Mickey Rourke Der wilde Junge kehrt zurück


Mickey Rourke war das Sexsymbol der Achtzigerjahre. Dann folgte der Absturz: Drogen, Alkohol, Gefängnis. Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde Rourkes neuer Streifen "The Wrestler" als bester Film ausgezeichnet. Ein Comeback, an das keiner mehr geglaubt hatte.
Von Hili Ingenhoven

Noch vor wenigen Tagen soll der Concierge eines Nobel-Hotels in Venedig ihn mit einem Clochard verwechselt haben. Wen wundert's? Zerfetzte Jeans, aufgedunsenes Gesicht und strähniges Haar - Mickey Rourke, 51, hätte locker als Obdachloser durchgehen können. Doch 62 Stunden später sieht alles ganz anders aus. Als er im Theater am Lido aufsprang und zusammen mit Regisseur Darren Aronofsky den Goldenen Löwen für "The Wrestler" entgegennahm, gab es niemanden im Saal, der ihm diese triumphale Rückkehr ins Filmgeschäft nicht gegönnt hätte. "Ich bin einfach sehr, sehr glücklich. Es hat so lange gedauert, bis ich wieder richtig arbeiten konnte. Aber ich hatte viel Zeit, über meine Fehler nachzudenken. Und da gab es eine Menge", so der Schauspieler nach der Verleihung.

Für seine schonungslose Tour de Force als alternder Wrestler hätte er eigentlich auch den Darstellerpreis verdient. Zumindest wenn es nach Jury-Präsident Wim Wenders gegangen wäre. Mickey Rourke aber, der in diesem Film sein eigenes Leben verarbeitet, ist auch so schon mehr als glücklich. Plötzlich sucht wieder jeder seine Nähe, will mit ihm fotografiert werden. Eine Wiederauferstehung, wie Hollywood sie liebt.

Dabei hätte niemand nur einen Cent auf ein Comeback des gefallenen Achtzigerjahre-Stars gesetzt, des charismatischen Herzensbrechers, der in "9 ½ Wochen" nicht nur Kim Basinger an den Rand des Wahnsinns trieb. Und der wenig später nur noch durch Alkoholexzesse und Drogen Schlagzeilen machte. 1991 entschied er sich für eine Karriere als Profiboxer. Die Bilanz: eine fünfmal gebrochene Nase, zerschmetterte Wangenknochen und ein angegriffenes Nervensystem. "Mein Tiefpunkt war vor 15 Jahren. Alles war weg: mein Haus, meine Karriere, meine Frau und meine Selbstachtung. Ich war erschrocken über das Wrack, das mir im Spiegel entgegengeblickt hat."

Doch nun wirkt der Rebell von einst geläutert und gezähmt, seine inneren Dämonen scheinen ausgetrieben - dank einer Therapie, seinem neu gefundenen Glauben und der heiß geliebten Chihuahua-Hündin Loki. Schon klappt's auch mit der Karriere: Nach "The Wrestler" wird Mickey Rourke bald für "Sin City 2" und "The Night Job" vor der Kamera stehen.


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