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Katja Flint: "Viele Leute denken, ich wär' so 'ne Diva"

Im stern-Interview spricht Schauspielerin Katja Flint über ihre neue Haarfarbe, Medien-Klischees und ihre Rolle in dem ZDF-Film "Liebe und Verlangen".

Sie haben Ihre Haare dunkel gefärbt. Gefielen Sie sich nicht mehr?

Mir sind die blonden Haare auf die Nerven gegangen. Bevor ich sie vor fünf Jahren für die Hauptrolle in "Widows" blondieren musste waren sie dunkelrot. Nun war die Zeit mal wieder reif für eine Veränderung. Allerdings sind einige Leute irritiert und geben mir zu verstehen, ich solle die Haare gefälligst wieder blond färben. Das würde mir besser stehen.

Die interessanteste Blondine des deutschen Films ist im Herzen dunkelhaarig, stand mal irgendwo zu lesen...

(lacht). Das mag daran liegen, dass viele Leute denken, ich wär' so 'ne Diva. Und wenn sie mich dann kennen lernen, sind die ganz überrascht, dass ich mich völlig normal benehme und sogar einigermaßen nett bin.

Das heißt, Dunkelhaarige sind netter als Blondinen?

Ach, diese Klischees. Blondinen sind entweder kühl und zickig oder haben eine üppige Oberweite und sind doof. Rothaarige sind feurig, Dunkelhaarige rassig – alles alberner Quatsch.

Rotbraun, dunkelbraun, blond - womit sind Sie sich denn am nächsten?

Das Braun entspricht mir wohl mehr. Im Moment jedenfalls. Es gibt ja immer mal Phasen, in denen man sich gerne auch von sich selbst wieder distanziert, Lust auf eine Häutung hat.

Aber haften geblieben ist nach rund 50 unterschiedlichen Rollen das Image der coolen deutschen Sharon Stone.

Ich habe etliche Rollen gespielt, die keine Glamourfiguren waren, aber so möchte man mich in den Medien nicht unbedingt sehen.

Lieber als Marlene...

Ja, vorher war ich eher die etwas Unscheinbare, und als plötzlich die Meldung kam, dass Frau Flint die Marlene spielt, war das ein Renner für die Medien. Auf diese ungeheure Aufmerksamkeit bin ich gar nicht scharf.

In "Liebe und Verlangen" spielen Sie hingegen eine - blonde - Schuldirektors-Gattin, deren Leben sich durch eine lesbische Beziehung radikal ändert. Gab es eine ähnlich tiefgreifende Veränderung in Ihrem Leben?

Ja, auch ich habe mich mal entschieden aus einer Ehe und später aus einer anderen langjährigen Beziehung herauszugehen und mich damit auf finanzielles und emotionales Glatteis begeben. Heute habe ich das Gefühl, eine Lebensform gefunden zu haben, die mir entspricht. Trotzdem habe ich noch nicht das Gefühl, angekommen zu sein. Und das meine ich nicht in Bezug auf eine Liebesbeziehung. Ich spüre da eine diffuse Sehnsucht in mir, und ich weiß nicht genau, wo das alles hinführt. Aber ich bin auf dem Weg.

Ihr Weg zur Schauspielerei ergab sich auch eher zufällig.

Stimmt, eigentlich wollte ich Medizin studieren, doch dafür reichte mein Notenschnitt nicht. Also besuchte ich erstmal eine medizinische Kosmetikschule.

Um dann später Theaterwissenschaften und Schauspiel zu studieren.

Ich hatte schlicht und einfach keine Chance eine medizinische Ausbildung zu machen. Sonst wäre ich wohl nie Schauspielerin geworden. Als ich damals nach München ging und in der Wartezeit auf einen Studienplatz als Kellnerin und Model jobbte, begann ich, ins Theater und ins Kino zu gehen. Ich war so davon fasziniert, dass ich mich dafür entschied.

Der Durchbruch ließ dann lange auf sich warten. Als der Thriller "Die Sieger" 1993 herauskam, waren Sie schon 34.

Früher war es schon toll, überhaupt in einem Kinofilm zu sein, überhaupt eine Rolle zu kriegen. Für jemanden, der aus einem Dorf kommt, war die Film- und Fernsehwelt ja eine große, unerreichbare, geheimnisvolle Welt. Das ging zwar langsam, aber beharrlich.

Was sich mit Ihrer Selbsteinschätzung vom "Spätzünder" deckt.

Ja, wobei ich denke, dass die eigentliche Zündung erst noch kommt. Hoffe ich jedenfalls.

Interview: Bernd Teichmann

Programmhinweis:

Katja Flint ist am Montag, 27.Oktober, um 20.15 Uhr in dem ZDF-Film "Liebe und Verlangen" zu sehen.

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