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KLAMOTTE: Der kommt in Mode

Hübsch ist er. Und komisch sein kann er auch: Ben Stiller spielt daher in »Zoolander« einen Dressman, der richtig schön dämlich ist.

Wenn es stimmt, dass jede Generation die Komiker hat, die sie verdient, dann muss man sich den Burschen einfach mal genauer ansehen. Hübsch ist er. Smart. Sexy. Ein Großstadttyp mit gut sitzenden Anzügen und fast noch besseren Manieren. Weil er aus New York kommt, haftet ihm, vor allem in Hollywood, der Ruf des Intellektuellen an - und bringt ihm Vergleiche mit Woody Allen ein. Weil er ebenfalls jüdisch ist. Und ebenfalls sehr produktiv. Und dabei, seien wir ehrlich, mit Woody Allen so viel gemein hat wie ein Gänseblümchen mit Neurosen.

Ben Stiller, Sohn der Schauspieler Jerry Stiller und Anne Meara, ist ein Vertreter der »Generation X«, von der 1994 auch sein Regiedebüt »Reality Bites« handelte - jener irgendwie trüben Mittzwanziger, denen zum Rebellieren nicht nur der Grund, sondern auch der Biss fehlte. Als Kind schon hat der heute 36-Jährige mit der Super-8-Kamera experimentiert. Mit 25 bekam er seine eigene Comedy-Show auf MTV, mit 31 drehte er »Die Nervensäge« mit Jim Carrey, noch so einem Komikerhelden. Seinen Durchbruch feierte Stiller aber vor der Kamera in »Verrückt nach Mary«, wo er sich erst schmerzhaft im Hosenlatz verhakte und dann Sperma ans Ohr bekam, das schließlich als Festiger in Cameron Diaz' Haar landete. Zwei unvergessliche Szenen, ein Klamauk-Klassiker und ein ungewöhnlicher Kasper waren geboren - ungewöhnlich deshalb, weil er eigentlich aussah wie ein ganz normaler, stinklangweiliger Hollywood-Beau.

Seinen trainierten Körper demonstriert Stiller gern - als tolpatschiger Möchtegern-Schwiegersohn von Robert De Niro in »Meine Braut, ihr Vater und ich« und als New Yorker Designer-Rabbi in »Glauben ist Alles«. Als Kind war Stiller dick, vielleicht hat er deshalb so viel Freude am Spiel mit der Eitelkeit. Er hat darüber nun sogar einen Film gedreht: »Zoolander« heißt das Werk, für das er als Koautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller verantwortlich ist und über das er sagt: »Ich wollte einfach nur eine Blödel-Komödie machen.« Tatsächlich ist ihm eine wahnwitzige Satire über die Glamourwelt eingefallen: Das ebenso eitle wie dämliche Supermodel Derek Zoolander wird einer Gehirnwäsche unterzogen, um den malaysischen Premier zu ermorden; Mode-Stars wie Tom Ford, Claudia Schiffer und David Bowie schmücken mit Kurzauftritten. »Wir haben bei den VH1-Fashion-Awards gedreht, für die ich Zoolander als Sketchfigur vor fünf Jahren erfunden habe«, sagt Stiller, der so gar nicht lustig ist, wenn man ihm gegenüber sitzt. »Ich bin kein Partyknaller«, sagt er, und man glaubt ihm sofort: diesem Jedermann mit den schönen Augen und abstehenden Ohren, der viel redet und wenig sagt. Der freundlich und luftig Fragen nach der Familie beantwortet, die er inklusive Schwester, Hund und Ehefrau Christine Taylor mit Rollen versorgt hat. Was für ein netter Kerl. Eigentlich haben wir den gar nicht verdient.

Bianca Lang

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