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Morgan Freeman im Interview: "Ich halte mich mit Sex und Solitär fit"

Was wäre, wenn wir unsere ganze Gehirnkapazität nutzen könnten? Das ist das Hauptthema in Morgan Freemans jüngstem Film "Lucy". Mit dem stern sprach er über Intelligenz und Kartenspiele.

Im Film "Lucy" versucht Morgan Freeman als Neurowissenschaftler zu verstehen, was mit Scarlett Johansson passiert, als sie ungeheure Gehirnleistungen entwickelt

Im Film "Lucy" versucht Morgan Freeman als Neurowissenschaftler zu verstehen, was mit Scarlett Johansson passiert, als sie ungeheure Gehirnleistungen entwickelt

Der durschnittliche Erdenbürger soll gerade einmal zehn Prozent seiner Gehirnkapazität nutzen können. Der große Rest der grauen Masse liegt brach. Das ist die Grundlage für den Plot des neuen Films des französischen Filmemachers Luc Besson. Im Science-Fiction-Streifen "Lucy" wird Scarlett Johansson zur Intelligenzbestie wider Willen.

Allein in den USA hat "Lucy" in den vergangenen zwei Wochen schon das zweieinhalbfache seiner Produktionskosten eingespielt. Morgan Freeman spielt die Rolle eines Professors für Neurowissenschaften, der der Hauptfigur dabei hilft, zu verstehen, was mit ihr geschieht. Der stern hat Freeman in New York getroffen.

Mr. Freeman, in "Lucy" hat Scarlett Johansson durch die Einnahme einer Droge plötzlich die Fähigkeit, ihre Gehirnleistung in Superform zu bringen. Hatten Sie jemals das Gefühl, Ihren Kopf nicht richtig einzusetzen?

(Lacht). Ständig! Es macht mir Angst, wenn man mir sagt, dass wir nur zehn Prozent unserer Gehirnleistung abrufen. Ich habe das Gefühl, dass es bei mir noch nicht einmal zu zehn Prozent reicht.

Einige Tiere sind smarter als wir Menschen.

Ja, das stimmt. Delfine sollen rund 20 Prozent ihrer Gehirnleistung abrufen können. Wale sogar noch mehr. Wenn man sich anschaut, was das für wunderbare Kreaturen sind, dann scheint diese Theorie zu stimmen.

Mutter Erde und die Tiere, die auf ihr leben, sind ein großes Anliegen für Sie, oder?

Das ist richtig. Unser Planet ist der einzige, den wir haben. Und wir zerstören ihn munter weiter. Irgendwie schaffen wir es, jedes Tier auf dieser Welt in eine Nahrungsquelle für uns zu verwandeln. Wir müssen damit aufhören und endlich lernen, unsere Erde wieder gesund zu machen.

Sie spielen immer wieder Männer, die sehr weise wirken. Mal sind Sie Lehrer, mal Staatsoberhaupt, sogar vor dem lieben Gott machen Sie keinen Halt. Das führt mich zu der Frage: Werden Sie eigentlich ständig um Rat gefragt?

Viele Leute versuchen es. Ich werde oft gefragt, ob ich an irgendwelchen Unis Vorträge halten möchte. Aber ganz ehrlich: Ich kann das nicht besonders gut. Ich will kein Professor sein. Ich bin nur ein kleiner Schauspieler, mehr nicht.

Wie halten Sie sich mental in guter Form?

Sex, viel Sex (lacht). Ich mache natürlich nur Spaß – zumindest ein bisschen. Ich bin besessen von Solitär. Das spiele ich fast jeden Tag. Ich stehe morgens auf, mache mir einen Kaffee und setze mich an den Computer. Wenn mich keiner stört, dann spiele ich den ganzen Tag durch.

Das entspricht ja nun so ganz und gar nicht dem Hollywood-Image …

Und ich habe noch viel aufregendere Hobbys. Ich bin unheimlich gut im Lösen von Kreuzworträtseln. Das mache ich seit meinem achten Lebensjahr.

Ich dachte, Sie sind ein großer Segler und spielen viel Golf?

Ich spiele weiterhin Golf. Aber ich segle nicht mehr soviel. Ich besitze zwar noch ein Boot, aber das liegt in der Karibik. Da komme ich so selten hin. Aber ich will mich ja nicht beschweren. Ich werde nur langsam älter, ich muss heute ein bisschen langsamer machen.

In "Lucy" dreht es sich ums Wissen. Glauben Sie, dass wir Wissen von unseren Vorfahren vererbt bekommen?

Aber sicher. Ich habe die musikalische Veranlagung von meiner Mutter vererbt bekommen. Sie war eine Tänzerin und spielte Klavier. All meine Brüder und Schwestern sind Künstler. Das ist die genetische Struktur meiner Mutter. Davon bin ich überzeugt.

Hätten Sie Angst davor, wenn ein Mensch wie Lucy tatsächlich existieren würde?

Oh ja! Das wäre ein bisschen zuviel für mich. Ich finde es völlig okay, dass wir nur einen kleinen Teil unseres Gehirns nutzen. Aber das Konzept, das dieser Film beschreibt, ist schon sehr spannend. Es wird ja schon jetzt viel mit unserer Intelligenz herumgespielt. Vielleicht gibt es in naher Zukunft schon eine echte Lucy.

Sie sind einer der Stars in Hollywood, die immer sehr ausgeglichen wirken, kaum Skandale vor sich hertragen. Was ist ihr Mantra im Leben?

Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt. Und man sollte seinen Humor dabei nicht verlieren. Das ist wichtig. Nimm dich nicht so wichtig, denn nur der Fantast glaubt, dass sich niemand auch über ihn lustig macht.

Wenn Sie echte Superkräfte hätten, wie würden Sie die anwenden?

Ich würde wohl Massenvernichtungswaffen zerstören. Wir müssten alle nur noch mit Stöckern und Steinen kämpfen. Das wärs. Weg mit allen Waffen!

Glauben Sie, dass Afro-Amerikaner in den USA heute immer noch doppelt so hart arbeiten müssen, um Erfolg zu haben?

Schwer zu sagen. Ich glaube nicht, dass Erfolg etwas mit der Farbe deiner Haut zu tun hat. Es ist immer noch Amerika. Du kannst es hier schaffen, wenn du bereit bist, hart zu arbeiten. Ich bin ja wohl der lebende Beweis dafür.

Denken Sie ab und zu schon einmal an die Rente?

Ich habe einfach noch immer zuviel Spaß. Und ich spiele schon jetzt zuviel Solitär. Ich arbeite gerne. Ich mag die Atmosphäre auf Sets, die Kollegen, die jungen Leute um mich herum. Die Arbeit hält mich jung.

Das Interview führte Frank Siering