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Kinofilm "Mahler auf der Couch": Paartherapie mit Sigmund Freud

Der vor 150 Jahren geborene Komponist Gustav Mahler und seine Frau Alma führten eine schwierige Ehe: Er zwang sie, mit dem Komponieren aufzuhören, sie flüchtete sich in eine Affäre. Schuld war vor allem der Altersunterschied, sagt der Mahler-Experte Oliver Hilmes.

Der Komponist Gustav Mahler und seine Frau Alma Mahler-Werfel haben nach Ansicht des Musik-Historikers Oliver Hilmes eine "Ehe der Irrtümer" geführt. "Alma hat Mahlers Musik nicht verstanden. Diese Verständnislosigkeit hat von Anfang an die Beziehung geprägt", sagte der Autor und Biograf von Alma Mahler- Werfel ("Witwe im Wahn") in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Die Ehe zwischen dem Komponisten und seiner Frau hielt neun Jahre lang - von 1902 bis zu Mahlers Tod im Jahr 1911. Das Paar hatte zwei Töchter.

Besonders der große Altersunterschied habe zu Problemen zwischen Mahler und seiner Frau geführt, sagt Hilmes. Als das Paar in Wien heiratete, war Mahler 41 Jahre alt - Alma erst 22. "Mahler hätte Almas Vater sein können. Aus diesem großen Altersunterschied resultierte natürlich auch ein Reife-Unterschied: Mahler war schon ein gestandener Mann und hatte viel erlebt. Alma war dagegen im Grunde noch ein Backfisch, wie man damals sagte."

Zudem seien Beide sehr schwierige Menschen gewesen. "Alma war häufig aufbrausend, kokett und wahnsinnig selbstverliebt. Sie konnte eine richtige Zicke sein", sagt Hilmes. "Gustav Mahler war ein hoch- egozentrischer Mensch." Zum Komponieren zog er sich in den Sommerferien immer in eine kleine Hütte am See zurück - meist nur mit einem Tisch, einem Stuhl und einem alten Klavier. "Da hat er stundenlang gesessen und komponiert. Er konnte dabei keinen anderen Menschen in der Nähe haben - und das hat Alma natürlich sehr gekränkt." Alma hatte in ihrer Jugend auch komponiert, dies aber für ihren Mann aufgegeben.

Gegen Ende der Ehe stürzte sich Alma in eine heftige Affäre mit dem Architekten Walter Gropius. "Mahler hat es erfahren, und es hat ihn wahnsinnig gekränkt." Der Komponist suchte deshalb sogar den Rat des Psychoanalytikers Sigmund Freud.

Erst nach Mahlers Tod fand Alma Anerkennung - und wurde zur Berühmtheit. "Sie war die Witwe Gustav Mahlers, was ihr an sich schon Bedeutung verliehen hat - sie war quasi die Witwe eines Promis", sagt Hilmes, der ihren Nachlass ausgewertet hat.

Darüber hinaus stürzte sich die "Femme Fatale" aber auch in weitere Affären mit bekannten Künstlern und bekam den Ruf einer Muse. "Viele Kunstwerke - Romane oder Kompositionen - sind unmittelbar mit ihrem Namen verbunden. Sie ist die Geburtshelferin zahlreicher großer Kunstwerke."

DPA / DPA