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Schauspieler: Hansjörg Felmy ist tot

Als Essener "Tatort"-Kommissar Haferkamp war er wohl beim Publikum am beliebtesten. Nun wurde bekannt, dass Schauspieler Hansjörg Felmy gestorben ist. Er erlag einer langen und schweren Krankheit.

Der Schauspieler Hansjörg Felmy ist tot. Der Kollege und Freund Felmys, Peter Fricke, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur einen entsprechenden Bericht von "Bunte.T-Online.de". Wie Fricke von der Frau Felmys erfuhr, starb der ehemalige "Tatort"-Kommissar bereits am vergangenen Freitag im Alter von 76 Jahren zu Hause in Eching in Niederbayern. Felmy, der in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Claudia Wedekind verheiratet war, litt an Osteoporose. Zuletzt laborierte er an mehreren Lenden- und Brustwirbelbrüchen, von denen er sich nicht mehr erholte.

Als Essener TV-Kommissar Haferkamp hat Hansjörg Felmy "Tatort"- Geschichte geschrieben. Sein von ihm lange vor "Colombo" erfundener zerknautschter Mantel, seine geschiedene TV-Frau Karin Eickelbaum und seine Bouletten verschafften ihm schnell einen Kultstatus und machten ihn unvergessen unter seinen Krimi-Kollegen. Schon vor einigen Jahren beendete Felmy wegen gesundheitlicher Probleme seine Schauspielkarriere.

"Ein großartiger Schauspieler und Kollege"

Zuletzt war er Anfang der 90er Jahre in der ZDF-Serie "Hagedorns Tochter" zu sehen. Seine Fernsehtochter Anja Kling reagierte mit Betroffenheit auf die Nachricht vom Tod Felmys: "Wir haben während der Serie eine Vater-Tochter-ähnliche Freundschaft aufgebaut, die über die Serie hinausging", sagte die Schauspielerin Es habe auch in den letzten Jahren immer wieder "Kontakt zu Hannes gegeben. Er war ein großartiger Schauspieler und Kollege, der mir Mut gemacht hat, bei der Schauspielerei zu bleiben."

Peter Fricke würdigte Felmy als "liebevollen Kollegen und gefühlvollen und liebevollen Freund. Er war kein abgehobener Star und auch Kollegen gegenüber sehr sozial eingestellt." Er habe mit ihm wunderbare und erquickliche Jahre auf der Bühne erlebt. "Uns verband die Musik", sagte Fricke. "Er liebte vor allem den jungen Caruso."

Zuschauer verziehen Muffigkeit

Felmy war seinerzeit der beliebteste und bestbezahlte Fernsehpolizist. Dem Sympathieträger, der am 31. Januar 1931 in Berlin geboren wurde, verziehen die Zuschauer sogar seine Muffigkeit als Teil seines herzlich rauen Charakters. Dennoch dachte der "Charmeur mit dem Knittergesicht" nicht mit Wehmut an diese TV-Zeit zurück. "Es war richtig aufzuhören", sagte Felmy der dpa kurz vor seinem 75. Geburtstag.

Von den 20 "Tatort"-Folgen waren Felmy zufolge zwölf "echte Klasse", fünf gut und drei akzeptabel. "Doch später wurden die Drehtage immer weniger, und darunter litt - neben den nicht mehr so guten Büchern - auch die Qualität." In seinem letzten Lebensjahr verbrachte Felmy viel Zeit damit, sich wieder "aufzupäppeln". Nach Lenden- und Brustwirbelbrüchen machte er Übungen in 33 Grad warmen Wasser, um die Muskulatur zu stärken. Das kaputte Kreuz ließ sich aber nicht mehr reparieren. Dennoch äußerte der Sohn eines Berliner Fliegergenerals, es gehe ihm gut in seinem Rentnerdasein.

Lob von Erika Mann

Schon als Pennäler hatte er seinen eigenen Kopf und nach einem Streit mit seinem Lehrer vorzeitig das Gymnasium verlassen. "Ich bin zwar immer noch zu jeder Schandtat bereit, aber es gibt nichts, was mich interessieren könnte", sagte er. Sein Debüt als Bühnenschauspieler feierte Felmy 1949 als Arbeiter in "Des Teufels General". Seinen Durchbruch als Filmdarsteller schaffte er 1957 mit "Haie und kleine Fische". Am stärksten in Erinnerung blieb jedoch seine Rolle als Konsul Buddenbrook in der Thomas-Mann-Verfilmung von 1959. Für seine schauspielerische Leistung bekam er damals sogar Lob von Erika Mann.

Mit der Filmkrise in den 60er Jahren verblasste auch der Stern vom jugendlichen Helden und anständigen Deutschen am Kinohimmel. Verpassten Gelegenheiten trauerte der Leinwandliebling der späten Wirtschaftswunderjahre jedoch nicht nach. Damals galt der Filmsohn von Hans Albers ("Der Greifer") und Prototyp des anständigen Deutschen als möglicher Hollywood-Export. "Aber dann musst du immer dort sein. Und selbst dann bist du als Deutscher höchstens zweites Rad am Wagen."

Zum Schluss hieß es nur noch "Herr Kommissar"

Neben einigen Edgar-Wallace-Filmen zum Geldverdienen war es nun das Fernsehen, das ihn forderte. Dabei war es vor allem eine Figur, mit der bis zuletzt identifiziert wurde: die Rolle des Kommissars Haferkamp. Bis 1980 spielte er den nachdenklichen, gelegentlich muffeligen "Tatort"-Ermittler. Früher als andere erkannte Felmy jedoch die Gefahr, dass sich ein Gesicht schnell abnutzen kann. "Früher sagten die Leute auf der Straße noch, 'Herr Felmy' zu mir, später hieß ich dann 'Haferkamp' und zum Schluss oft nur noch 'Herr Kommissar' - da denkt man schon ans Aufhören."

Hilmar Bahr und Gert Böse/DPA / DPA