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Ein Treffen mit Megan Fox: Die Schöne, die Wilde und die Faltenlose

Mit "Teenage Mutant Ninja Turtles" meldet Megan Fox sich aus der Babypause zurück. Selbst müde sieht sie aus wie frisch geschlüpft. Es geht um Hass, Männer und Gerüchte.

Von Sophie "Jennifer" Albers Ben Chamo

Megan Fox ist ein Dilemma. Wer so schön ist, kommt nicht ungestraft davon. Und die Schönheit fällt ihr so leicht, wie sie dasitzt in einem kleinen, schwarzen Baumwolltop, das sie und mich frieren lässt, und einem dünnen, dunkelblau gemusterten Pencilskirt. Die Absätze hoch. Die Beinchen nackt. Alles an dieser Frau schreit: Verwunderbarkeit. Dass ihr fragiler Körper zwei Kinder geboren haben soll (Noah, 2, und Bodhi, 7 Monate) klingt völlig absurd. Das Gesicht ist auch mit 28 noch so feingezeichnet wie das eines Kindes - und hat noch weniger Falten. Die Lippen? Perfekt. Die kleinen weißen Zähne? Perfekt. Die Nase? "Asterix und Obelix"-Kleopatra-mäßig perfekt. Natürlich ist das alles laut Klatschblatt-Expertise hingeschnippelt und hingespritzt. Aber dann ist es verdammt gut gemacht.

Immer wieder schmiegt sie sich in die Stuhllehne, legt den Kopf mit der dunklen Mähne nach hinten, dass es fast aussieht wie eine Aufforderung, sie zu beißen. Wäre ich ein Mann, ich würde wohl gerade durchdrehen. Bin ich aber nicht, deshalb reden wir über Megan Fox' besten Film, der leider schon fünf Jahre zurückliegt und auf tragischste Art und Weise unterbewertet wurde - so wie es Fox selbst auch immer wieder passiert. Und dass obwohl sie mehr Facebook-Freunde hat als Miley Cyrus.

Die Lois Lane der "Teenage Mutant Ninja Turtles"

"Jennifer's Body" erzählt von einer wortwörtlich Männer-verschlingenden Highschool-Schönheit und legt sich mit allem Guten, Wahren und Schönen an, das Hollywood uns seit jeher in den Schlummertrunk mixt. "Ich liebe diesen Film, ich liebe Diablo Cody (die Drehbuchautorin, Anm.d.Red.), und ich mag Leute, die diesen Film mögen." Und dann, obwohl ihre dunkelblauen Augen ein bisschen müde blitzen (wofür sie sich entschuldigt, um sich im nächsten Augenblick wieder über die Stuhllehne zu recken), wiederholt sie, was ihr schon so häufig heftigen Ärger eingebracht hat: dass Hollywood frauenfeindlich sei und die Frauen der Traumfabrik wie Kannibalen aufeinander losgehen. "Frauen wollen andere Frauen nicht unterstützen. Sie werden im Gegenteil sofort verurteilt, gefressen und ausgespuckt." Unter der glitzernden Oberfläche herrsche ein furchtbarer Konkurrenzkampf, sagt Fox mit lasziver Stimme. Und ich frage mich, ob sie wohl einfach so geboren wurde, oder ob ich gerade ihrem Zauber erliege.

Denn den hat sie. Vielleicht nicht in ihrem neuen Film - "Teenage Mutant Ninja Turtles" - in dem sie als eine Art Lois Lane für pubertierende Mutanten-Schildkröten New York vor dem Giftgas-Untergang retten muss und diesen Kinotraum für 12- und 13-Jährigen noch um ein paar Zielgruppenjahre verlängert. Ihr größtes Sexappeal ist, dass ihr die Meinung anderer Leute offensichtlich wirklich egal ist. "Ich mag Actionmovies", sagt Fox tiefenentspannt. "Ich habe nichts gegen Leute, die echt künstlerisch unterwegs sind und für ihre Kunst leiden. Aber ich sehe das als Last. So bin ich nicht. Ich will Spaß haben, ich mag es, positiv zu sein, und ich mag diese Filme. Die sind groß, unterhaltsam, und spektakulär. Du gehst mit einer Tonne Popcorn rein und kommst glücklich wieder raus." Und nein, sie meint das alles nicht ironisch, auch wenn man sich da manchmal nicht so sicher ist. Aber sie besteht darauf: "Ich will nicht das Leben der Leute ändern, ich will sie unterhalten! Ich gucke solche Filme selbst, also mache ich sie auch gern."

Marilyn muss weg

Bleibt die Frage, was eigentlich aus dem furiosen Streit mit Über-Produzent Michael Bay geworden ist, der sie damals angeblich hochkannt bei "Transformers" rausgeschmissen habe, weil sie zu aufmüpfig war. Der hat nämlich auch die "Teenage Mutant Ninja Turtles" finanziert. Megan Fox lacht, wirft wieder den Kopf zurück und zeigt alle Zähne bis auf den letzten fehlerlosen Backenzahn. "Immer dieses Drama! Nur weil man mal nicht zusammenarbeitet, heißt das doch nicht, dass man sich gegenseitig aus dem Leben verbannt hat." Sie habe damals in Interviews vieles ironisch gemeint, und plötzlich wurde es zum großen Skandal ausgebaut. "Vielleicht hätte ich meine Worte besser wählen sollen. Aber ehrlich gesagt, selbst wenn ich mir größte Mühe gebe und genau aufpasse, was ich sage, funktioniert es nicht." Also noch mal zum Mitschreiben: "Michael Bay hat mich für diesen Film (die 'Ninja Turtles', Anm.d.Red.) haben wollen. Wir emailen regelmäßig, und ich war bei ihm zuhause."

Fox ist schlagfertig, scharfzüngig und wirklich lustig - wenn man sie lässt. Das liegt vielleicht auch daran, dass auf ihrem rechten Unterarm gerade Marilyn Monroe verschwindet. Die hatte sie sich mit süßen 19 tätowieren lassen, als Warnung, nicht so zu enden wie das ultimative Sexsymbol der Filmgeschichte. "Sie war wundervoll, aber ich brauche das nicht mehr. Ich war jung und dachte, das ist das Coolste überhaupt. Vielleicht ist das eine Reflexion meiner Haltung zum Ruhm. Aber ich will mich nicht beschweren", so Fox. Fakt sei aber, wenn man Ruhm so früh erlebe wie sie selbst, wisse man nicht, was man damit anfangen soll. Und dann kommt ohne besondere Überleitung dieses Hammerzitat (wenn es jemand kennt, bitte eine Mail): "Ruhm ist wie ein wildes Pferd, du musst es zähmen, damit du es reiten kannst."

Und, wird sie in fünf Jahren noch im Sattel sitzen? "Jennifer Lopez sagt, sie habe immer einen Fünfjahresplan. Ich hatte noch nie einen", sagt Megan Fox und gähnt ganz wunderschön.