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Kritik an "Music" Popsängerin Sia dreht einen Film über Autismus – ohne Autisten

Popsängerin Sia tritt mit einer auffälligen Perücke auf einem Festival auf.
Popsängerin Sia ("Chandelier", "Elastic Heart") scheut eher die Öffentlichkeit und fällt sonst vor allem mit ihren übergroßen Perücken auf.
© CITYPRESS24 / Picture Alliance
Harsche Kritik an Songwriterin Sia Furler: Mit ihrem Filmdebüt wollte sie einen "Liebesbrief" an Autisten schreiben, besetzt die Rolle einer autistischen Tänzerin aber nicht adäquat. Auf das entsetzte Echo reagiert sie beleidigt.

Vier Jahre lang arbeitete sie an ihrem Film-Debüt. Mit "Music" wollte die Sängerin und jetzt auch Regisseurin Sia Furler einen nachdenklichen Filmhit landen, der sich mit dem Autismus-Spektrum beschäftigt. Die Australierin, als Sia bekannt, wurde als Songwriterin und Sängerin mit gefühlvollen Hits wie "Chandelier", "Titanium" oder "Elastic Heart" berühmt.

Zum Nachdenken anregen wollte sie wohl auch mit dem Musicalfilm "Music", der aber schon vor dem eigentlichen Erscheinen stark kritisiert wurde. Der Grund: Eine der Hauptfiguren stellt ein autistisches Mädchen dar, das jedoch von der Tänzerin Maddie Ziegler gespielt wird — nicht von einer Autistin. Ziegler hat bereits in mehreren Musikvideos von Sia mitgewirkt und ist zudem ihre Patentochter.

Die Story: Kate Hudson spielt die kriminelle, alkoholkranke Zu, die sich plötzlich um ihre autistische Halbschwester Music kümmern soll. Hilfe erhält sie dabei von ihrem Nachbarn Ebo ("Hamilton"-Star Leslie Odom Jr.), der eigene Probleme hat. Den Soundtrack dazu liefert Sia selbst mit einem ganzen Album, von dem zehn Songs im Film vorkommen.

Schon bei der Bekanntgabe der Besetzung hagelte es Kritik

Als Sia im November über Twitter bekanntgab, dass eine nicht autistische Person die Rolle des Mädchens Music übernehmen würde, überrollte sie ein Shitstorm. Sia wurde sogar aufgefordert, den Film gar nicht erst zu veröffentlichen: "Das ist völlig inakzeptabel und dafür gibt es keine Ausreden. Sie sollten es besser wissen, statt zuzulassen, dass gesunde und neurotypische Menschen die behinderte Gemeinschaft repräsentieren. Es ist unglaublich beleidigend […]. Veröffentlichen Sie das nicht", hieß es.

Auch aus der Gemeinschaft des autistischen Spektrums reagierten Kritiker, beispielsweise auf die Veröffentlichung des Trailers: "Ich bin eine autistische Frau, und Gott, es fühlt sich an, als würde sich jemand nur über mich lustig machen. Alles an diesem Charakter ist schrecklich und verletzend. Es fühlt sich so kindisch an, als ob Music nicht einmal ihr eigenes Ich wäre."

"Verdammt noch mal, schaut euch den Film doch erst mal an"

Die Antworten der Sängerin klingen ungewohnt harsch. Bei der Ankündigung reagiert sie genervt und bittet darum, man möge den Film doch erst einmal anschauen, bevor man ihn beurteile. Auch im Redaktionsnetzwerk Deutschland verteidigt sie sich: "Ursprünglich wollte ich mit einer jungen Schauspielerin arbeiten, die selbst auch autistisch ist. Doch deren Mutter hat das Ganze gestoppt, weil es für ihre Tochter zu stressig wurde."

Kritik an "Music": Popsängerin Sia dreht einen Film über Autismus – ohne Autisten

Bei Twitter hatten sich autistische Schauspielerinnen angeboten, die Rolle auch kurzfristig zu übernehmen: "Mehrere autistische Schauspielerinnen, wie ich, antworteten auf diese Tweets. Wir alle sagten, wir hätten die Rolle auch kurzfristig übernommen. Aber die Ausreden sind eben genau das: Ausreden", urteilte jemand. Sias verächtliche Antwort darauf lautete: "Vielleicht bist du einfach eine schlechte Schauspielerin."

Kritikfähig scheint Sia nicht zu sein. Ihr Twitter-Profil hat sie inzwischen gelöscht, auf ihrem Instagram-Kanal sind die Kommentare deaktiviert.

Quellen: "Twitter"/ "Buzzfeed" / RND


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