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Italo-Thriller "The American": Der allerletzte Job für Killer Clooney

Zugegeben, der Plot von "The American" erinnert ein wenig an das irisch-belgische Filmdrama "Brügge sehen… und sterben?". Doch Corbijns Thriller über einen internationalen Auftragskiller, der in einem italienischen Bergdorf untertaucht, schafft es, seinen eigenen Charme zu entwickeln.

Profikiller haben's schwer. Das muss auch George Clooney erkennen, der in dem atmosphärischen Thriller "The American", ab 16.9. in deutschen Kinos zu sehen, einen solchen spielt. Einen wahren Meister seines Fachs, dem nicht nur das auftragsgemäße Morden mit tödlicher Präzision von der Hand geht, sondern der sich auch als Spezialist im Zusammenbau des dafür notwendigen Waffenarsenals erweist. Kühl, kalkuliert, emotionslos erledigt dieser Mann namens Jack seine Arbeit. Ein Profi eben.

Doch auch im Leben einer solchen Fachkraft für kriminelle Angelegenheiten müssen die Dinge irgendwann mal aus dem Ruder laufen - wo bliebe sonst der Thrill? Nach einem blutigen Zusammentreffen mit konkurrierenden Killerkollegen in der verschneiten Landschaft Schwedens wird Jack nach Italien beordert. Ein verschlafenes Abruzzendorf dient ihm als Unterschlupf, um auf neue Instruktionen zu warten. Hier ist er nur "der Amerikaner", ein etwas exotischer, mysteriöser Neuankömmling, der von den Einheimischen neugierig gemustert wird.

Besonders der örtliche Geistliche, dargestellt von der italienischen Kinolegende Paolo Bonacelli, hegt reges Interesse an dem Fremden, ebenso wie eine attraktive Prostituierte, für die Jack bald bereit ist, seinen sündigen Beruf an den Nagel zu hängen, ebenso wie sie den ihren. Ein letzter Auftrag noch, dann soll es mit den unheiligen Dienstleistungen vorbei sein. Aber wie geübte Kinogänger wissen: Der "allerletzte Job" wird genau jener Tropfen zuviel sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Effiziente Spannung bis zum Showdown

Es sind klassische Strukturen, derer sich der ehemalige Starfotograf und Videoclip-Macher Anton Corbijn in seinem zweiten Kinofilm nach der gefeierten Musikerbiografie "Control" bedient: Ein Mann kommt in eine kleine Stadt, knüpft unfreiwillig Kontakte und möchte diese geläutert wieder verlassen, wird jedoch von seiner Vergangenheit eingeholt. Corbijn liefert eine konzentrierte Studie in Thrillerästhetik ab, die mit klaren Bildeinstellungen und einem Höchstmaß an Effizienz für Spannung sorgt. Nicht umsonst hat er im Hintergrund Italowestern-Plakate platziert und sich von Herbert Grönemeyer eine stimmungsvolle Filmmusik komponieren lassen.

George Clooney, dessen Präsenz für die nötige Massentauglichkeit sorgt, ordnet sich als wortkarger Fremdling mit dunklem Geheimnis homogen dem Geschehen unter. Für sein Aussehen kann er nichts, und trotz allem Sexappeal spielt der Star hier gekonnt gegen den Typ. Schließlich ist es dramaturgisch gewollt, dass sich alle Blicke auf ihn richten. Mag auch der von Corbijn eingeflochtene Symbolismus von der Raupe, die sich am Ende in einen Schmetterling verwandelt, etwas zuviel des Guten sein, ergibt sich im Ganzen doch ein intensives Charakterporträt, bei dem sehr fotogen gestorben wird.

Andreas Dosch, APN / APN