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Nationalheld "Captain America" im Kino Ironie auf Heldentum und blinden Patriotismus


Nach Spider Man, Blade, Hulk und vielen anderen bringt das Marvel-Universum einen weiteren Comic-Superhelden auf die Leinwand. "Captain America" ist ein völlig überzogenes, aber durchaus amüsantes Helden-Epos.

Man kann Comic-Verfilmungen - noch dazu die amerikanischer Nationalhelden - mögen oder auch nicht. Wer sie mag und sich auf großes Pathos, aalglatte Fassaden und ausufernde Materialschlachten einlässt, ist bei "Captain America" bestens aufgehoben. Zum 70. Geburtstag der Figur bringen die Marvel-Studios, die vor 70 Jahren, damals noch als Verlag, schon den Comic auf den Markt brachten, das 3D-Spektakel in die Kinos.

Der junge Steve Rogers (Chris Evans) träumt davon, als Soldat der US-Armee gegen die Nazis in den Krieg zu ziehen. Dumm nur, dass er schlicht zu klein und zu schmächtig ist, als dass er für tauglich befunden werden könnte. Da kommt ihm ein seltsamer Zufall zu Hilfe. Der mysteriöse Wissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) wählt ausgerechnet ihn für einen streng geheimen Versuch aus, der ihn zum Supersoldaten machen soll.

Überzogen und voller Pathos

Das Experiment gelingt: Captain America ist als muskelbepackter und mit blondem Seitenscheitel sowie Zahnpastalächeln ausgestatteter Supersoldat geboren. Allerdings darf Steve zunächst nur als Held in Werbespots und in Roadshows in ein Superman-Kostüm in den Farben der amerikanischen Flagge gehüllt auftreten, um den Patriotismus in der Bevölkerung und die Moral der Truppe zu stärken. Respekt verschafft er sich damit nicht.

Doch dann kommt seine große Stunde: Er darf sich im Kampf gegen den niederträchtigen Nazi-Schergen Johann Schmidt (Hugo Weaving), der später zu Red Skull mutiert, beweisen. Unerschrocken und selbstlos bis zum Tod kämpft Steve für Freiheit, Frieden und das Gute. Das alles setzt Joe Johnston derart überzogen, so voller Pathos und unendlich makellos in Szene, dass man das nur komisch finden kann.

Perfekte Perfektion

Chris Evans mit seiner stets todernsten, wild entschlossenen, fast maskenhaften Miene scheint wie gemalt. Frisur, knallroter Lippenstift und ebensolche Fingernägel der selbstbewussten Verbindungsoffizierin Peggy Carter (Hayley Atwell) sind selbst noch nach der wildesten Schlacht perfekt - alles eben wie gezeichnet.

Dass Steve über übermenschliche Kräfte verfügt, scheint bei all dieser Perfektion fast selbstverständlich. Als die ersten Captain-America-Comics 1941 erschienen, dienten sie nicht nur zur Unterhaltung, sondern vor allem der Kriegspropaganda. Das war nicht ungewöhnlich, kämpfte doch auch Superman gegen die Feinde der USA. Captain America trägt seinen Patriotismus schon im Namen, ist in die Nationalflaggen gehüllt, kämpft gegen die Nazis.

Christopher Markus und Stephen McFeely tun gut daran, die Geschichte bis auf eine kurze Schlusssequenz in der Vergangenheit zu belassen. Hätten sie sonst doch den bedingungslosen Patriotismus des Superhelden kritisch hinterfragen müssen. Auch die ernsten Töne, etwa der Verlust seines Freundes Bucky (Sebastian Stan) und die noch junge Liebe zu Peggy, bleiben Nebenschauplätze. Das einzige, was zählt, ist der Sieg über das Böse - für das Vaterland. Und so ist "Captain America" schlicht gute Kinounterhaltung, solange man die 123 Minuten als Ironie aufs Heldentum und blinden Patriotismus versteht.

Britta Schmeis, DPA DPA

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