HOME

George Clooney: "Brad Pitt ist passé"

George Clooney mag keine romantische Komödien, trotzdem ist er jetzt in einer zu sehen: Im stern.de-Interview verrät Clooney, warum er die Rolle in "Ein verlockendes Spiel" reizvoll fand, wieso Barack Obama der neue Präsident wird und weshalb Brad Pitt als Filmstar passé ist.

Ihr neuer Film "Ein verlockendes Spiel" ist ganz anders als die Filme, bei denen Sie bisher mitgewirkt haben. Sie machen sich darin über sich selbst lustig. Es wirkt, als würden Sie immer in die Kamera zwinkern.

Stimmt. Und das hat mir großen Spaß gemacht. Nach meinem Film "Good Night, and Good Luck" und meinem Oscar für "Syriana" wurden mir nur noch hochgradig politische Drehbücher angeboten. Deshalb habe ich mich ganz bewusst für eine Komödie entschieden. Außerdem war mir wichtig, dass es keine romantische Komödie wird, weil die meisten nicht funktionieren. Wir wissen alle, woran das liegt: Es ist von Anfang klar, wie der Film ausgeht.

Sie mögen also keine romantischen Komödien. Was ist Ihre Vorstellung einer Romanze?

Eine Flasche Scotch. Ich glaube, wenn man versucht, eine Romanze zu definieren, ist es keine mehr.

Vor kurzem wurden Sie im "Time"-Magazin als letzter Filmstar gefeiert. Was hat denn ihr Freund Brad Pitt dazu gesagt?

Brad ist passé! Auf dem Titel der "Time" zu sein, ist zwar eine Ehre, aber es ist auch peinlich, weil eigentlich Matt Damon der letzte Filmstar ist. Am allerpeinlichsten war, dass dieser Artikel am Tag der Oscar-Verleihung herauskam und ich Jack Nicholson begegnet bin. Er kam auf mich zu und sagte: "Du bist also der letzte Filmstar, oder was?" Ich entschuldigte mich, ich hätte den Artikel doch nicht selbst geschrieben.

Viele Ihrer berühmten Freunde - von Brad bis Matt - sind in stabilen Beziehungen mit Kindern.

Das ist mir auch schon aufgefallen.

Wann ist es bei Ihnen soweit?

Meine Freunde können mir nichts vormachen! Die wollen nur, dass ich genauso unglücklich bin, wie sie. Jetzt mal ganz ernst: Ich habe vor zwölf Jahren gesagt, dass ich keine Kinder haben will - und dieser Spruch verfolgt mich seitdem. Wenn man noch nicht so lange berühmt ist, sagt man Dinge, die man später bereut. Ich lebe ein wirklich tolles Leben, ich habe gute Freunde und großartige Neffen und Patenkinder, mit denen ich viel Zeit verbringe.

Wie viele Patenkinder haben Sie? Und warum glauben Sie, dass Ihnen Freunde ihre Kinder anvertrauen?

Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es wegen meines Bargelds ist. Für ein Weilchen hatte ich mir als Grund allerdings eingeredet, dass sie mich mögen. Aber dann wurde mir klar, dass die Eltern für den Fall vorsorgen, dass sie beide bei einem Flugzeugabsturz umkommen und dann die Kinder bei einem reichen Typen aufgehoben sind. Ich habe acht Patenkinder, und wenn es sich um einen wirklich schreckliches Flugzeugunglück handelt - was ich nicht hoffe - dann bin ich dran. Dann wimmelt es bei mir von Kindern.

Viele Ihrer Kollegen engagieren sich für die Umwelt. Wie setzen Sie sich dafür ein? Haben Sie zuhause schon die Glühbirnen ausgetauscht?

Leider nein. Das funktioniert in meinem Haus nicht, weil immer so viele Freunde bei mir leben und jeder das tut, wozu er Lust hat. Ich versuche, so umweltbewusst wie möglich zu leben. Ich habe zwei elektrische Autos, fahre einen Hybrid, aber ich fliege auch in Privatflugzeugen. Das bringt mich immer wieder in die Zwickmühle.

Dafür sind Sie seit kurzem Friedensbotschafter der Vereinten Nationen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe mich mit Vertretern der UNO getroffen, weil ich unbedingt in die westsudanesische Krisenregion Darfur wollte. Ohne Visum kommt man allerdings nicht rein. Die Lösung war, dass man mich zum Friedensbotschafter ernannte. Doch damit habe ich nun eine große Verantwortung übernommen. Es gibt derzeit weltweit etwa 18 Konfliktregionen. Als nächstes möchte ich mich nach Burma und die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi treffen, die seit 12 Jahren unter Hausarrest steht. Als Prominenter hat man die Möglichkeit, das Scheinwerferlicht auf Probleme zu werfen, die sonst keine Beachtung finden. Wenn ich vor dem Sicherheitsrat der UN über die Zustände von Darfur berichte, weiß ich, wovon ich rede. Ich war dort im Schützengraben und habe mich mit Kriegsherren getroffen. Ich habe mich bereiterklärt, die UN zu unterstützen, werde aber auch ihr größter Kritiker sein.

Vor einem Jahr sagten Sie, Sie würden alles für Barack Obama und seine Kampagne tun, aber bisher haben Sie sich mit ihm noch nie in der Öffentlichkeit gezeigt. Warum?

Ich habe Obama ziemlich von Anfang an unterstützt. Ich sammle Geld für ihn und bleibe im Hintergrund, denn im mittleren Westen Amerikas kommt Unterstützung aus Hollywood nicht gut an. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass er Präsident wird. Die amerikanische Jugend ist aktiv geworden und wählt. Das ist eine neue Bewegung. Das gab es zuletzt bei Kennedy oder Reagan. Man muss nur einmal Barack erleben, seine Reden hören. Amerika braucht einen Anführer - und wegen Baracks Führungsstil glaube ich an ihn.

Interview: Frances Schoenberger
Themen in diesem Artikel