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Greta Garbo: Die einsame Göttin des Films

Millionen Kinogänger in aller Welt verehrten sie wie keine andere Schauspielerin und verliehen ihr den Beinamen "die Göttliche". Greta Garbo wäre am 18. September 100 geworden - und fasziniert noch immer.

Greta Garbo, die "Göttliche", war schon zu Lebzeiten eine Legende. Sie wurde zwischen 1926 und 1941 mit Filmen wie "Mata Hari", "Anna Karenina" und "Ninotschka" zur vielleicht berühmtesten Filmdiva aller Zeiten. Hollywood verlieh ihr aber nicht einen Oscar für ihre 24 US-Filme. Millionen in aller Welt verehrten Garbo wie keine andere Schauspielerin. Doch wie keine andere entzog sie sich der Öffentlichkeit. Sie war der Traum unzähliger Männer, aber sie war nie verheiratet und hatte offensichtlich auch lesbische Neigungen. Im Frühjahr 1990 starb Greta Garbo im Alter von 84 Jahren. Am 18. September wäre sie 100 Jahre alt geworden.

"Die Garbo vermittelte den Filmen ein Gefühl von Poesie, dem niemand anders nahe kam als - vielleicht - Charles Chaplin", schwärmte der US-Schriftsteller Truman Capote. Und der Schauspieler Lionel Barrymore, ihr Partner in vier Filmen, nannte sie "die größte Schauspielerin, die man jemals auf der Leinwand gesehen hat". Kinobesucher bewunderten ihre Schönheit und ihre Scheu, hinter der sich unendliche Geheimnisse zu verbergen schienen. Ein fein gezeichnetes Gesicht mit einer Alabaster-Haut, das die Kamera zu einem kunstvollen Spiel von Licht und Schatten herausforderte.

Ihr Mann machte sie zum Weltstar

Die Gefeierte war aus ärmlichen Verhältnissen aufgestiegen. Als Greta Louisa Gustafsson in einem der ärmsten Viertel von Stockholm aufgewachsen, arbeitete sie zunächst in einem Friseursalon, später als Verkäuferin in einem Warenhaus. Ihr hübsches Gesicht brachte ihr 1921 die erste Filmrolle ein. Wenig später erhielt sie ein Stipendium für die Schule des Königlichen Schauspielhauses. Dort lernte sie auch den Mann kennen, der aus dem linkischen Teenager einen Weltstar machte, den Regisseur Mauritz Stiller.

Der russisch-jüdische Emigrant, eine dominierende Figur im damals bedeutenden schwedischen Stummfilm, gab der Elevin in "Gösta Berlings Saga" eine Hauptrolle, die sie rasch in Europa bekannt machte. 1924 ging Stiller mit seinem jungen Star nach Berlin, wo er mit ihr eine Rolle in Georg Wilhelm Pabsts "Die freudlose Gasse" einstudierte. Wenig später entstanden in Hollywood die MGM-Filme, die Greta Garbo zum Weltstar machten: "Der Strom" (1926), "Die Versucherin" (1926), "Das Fleisch und der Teufel" (1927).

Vorbild einer ganzen Frauengeneration

Während Stiller 1927 nach Schweden zurückkehrte und ein Jahr später starb, stieg die Garbo auf zu immer neuen Höhen des Ruhms. Ihre Schönheit wurde das Vorbild einer ganzen Frauengeneration. In den 30er Jahren kamen ihre bekanntesten Filme "Königin Christine", "Anna Karenina" und "Die Kameliendame" auf die Leinwand. Ungeachtet ihres Erfolgs weigerte sie sich, Hollywoods Regeln zu folgen. Sie hielt ihr Privatleben praktisch geheim, gab selten Pressekonferenzen und blieb stets die "Schwedische Sphinx".

Als sie, die stets von einem Hauch von Tragik und Melancholie umweht zu sein schien, 1939 unter der Regie von Ernst Lubitsch ihre erste Komödie drehte, "Ninotschka", kündigte der Verleih in großen Anzeigen an: "Die Garbo lacht!" Zwei Jahre später verging allen das Lachen. "Die Frau mit den zwei Gesichtern" (1941) zeigte sie als kameradschaftliche Frau und fiel bei der Kritik gnadenlos durch. Die Garbo entschied, nie mehr zu filmen, verließ Hollywood und zog sich nach New York zurück. Dort lebte ihr Mythos fast fünf Jahrzehnte weiter.

Zurückgezogenes Leben

Zahlreiche Legenden wurden gewoben, zahlreiche Biografien geschrieben, Bildbände erschienen mit frühen und neuen, heimlich geschossenen Fotos einer alternden Frau mit Sonnenbrille und Schlapphut. Zu den wenigen Freunden an ihrem Lebensende gehörte der Kunsthändler Sam Green, der 15 Jahre lang täglich mit ihr telefonierte und sie auf ihren Spaziergängen durch Manhattan begleitete.

Seinen späteren Schilderungen nach hatte die Garbo ihre Wohnung mit Blick auf den East River in ein "Nest" verwandelt, das ihren spartanischen Bedürfnissen entsprach. Dort ließ sie sich 31 Jahre lang von der gleichen Haushälterin versorgen - und kochte am Wochenende selbst. Partys bei ihr gab es nicht. Wenn die "göttliche" Garbo zu einem Dinner bei Freunden eingeladen war, brachte sie oft einen Apfel von zuhause mit und verspeiste ihn seelenruhig anstelle des gereichten Lobsters oder Steaks.

Gisela Ostwald/DPA / DPA