Literaturverfilmungen Veredelt, verschandelt, verfilmt


"Der Pate" und "Der dritte Mann" sind zwei Beispiele für Filme, die ihren Romanvorlagen in nichts nachstehen. Doch nicht alle Literaturverfilmungen gereichen dem Original zum Vorteil.

Das Drehbuch zu seinem Buch hat sich Peter Prange - "aus Rücksicht auf meine Nerven" - erst gar nicht angeschaut. Als sich die ARD die Filmrechte zu seinem Erfolgsroman "Das Bernstein-Amulett" sicherte, hatte dies in ihm zwiespältige Gefühl geweckt, denn bei aller Freude wusste der Schriftsteller um die Gefahr, dass seine Geschichte im Film verfremdet werden könnte. Zu der Verfilmung seines Werks war es durch Zufall gekommen: Eine Filmproduzentin hatte das deutsch-deutsche Familienepos am Bahnhofskiosk entdeckt und ließ sich von der Lektüre mitreißen. In der Regel allerdings suchen die großen Filmproduzenten systematisch in den Verlagsprogrammen nach filmtauglichem Material. Oder sie lassen sich von Literaturagenten überzeugen.

"Je früher wir an den Stoff heran kommen, desto besser", meint Isabel Hund von Senator Film in Berlin. Denn zwei bis drei Jahre dauert es meist, bis ein literarisches Werk dem Kinopublikum präsentiert werden kann. Und wenn es dann schließlich von der Leinwand flimmert, macht sich bisweilen Enttäuschung breit. In einigen Fällen nämlich bleibt die cineastische Variante hinter der literarischen Vorlage zurück - manchmal aber übertrifft sie das Buch auch bei weitem.

Coppola veredelte die Romanvorlage

Sven Regeners Bestseller "Herr Lehmann" etwa kommt nach Auffassung vieler als Buch besser "rüber" als in der Filmversion. Und Lasse Hallstroms cineastische Umsetzung von "Gottes Werk und Teufels Beitrag" konnte nach Ansicht von Kritikern bei weitem nicht alle Nuancen einfangen, die der weltbekannte Roman von John Irving zu bieten hat. Dagegen wurde Graham Greenes "Dritter Mann" als Film mit Orson Wells in der Hauptrolle wesentlich berühmter als der ohnehin schon sehr erfolgreiche Roman. Oder auch Thomas Manns Novelle "Tod in Venedig" und Mario Puzos Roman "Der Pate" erlangten in der Inszenierung von Luchino Visconti und als Francis Ford Coppolas Filmversion Weltruhm.

Bücher, die Zeitströmungen erfassen und die Gefühle der Menschen einfangen, eignen sich nach der Erfahrung von Filmschaffenden am ehesten für eine Umsetzung in bewegte Bilder. Wie überall ist die Finanzierung ein entscheidendes Kriterium. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob das Fernsehen sich beteiligt. Denn die Zeiten, als die großen Bosse der Filmindustrie locker Millionen aus der Tasche zaubern konnten, sind längst vorbei.

Verfilmungen dienen der Imagepflege

Auch ist die Verfilmung von Literatur allein deswegen ein teurer Spaß, weil gleich zweierlei finanziert werden muss - neben der Buchlizenz auch das Drehbuch. Dies weiß auch die Münchner Literaturagentin Christina Gattys. Angesichts schrumpfender Etats der TV-Sender dienen 90-Minuten-Produktionen heute fast nur noch der Imagepflege. "Geld lässt sich damit nicht verdienen," meint Gattys.

Nach Angaben der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft in Wiesbaden kommen im Jahr rund 80 deutsche und über 300 internationale Filmproduktionen in die Kinos. Wie viele davon ein Buch als Vorlage haben, variiert und lässt sich nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt nicht genau ermitteln. Neun von zehn Kinderfilmen, schätzt Hund, basieren auf Büchern. Bei der Literatur für Erwachsene sehe es anders aus, meint sie.

Filmtaugliche Reflexionen

Schließlich müssen nicht nur die Geschichte und die Figuren kinotauglich sein, sondern literarische Passagen der Reflexion müssen für den Film in Aktion umgewandelt werden können. Außerdem gibt nicht jeder Autor bereitwillig sein Werk aus der Hand. "Manche Schriftsteller sind sehr wählerisch, wem sie ihren Stoff anvertrauen sollen", weiß Hund.

Auch Prange hat am Anfang gründlich überlegt, ob er sein Werk verfilmen lassen soll. In dem Bewusstsein, dass für ihn die Verfilmung eines Romans nur "die Klaviervorlage zur Symphonie" sein kann, steht er zu seiner Entscheidung - auch wenn er nach der Ausstrahlung viele "bitterböse" Briefe von seinen Lesern bekommen habe, die vom Film enttäuscht gewesen seien. Immerhin hat der ARD-Zweiteiler ihm rund 100.000 neue Leser beschert, sagt Prange. Mit der Ausstattung des Film und den Schauspielern war er auch hoch zufrieden. Das Drehbuch allerdings "hätte ich anders gemacht".

Susanna Gilbert-Sättele/DPA DPA

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