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Kurt Maetzig: Vom Paraderegisseur zum Regimekritiker

Er war Augenzeuge der DDR und in seinen Filmen spiegelt sich sein Blick auf das SED-Regime wider: Setzte Kurt Maetzig anfangs Propagandafilme in Szene, eckte Kurt Maetzig später mit systemkritischen Filmen an.

In der Geschichte der DDR-Filmgesellschaft Defa hat Regisseur Kurt Maetzig einen Ehrenplatz. Am 25. Januar wird er 95 Jahre alt. Maetzig gehörte nach Kriegsende zu den Mitbegründern der ostdeutschen Filmgesellschaft in Potsdam-Babelsberg. Seinen Debütfilm "Ehe im Schatten", eine bewegende Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, hatte er 1947 fast zeitgleich mit Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns" gedreht.

Eine Kritikerumfrage zum 100. Geburtstag des Kinos 1995 zählte "Ehe im Schatten" und seinen 1965 vom SED-Regime verbotenen Streifen "Das Kaninchen bin ich" zu den besten deutschen Produktionen. Nicht alle Werke verdienen solches Lob. "Am meisten rote Ohren" bekommt er nach eigenem Bekunden bei dem voll auf der Welle des "Stalin-Kults" liegenden Monumentalstreifen "Ernst Thälmann - Sohn und Führer seiner Klasse" (1954/55).

Vergangenheit nicht retuschieren

Seit diesem Film oder auch "Schlösser und Katen" über die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft war Maetzig zum "Paraderegisseur" der DDR avanciert, bis auch er wie viele andere Kollegen von der SED "abgestraft" wurde. Gewissermaßen widerspiegeln die Arbeiten Maetzigs die Defa-Entwicklung, die wiederum von den wechselnden politischen Interessen der SED-Führung abhing. Nach der Wiedervereinigung stellte sich Maetzig zahlreichen Debatten zur DDR-Filmkunst - auch im Westen.

Ihm geht es nicht darum, "Vergangenheit nachträglich zu retuschieren". In einem DPA-Gespräch sagte er: "Die Dinge sind, wie sie gewesen sind. Dazu stehe ich." Oft gestaltete er politisch gewünschte Stoffe, wie im "Lied der Matrosen" (1958) oder der "Fahne von Kriwoj Rog" (1967). Andererseits probierte er sich in vielen Genres. Er drehte die Komödie "Vergesst mir meine Traudel nicht" (1957) und die erste Defa-Science-Fiction-Produktion "Der schweigende Stern" (1960).

Für "menschlichen Sozialismus"

Sein "Schmerzenskind" wurde "Das Kaninchen bin ich". Als die SED- Führung 1965 auf dem berüchtigten 11. ZK-Plenum fast einen ganzen Jahrgang von Defa-Filmen verbot, wurden Maetzig und andere wie Frank Beyer als "konterrevolutionär" und "staatsfeindlich" beschimpft. Er hatte die Notwendigkeit eines "menschlichen Sozialismus", an den er fest glaubte, zu früh propagiert. Er fiel in Ungnade und übte heftige "Selbstkritik", die er später bedauerte.

Maetzig wurde am 25. Januar 1911 in Berlin geboren. 1933 gab er sein Debüt als Filmassistent. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst unter russischer Befehlsgewalt an der Gestaltung der ostdeutschen Wochenschau "Der Augenzeuge" mit ("Sie sehen selbst. Sie hören selbst. Urteilen Sie selbst!"). Zehn Jahre leitete er die Babelsberger Filmhochschule, die ihm 1954 ihre Gründung verdankte.

Irma Weinreich/DPA / DPA