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LEUTE: »Ich bin ein Glücksfall für eine Frau«

Er gilt als Macho der Nation, Zocker, Trinker, Weiberheld. Jetzt will Heiner Lauterbach zum zweiten Mal Treue geloben. stern-Autorin Irmgard Hochreither sprach mit ihm über die Sehnsucht nach einem Zuhause, Midlife-Crisis, Horoskope - und seine Filmrolle als Verleger Axel Springer

Herr Lauterbach, Sie wurden gerade von Katja Flint geschieden. Am nächsten Samstag heiraten Sie zum zweiten Mal. Warum?

In erster Linie will ich Viktoria zeigen, dass ich zu ihr stehe. Auch ohne Kind. Das war damals bei Katja genauso. Ich finde es unromantisch, nur dann zu heiraten, wenn ein Kind unterwegs oder geplant ist. Mit der Heirat will ich verdeutlichen, dass mir was an der Frau liegt und ich mir vorstellen kann, den Rest meines Lebens mit ihr zu verbringen. Meine Erfahrung ist, dass es die Frauen sind, die geheiratet werden wollen und sanften Druck ausüben.

Was macht Viktoria Skaf zur Frau fürs Leben?

Zu sagen, dass sie gut kochen kann, wäre banal. Es ist natürlich eine Kombination aus vielen Dingen. Humor, Offenheit, Herzlichkeit. Und sie manipuliert mich im positiven Sinn. Sie will, dass ich weniger trinke, weniger rauche, mehr Sport mache, mich anders anziehe. Sie ermuntert mich zu Sachen, die mir gut tun, da lässt man sich ja gern manipulieren.

Wie gefällt Ihnen die Zeile »Heiner Lauterbach, der gezähmte Macho«?

Also, das nervt mich total, denn es beinhaltet etwas, das mir gar nicht schmeckt: Dass ich zu dämlich bin, eine eigene Meinung zu haben. Früher verleitete mich Jenny Elvers dazu, auf Partys zu gehen, heute ist Viktoria daran schuld, dass ich häuslich bin und Sport treibe. Ich weiß auch nicht, wie es kommt, dass ich immer mit meinen Partnerinnen in ein Boot gesetzt werde.

Lohnt sich vielleicht, drüber nachzudenken.

An mir kann das nicht liegen. Ich bin nun wirklich kein Weichei, das sich herumkommandieren lässt. Nichts passiert gegen meinen Willen. Man könnte auch sagen: Er hat einfach keine Lust mehr dazu, ständig auf Partys rumzuhängen. Und bald gibt es die Fotos: Lauterbach beim Pampers-Einkauf und Baby-Wickeln? Das alles habe ich bei meinem Sohn Oskar auch schon gemacht. Wenn der liebe Gott uns ein Kind schenkt, soll es so sein.

Wären Sie heute ein anderer Vater?

Vermutlich bin ich jetzt auch ein anderer Ehemann, und das kommt dem Kind zugute. Ältere Väter haben ja eher diesen Großvatercharakter. Sie sind nicht so streng. Das habe ich auch bei meinem eigenen Vater festgestellt und bei vielen Freunden und Bekannten. Schaden kann es nichts, etwas älter und geduldiger zu sein. Dass Kinder immer ein zwiespältiges Verhältnis zu einer neuen Hochzeit ihrer Eltern haben, ist doch logisch. Mein Vater hat dreimal geheiratet. Ich glaube nicht, dass Oskar darunter leidet. Er mag Viktoria sehr gern. Aber letztlich muss man sich gegenseitig zugestehen, dass jeder sein eigenes Leben lebt.

Sie haben ein freundschaftliches Verhältnis zu Ihrer Ex-Frau. Kommt sie zur Hochzeit?

Ich habe Katja natürlich eingeladen. Anfangs wollte sie auch kommen, schon unserem Sohn zuliebe. Aber dann hat sie es sich doch anders überlegt. Sie will einfach den vielen blöden Fragen aus dem Weg gehen, nach dem Motto: Was haben Sie denn damals an ihm geliebt? Diesen ganzen Käse noch mal aufzurühren, darauf hatte sie einfach keine Lust. Das kann ich gut verstehen.

Sie feiern in großem Stil. »Bild« berichtet exklusiv über die Trauung. Warum vermarkten Sie Ihr Privatleben, wo Sie doch immer betonen, dass Ihnen der Presserummel tierisch auf den Geist geht?

Ganz einfach: Bevor wir uns ärgern lassen von irgendwelchen Paparazzi, die mit ihren Teleobjektiven in den Bäumen hängen, haben wir uns dazu entschieden, die Rechte zu verkaufen. Und wenn man das macht, hat man auch genug Geld, ein rauschendes Fest zu feiern. Die Kohle betrachte ich als eine Art Schmerzensgeld. Wenn man sowieso permanent in der Zeitung steht mit privaten Dingen, die man nicht lesen will, dann sollen sie wenigstens dafür bezahlen. Klar verkaufe ich mich, das gehört zu meinem Beruf. Aber käuflich bin ich nicht.

Sie haben auch Kanzler Schröder und Ex-Kanzler Kohl eingeladen. Warum?

Auf meine Hochzeit lade ich die Leute ein, die ich gern dabei haben möchte. Das ist alles. Menschen, die ich mehr als zwei Mal getroffen und mit denen ich mich gut unterhalten habe. Ein Großteil der 380 geladenen Gäste besteht aus Familie, Freunden und den Kollegen, die mich viele Jahre meines Lebens begleitet haben. Dass ich viel halte von Helmut Kohl, ist ja bekannt. Gerhard Schröder ist auch ein sehr netter Mann, der mich erstaunlicherweise auch schon zu sich nach Hause eingeladen hat. Ich schätze, dass beide nicht erscheinen werden, aber warum, bitte, soll ich sie nicht einladen? Blöd ist nur, dass es an die Öffentlichkeit gekommen ist, das bekommt dann so einen großkotzigen Charakter.

Im Oktober sind Sie in dem TV-Zweiteiler »Der Verleger« als Axel Cäsar Springer zu sehen. Der Zeitungs-Zar war fünfmal verheiratet und ein Womanizer der Extraklasse. Verstehen Sie, warum?

Es ist ja kein Geheimnis, dass mächtige und reiche Männer eine gewisse Ausstrahlung haben. Offenbar ist das eine Kombination, die Frauen schwach macht. Da ist er ja nicht allein auf weiter Flur. Ob bei Mick Jagger, Clinton oder Springer - es handelt sich offenbar um ein Naturgesetz.

Was macht Sie selbst für Frauen attraktiv?

Ich glaube, dass ich - mit ein paar Abstrichen - schon ein Glücksfall für eine Frau bin. Weil es selten langweilig ist mit mir. Weil ich versuche, eine Frau zu beschützen und für sie da zu sein. Ich gebe mir Mühe, ein Mann zu sein und gleichzeitig einfühlsam und sensibel. Ich bin zärtlich, schmuse gern und kann auch mal weinen. Das ist eine Palette, die mir gefallen würde als Frau.

Sehen Sie Parallelen zwischen Springer und sich?

Ich möchte mich nicht mit dem größten Verleger Europas vergleichen, aber ein paar sehe ich schon. Ich bin auch ein patriotischer Mensch und für die Wiedervereinigung, treffe Bauch-Entscheidungen und neige manchmal zu widersprüchlichem Verhalten.

Und je älter Sie werden, desto jünger werden Ihre Partnerinnen. Man könnte glauben, Heiner Lauterbach fühlt sich von erwachsenen Frauen überfordert.

Könnte man. Aber selbst wenn es so wäre, würde ich dem widersprechen. Was stimmt, ist, dass ich früher mehr mit älteren Frauen zusammen war, jetzt ist es umgekehrt. Doch die Auswahl meiner Freundinnen hat weniger damit zu tun, dass ich irgendwelche Marionetten haben wollte, die leichter zu handhaben sind. Meine letzten Freundinnen waren zwischen 24 und 30, das ist einfach ein schönes Alter. Von der Optik mal abgesehen existiert noch eine gewisse mentale Unverbrauchtheit, die einen so ein bisschen mitreißen kann.

Hört sich nach Midlife-Crisis an.

Das ist eine negative Auslegung. Ich finde es einfach angenehm, an diesem jugendlichen Elan teilzuhaben, ohne deshalb ein Ausbeuter zu sein. Ich habe auch nichts gegen die Weisheit älterer Menschen. Ich versuche immer, auf möglichst vielen Hochzeiten zu tanzen, weil es das Leben spannender macht.

Sie haben sich ja ziemlich schnell nach der Trennung von Jenny Elvers in eine neue Beziehung gestürzt. Weil Sie sich ohne Frau nur als halber Mann fühlen?

Ich habe nicht mit Gewalt eine neue Partnerin gesucht. Hätte mir auch vorstellen können, eine Zeit lang Frau-los zu sein. Aber als ich Viktoria kennen lernte, wollte ich meine Gefühle nicht vom Kopf steuern, nach dem Motto: erst einmal ein paar Monate verstreichen lassen, um Abstand zu gewinnen. Außerdem finde ich es schön, eine Partnerin und eine Art Zuhause zu haben.

Regisseur Dieter Wedel hat Sie beschrieben als einsamen Menschen, sensibel und empfindsam, der von einem Zuhause träumt und gleichzeitig nicht an dieses Zuhause glaubt.

Ich habe mich darüber sehr gefreut, weil es doch sehr positiv war. Wenn man weiß, wie schwer es ist, Dieter Wedel zu gefallen, als Schauspieler und als Mensch, dann freut man sich umso mehr. Bei seiner Betrachtung meiner Person hat er sicher viele gute Ansätze, aber es war eben eine dieser Bauch-Analysen.

Klingt, als würden Sie sich schämen für diese Sehnsucht nach einem Zuhause...

Nein, aber Sehnsucht, das klingt so hochtrabend. Klar, ich bin nicht gern allein. Ich mag es einfach gern, wenn ich nach Hause komme, dass da ein vertrauter Mensch sitzt. Wir können uns die ganz normalen Dinge vom Tag erzählen. Man muss nicht permanent erklären, da steht die Zahnbürste und da kommen die Schuhe hin.

Was haben Sie aus Ihrer gescheiterten Ehe mit Katja Flint gelernt?

Fehler habe ich reichlich gemacht. Insofern konnte ich viel lernen. Heute habe ich viel mehr Ruhe und Erfahrung, um eine Beziehung wachsen zu lassen. Der Lebensdurst, alles bis an die Kante ausprobieren zu wollen, lässt nach und weicht einer gewissen positiven Abgeklärtheit.

Ihr Sohn ist jetzt 13. Sind Sie für Ihn eher Kumpel oder auch Erzieher?

Sowohl als auch. Natürlich hat Katja einen größeren Einfluss auf die Erziehung. Aber wir teilen uns das Sorgerecht. Ich versuche, Oskar immer ein guter Freund zu sein, ihm aber auch zu erklären, dass es nützlich ist, sich vernünftig zu benehmen.

Und wenn dann in der Zeitung steht, dass Sie mal wieder sturzbetrunken waren?

Ich habe Oskar nie gesagt, dass er sich nicht mal besaufen darf. Er sollte nur nicht zu früh damit anfangen. Möglichst erst, wenn er über 20 ist. Und dann bitte auch nicht regelmäßig. Aber solange er nicht alten Omas die Handtasche klaut oder sich sonst saudoof verhält, ist das eine Sache, die ich nicht so schlimm finde.

Was schätzen Sie an Ihrem Vater?

Seinen Familiensinn, seine ungebrochene Liebe zu seinen Kindern, seinen Fleiß, seine Diziplin.

Haben Sie ihn enttäuscht?

Unzählige Male. Die größte Enttäuschung für ihn war sicher, dass ich nicht in die Sanitär-Firma eingetreten bin, die er aufgebaut hat. Und sicher ist er auch hin und wieder enttäuscht über meinen zu hohen Alkoholkonsum.

Sie lieben das Milieu. Was zieht Sie zu Zockern und Zuhältern?

Ich habe auch Freunde, die Zahnärzte und Rechtsanwälte sind. Aber darüber schreibt natürlich keiner. Ich finde es spannend, mich auf verschiedenen Ebenen zu bewegen. Ich spiele Skat mit Bauarbeitern, gehe zum Filmball und treffe genauso gern einen Porsche- oder Mercedes-Vorstand.

Fühlen Sie sich in diesen unterschiedlichen Kreisen auch immer gleich wohl?

Ich schon. Es hat aber den Nachteil, dass man zu keinem Bereich wirklich dazugehört. Ich fühle mich wie ein Surfer auf verschiedenen Wellen. Mit meinen geografischen Lebensabschnitten ist es ähnlich. Ich bin weder wirklich Kölner, noch bin ich Münchner. Der Vorteil ist, dass ich überall eine Szene habe, in die ich eintauchen kann. In Hamburg kann ich entweder an der Elbe essen gehen oder auf der Reeperbahn abhängen. In Berlin ist es ähnlich.

Axel Springer befragte regelmäßig die Sterne. Glauben Sie an Horoskope?

Eigentlich nicht. Aber in vielen Dingen, auch in Glaubensfragen, bin ich ein bisschen feige. Ich würde nie sagen, es gibt keinen lieben Gott, weil ich doch Angst davor habe, eines Tages wegen meiner unreligiösen Haltung bestraft zu werden. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Existieren noch andere Lebewesen im All? Vielleicht. Auf keinen Fall würde ich sagen: Ist doch alles Quatsch.

Angenommen, Sie könnten zuverlässig Ihre Zukunft erfahren, wären Sie interessiert?

Auf keinen Fall. Dann würde ich ja wissen, wann ich sterbe.

Und wenn es eine Unsterblichkeitspille gäbe, wären Sie ein Abnehmer?

Ich würde sie schlucken. Umbringen kann ich mich dann ja immer noch.

Haben Sie ein Testament gemacht?

Noch nicht.

Hatten Sie, als Sie zum ersten Mal wegen Herzproblemen in der Klinik lagen, das Gefühl: Jetzt ist alles vorbei?

Todesangst hatte ich nie. Mir ging es ja gar nicht so schlecht. Ich hatte keine Schmerzen. Es war ein Vorhofflimmern, hervorgerufen durch eine Virusinfektion. Diese Infektionen können auf alle möglichen Organe schlagen. Bei mir war es eben das Herz. Ich war 46. Da nehmen die Verschleißerscheinungen zu. Das gehört zum Leben.

Was ist die größte Veränderung, die Sie mit dem Alter an sich feststellen?

Weniger Haare, mehr Falten, größere innere Ruhe. Und ich werde umweltbewusster. Ich drehe das Wasser ab beim Zähneputzen.

Für Sparsamkeit sind Sie nicht bekannt. Können Sie mit Geld umgehen?

Ich verdiene es nicht so gerne, aber ich gebe es sehr gerne aus. Zum Beispiel für Uhren von Maurice Lacroix und für Gitarren. Mein Prunkstück ist eine Martin aus dem Jahr 1962. Ein Mann von der Bank kümmert sich um die Geldanlage. Aber er spekuliert nicht, sondern macht es ziemlich auf Nummer sicher.

Merwürdig für einen, der so gern zockt.

Stimmt schon. Ich spiele alles. Schach, Skat, Poker, Roulette, Baccara, Black Jack. Um 20 Mark zu spielen bringt keinen Spaß. Es muss schon wehtun zu verlieren. Aber ich gehöre nicht zu den Zockern, die ihre Existenz aufs Spiel setzen würden.