt schien mir Thor. Mit seinen langen blonden Haaren und seinem Hammer, mit dem er eindrucksvoll auf die Bösen einkloppte, ging er mir früher eher auf die Nerven. Doch die Anfänge seiner Geschichte, die auch die schwierige Beziehung zu Bruder Loki (Tom Hiddleston) erklären, waren mir damals nicht bewusst. Die "Thor"-Filme haben außerdem erheblichen Einfluss auf die späteren "Avengers"-Filme. 

Die "Avengers": Helden vereinen sich

Und genau die sind das Herzstück der Marvel-Reihe. Während jeder der Superhelden alleine schon spannend ist, entfalten die Einzelnen erst in der Gruppe ihre wahre Kraft. Im ersten der Filme (von 2012) wird – wie in so vielen Blockbustern zuvor – mal wieder New York zerstört. Was ein wenig traurig ist, da die Helden selbst so kaum Platz bekommen im Drehbuch. Stattdessen wird gekämpft, geflogen, besiegt. Schön anzusehen, aber das Besondere an der Marvel-Reihe ist nicht allein die Stärke der Helden, sondern auch das Zwischenmenschliche.

 

Wo wir bei den von mir unterschätztesten Filmen angekommen wären: "Guardians of the Galaxy". Zu Beginn habe ich mich etwas gesträubt. Eine Gruppe merkwürdig aussehender Kreaturen fliegt durchs Weltall und macht ... ja, was eigentlich? Und doch sind die "Guardians"-Filme ungemein wichtig für die Reihe, darüber hinaus sind sie nicht nur am witzigsten, sondern liefern auch noch den mit Abstand besten Soundtrack. Starlord (Chris Pratt), der kleptomanische Waschbär Rocket, die Pflanze Groot, der rachsüchtige Dümmling Drax (Dave Bautista) und Kämpferin Gamora (Zoe Saldana) sind die Guardians und zeigen, dass Familie nicht unbedingt die ist, in die man hinein geboren wird. 

Der geschrumpfte Antiheld

Fast genauso überraschend waren die "Ant-Man"-Filme. Darin wird der kleinkriminelle Scott Lang (Paul Rudd) mit Hilfe des Wissenschaftlers Hank Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope (Evangeline Lilly) auf Ameisengröße geschrumpft, um die Welt vor einem durchgeknallten Unternehmer zu retten. 

Nicht nur der Plot ist nachvollziehbar und spannend. Großartig sind vor allem die Bilder. Wie der Mini-Ant-Man durch San Francisco fliegt, Gegenstände und ganze Häuser geschrumpft werden – all das ist so liebevoll und unterhaltsam umgesetzt, dass die Frage bleibt: Wieso werden die "Ant-Man"-Filme so unterschätzt?

"Ant-Man and the Wasp"
Ameisen werden zu Freunden: Szene aus "Ant-Man and the Wasp"
© Uncredited / Picture Alliance

Ähnlich unernst und wohl deshalb so unterhaltsam sind die "Spiderman"-Streifen mit Tom Holland. "The Kid", wie Tony Stark seinen Spinnen-Schützling aus Queens nennt, wird von Holland so gut verkörpert, New York und all seine Gangster so treffend inszeniert, dass die Filme alleine stehen. Für die Avengers-Reihe sind sie bei Weitem nicht die wichtigsten, auslassen sollte man sie aber dennoch auf keinen Fall. 

Thanos, der Endgegner

Ebenso wenig "Doctor Strange" und "Black Panther". Ersterer, verkörpert von Benedict Cumberbatch, wird zu einem der wichtigsten Kämpfer in der Avengers-Reihe und den finalen Kampf gegen den "Endgegner" Thanos. Und der Black Panther, Anführer des afrikanischen Staates Wakanda, verfügt über den größten Vorrat an Vibranium, dem Material, aus dem nicht nur Captain Americas Schild gebaut ist, sondern die meisten Waffen, mit denen die Superhelden kämpfen. Also alles andere als unwichtig! 

Schließlich laufen alle Marvel-Filme auf das große Finale hin: Den Kampf gegen Thanos, der – natürlich – im Kollektiv ausgetragen wird. Ich hatte "Avengers: Endgame" schon vor meinem Marvel-Binge gesehen und musste danach feststellen: Ohne das ganze Vorwissen, das Eintauchen in die Welt der Comics, kann man nur die Hälfte verstehen.  

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Marvel ist mit der Reihe ein Entertainment-Meisterwerk gelungen. Leichte Unterhaltung, emotional stark umgesetzt mit Helden, die zwar manchmal (zu) perfekt scheinen, es aber in keiner Weise sind. Und auch diese Erkenntnis bleibt am Ende: Ich habe wohl zu viel Zeit. 

  • Captain America: The First Avenger 
  • Captain Marvel 
  • Iron Man 
  • Iron Man 2 
  • Der unglaubliche Hulk
  • Thor 
  • Marvel's The Avengers 
  • Iron Man 3 
  • Thor: The Dark Kingdom
  • Captain America: The Return of The First Avenger
  • Guardians of the Galaxy
  • Guardians of the Galaxy Vol. 2 
  • Avengers: Age of Ultron 
  • Ant-Man 
  • Captain America: Civil War
  • Spider-Man: Homecoming
  • Doctor Strange 
  • Black Panther 
  • Thor: Ragnarok 
  • Avengers: Infinity War
  • Ant-Man and The Wasp
  • Avengers: Endgame
  • Spider-Man: Far From Home 

Die gesamte Marvel-Reihe ist verfügbar bei Disney+


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