HOME

Lilo Wanders: Eine Diva der Erotik

Lilo Wanders feiert mit ihrer Erotik- und Sex-Sendung ""Wa(h)re Liebe" jetzt zehnjähriges Jubiläum. Die liebenswürdige Diva hat mit Humor und Einfühlungsvermögen eine treue Fan-Gemeinde erobert.

"Tja, meine Lieben." Ganz Femme fatale schlägt Lilo Wanders die langen Beine übereinander, der Sekt in ihrem Glas perlt, und sie selbst lächelt kokett in die Kamera. Gleich wird sich die schrille Diva wieder mit viel Fingerspitzengefühl heißen Themen widmen und mit ihren Gästen über Liebe, Erotik und Sex plaudern. Seit nunmehr zehn Jahren moderiert Wanders auf Vox das Magazin "Wa(h)re Liebe", hat es einst mit aus der Taufe gehoben. "Und ich könnte das auch noch mit 80 Jahren machen. Lilo ist eine der wenigen Frauen im Fernsehen, die altern darf", sagt der Hamburger Schauspieler Ernie Reinhardt über seine selbst geschaffene Kunstfigur.

Die liebenswürdige Diva hat mit Humor und Einfühlungsvermögen eine treue Fan-Gemeinde vor dem Bildschirm erobert. Die immer donnerstags zu später Stunde ausgestrahlte Sendung gehört zu den erfolgreichsten Magazinen des Senders und hatte zuletzt 1,24 Millionen Zuschauer (8,9 Prozent Marktanteil), in der werberelevanten Gruppe der 14- bis 49- Jährigen lag der Anteil noch etwas höher. Ehemalige Konkurrentinnen wie Verona Feldbusch oder Nadja Abdel Farrag sind längst als Erotik-Moderatorinnen verschwunden, Wanders dagegen verhalf das Format zu immer größerer Popularität. Ihr Jubiläum feiert sie in diesem Monat, unter anderem mit einer Party auf dem Kiez.

Auch Heiratsanträge bekommt die Moderatorin

"Ich bin in Europa weltberühmt", sagt sie und erzählt von Fans, die die Diva in Wales, Frankreich oder Spanien auch ohne Perücke und glamouröses Outfit erkannt haben -"einfach an der Stimme oder den Augen". Auch Heiratsanträge bekommt die Moderatorin, "ausschließlich von Männern", wie sie betont. Und der Schauspieler hinter der Figur unterstreicht energisch: "Lilo Wanders ist per Definition eine heterosexuelle Frau, die aus ihrem Alter ein Geheimnis macht." Zudem werde sie weniger "als Sexobjekt denn als mütterlich-moralische Instanz" wahrgenommen. "Mit humorvollem Abstand zur Materie und trotzdem zugeneigt." Selbst eine 93-Jährige habe ihr geschrieben.

Dabei hatte der Travestiekünstler noch vor der TV-Karriere geglaubt, seinen größten Bekanntheitsgrad schon erreicht zu haben: Der ehemalige Student des Bibliothekswesens steht seit mehr als zwei Jahrzehnten auf der Bühne und hat zahlreiche Charaktere erfunden. "Übrig geblieben ist Lilo, inzwischen in ihrer dritten Version." Zunächst kreierte er sie Ende der 80er Jahre für das Hamburger "Schmidt Theater" als "freche Alte", als Parodie auf Evelyn Künneke, dann wurde sie in derselben Show zur boshaften Figur, und inzwischen präsentiert sie sich als moderierende Diva. "Der Erfolg dieser Figur hat mir gezeigt, dass ich Menschen unterhalten kann." Das habe ihm viel Selbstsicherheit gegeben.

Papa zieht den Blaumann an und geht auf Schicht

"Lilo wird mich wohl bis ans Lebensende begleiten. Alles andere wäre auch aus kommerzieller Sicht Blödsinn", sagt der Künstler, der sich gerade wieder selbst ein Stück geschrieben hat und damit im September in Bremen Premiere feiern will. Unter seinem eigentlichen Namen tritt er nicht mehr auf. "Da muss ich einfach dem Markt folgen. Man kennt mich nun mal als Lilo Wanders." Ihm selbst bereitet die Trennung von Diven- und Privatleben ("Ich bin ein Schwuler, der verheiratet ist und drei Kinder hat") keine Probleme. "Ich bin stolz darauf, dass unserer Magazin dazu beiträgt, offener über Sexualität zu reden. Und ansonsten gilt für mich einfach: Papa zieht den Blaumann an und geht auf Schicht - aber mit Freude."

Dorit Koch, DPA / DPA
Themen in diesem Artikel