VG-Wort Pixel

Hachiko Ein Hund stiehlt Richard Gere die Show

Zehn Jahre lang wartete der treue Hund Hachiko am Bahnhof auf sein verstorbenes Herrchen. Lasse Hallström hat die Geschichte des Akitas, die auf einer wahren Begebenheit beruht, auf rührende Weise neu inszeniert.
Von Isabelle Buckow

Hollywood ist auf den Hund gekommen. Das ist prinzipiell nichts Neues. Ob in "Das Hundehotel", "Marley und ich" oder "Lassie" - Hunde sind in Hollywood ein Garant für volle Kinosäle. Da ist es umso erstaunlicher, dass sich die Studiobosse mit der Verfilmung der Legende des Akita-Hundes Hachiko so lange Zeit gelassen haben. Jetzt, 60 Jahre nach seinem Tod, kommt der treue, japanische Akita endlich auf die Leinwand. An der Seite von Frauenversteher und Charmebolzen Richard Gere rührt Hachiko mit seiner bedingungslosen Freundschaft und Liebe zu Tränen. Wer jetzt denkt, dass es sich bei diesem Film nur um ein weiteres kitschiges Tierdrama handelt, liegt falsch. "Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft" ist ein ruhig erzählter und berührender Familienfilm mit tollen Bildern und noch tolleren Darstellern. Man muss lachen und furchtbar weinen und wenn man später aus dem Kino kommt, ist man vor lauter Tierliebe und Anteilnahme regelrecht erschöpft.

Die Geschichte des Films ist schnell erzählt: Wie immer kommt Professor Parker Wilson (Richard Gere) um 17 Uhr mit dem Zug aus Providence auf dem Bahnhof von Bedrigde an, als ihm auf dem Bahnsteig plötzlich ein kleiner Hundewelpe vor die Füße läuft. Von dem Besitzer fehlt weit und breit jede Spur. Also nimmt Parker den Welpen mit zu sich nach Hause - sehr zum Leidwesen seiner Frau Cate, gespielt von Joan Allen, die von Anfang an klar macht, dass sie den Hund nicht im Haus haben will. Parker verspricht, den Besitzer des Welpen ausfindig zu machen. Nach wenigen Tagen erfolgloser Suche ist der niedliche Welpe Parker schließlich so sehr ans Herz gewachsen, dass er ihm den Namen Hachiko gibt und beschließt, ihn zu behalten. Das niedliche Hundekind wächst zu einem stattlichen Rüden heran, der sein Herrchen jeden Tag zur Arbeit bringt und pünktlich vor dem Bahnhof wartet, wenn der 17-Uhr-Zug wieder einfährt. Doch eines Tages kehrt Parker nicht zurück.

Hachiko lässt Gere erblassen

Mit seinem amerikanisierten Remake von Seijirô Kôyamas 1987 entstandenem Melodrama "Hachiko monogatari" erweist sich Regisseur Lasse Hallström einmal mehr als sensibler Filmemacher. Einfühlsam beschreibt er die Geschichte des treuen Hachikos, die auf eine wahre Begebenheit in Japan zurückgeht. Dort hatte ein Akita-Hund von 1925 bis 1935 jeden Nachmittag vor dem Tokioter Bahnhof Shibuya auf sein verstorbenes Herrchen gewartet. Hallström zeigt hochemotionale Szenen, ohne den Hund jedoch zu vermenschlichen. In weiten Teilen bleibt der Regisseur bei Hachiko, wechselt in einigen Szenen sogar in die Perspektive des Tieres und bald fühlt der Zuschauer mit dem treuen Hund, wenn er bei Wind und Wetter mutterseelenallein am Bahnhof ausharrt, den Blick gebannt auf die Bahnhofstür gerichtet. Jedes noch so kleine Detail im Film ist richtig angebracht, das verfilzte Fell, die dünne, herunterhängende Rute und die kleinen, müden Augen - einfach rührend. Und spätestens wenn der alt gewordene Akita sich mit letzter Kraft über die Bahngleise schleppt, kullern die Tränen, zücken Menschen in allen Ecken des Kinos ihre Taschentücher.

Keine Frage, Star dieses Filmes ist eindeutig der Hund. Mit Hachikos Charme und seiner bedingungslosen Treue, die einem das Herz zerreißt, kann es auch ein Richard Gere nicht aufnehmen. Dennoch spielt Gere den Mann, der den kleinen Hund am Bahnhof findet, so überzeugend, dass man das Gefühl hat, dass sich wirklich etwas zwischen ihm und dem Hund abspielt. In diesem Punkt profitiert der Schauspieler davon, dass er als Kind mit Hunden groß geworden ist und selbst einen Vierbeiner hat. Wenn Gere den Kopf des Akita zu sich zieht und einen Kuss aufs Fell drückt, wenn er mit einem gelben quietschenden Ball im Mund auf allen Vieren durch den Garten krabbelt, um Hachiko zu zeigen, wie man apportiert, dann kann man sich gut vorstellen, dass er das auch für seinen eigenen Hund tun würde. Angeblich war er beim Lesen des Drehbuchs sogar so gerührt, dass er selbst zum Taschentuch greifen musste!

Zugegeben, am Ende kriegt Hallström doch nicht ganz die Kurve und verliert sich kurz im kitschigen Gefühlskino. Aber bis dahin steht sowieso schon das ganze Kino unter Wasser, hat man schon so viel mit Hachiko gelitten und geweint, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.


Mehr zum Thema



Newsticker