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Shirley Temple: Das "beste kleine Mädchen der Welt" wird 75

Shirley Temple, Kinderstar der 30er Jahre, bewahrte das Filmstudio 20th Century Fox mit ihren Erfolgen vor dem Bankrott. Nun wird sie 75.

"Shirley Temple ist nicht mehr mit einer Kontaktadresse gemeldet", versichert eine Mitarbeiterin des Schauspielerverbandes in Los Angeles, wo fast alle namhaften Darsteller registriert sind. Schließlich ist es über 50 Jahre her, dass der einst am besten bezahlte Star Hollywoods zum letzten Mal vor der Filmkamera stand. In über 40 Filmen spielte Shirley Temple mit, doch die meisten davon hatte sie bereits abgedreht, bevor sie ihren 10. Geburtstag feierte. Als Sechsjährige konnte sie bereits mit einem Ehren-Oscar spielen. Von 1935 an war sie einige Jahre lang Hollywoods zugkräftigster Kassenstar. "Das beste kleine Mädchen der Welt", wie sie von vielen Fans bezeichnet wurde, wird am heutigen Mittwoch (23. April) 75 Jahre alt.

"Ich war total damit beschäftigt, Spaß beim Drehen zu haben", erinnerte sich Temple kürzlich in einem Interview des "San Francisco Chronicle". "Das war lange vor dem heutigen psychologischen Geplapper", erwiderte der ergraute Kinderstar ganz gelassen auf die Frage, wie sie denn damals den Druck der Berühmtheit verkraftet habe. Das "süße kleine" Mädchen mit dem Lockenkopf, das mit knapp 4 Jahren beim Tanzunterricht von einem Talentsucher entdeckt wurde, hat mittlerweile selbst Enkelkinder. Seit über 50 Jahren ist die dreifache Mutter mit einem Geschäftsmann aus San Francisco verheiratet, wo sie auch weitab von Hollywood residiert.

Rettete 20th Century Fox vor dem Bankrott

Das Schicksal anderer Kinderstars, nach dem frühen Ruhm im Ruin und Rausch zu enden, blieb Shirley Temple erspart. Ein so erfolgreiches Leinwandkind wie ihres hat es zuvor und danach nie wieder gegeben. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erhielt sie täglich über 2000 Fan-Briefe und musste sich vor "Lockenjägern" verstecken, die es auf ihre Haare abgesehen hatten. Durch ihre Filmerfolge in Streifen wie "Der kleinste Rebell", "Rekrut Willie Winkie", "Stand Up and Cheer" und "Armes, kleines reiches Mädchen" spielte sie dem Studio 20th Century Fox über 30 Millionen Dollar Gewinn ein und rettete es so vor dem Bankrott. Auch als kleiner Werbestar für Puppen, Haarmittel und Seife verdienten Shirley und ihre ehrgeizigen Eltern ein Vermögen.

Selbst Präsident Roosevelt verfiel ihrem Dreikäsehoch-Charme und dankte Shirley Temple dafür, dass sie "Amerika mit einem Lächeln durch die Depression führte". Der 12-jährigen Darstellerin verging allerdings das Lachen, als ihr 44. Streifen "The Blue Bird" (1940) an den Kinokassen keinen Erfolg hatte und damit ihre Kinderkarriere beendete. Ihre späteren Versuche, als junge Frau im Filmgeschäft Fuß zu fassen, etwa mit "So einfach ist die Liebe nicht" (1946), endeten kläglich. Bei den Dreharbeiten zu ihrem letzten Film "Fort Apache - Bis zum letzten Mann" - mit John Wayne in der Hauptrolle - verliebte sie sich in den Schauspieler John Agar. Mit dem Rückzug aus dem Filmgeschäft ging auch ihre Ehe schnell in die Brüche.

Vom Film in die Politik

1950 heiratete Temple ihren jetzigen Gatten, den Geschäftsmann Charles A. Black. In ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter in einer Vorstadtvilla wandte sich Temple schnell einer weiteren Aufgabe zu. Über soziale Aktivitäten stieg sie in die Politik auf. Als engagierte Republikanerin kandidierte sie 1967 für einen Sitz im Kongress und wurde nur knapp geschlagen. Präsident Nixon machte sie zur UN-Delegierten, dessen Nachfolger Gerald Ford zur Botschafterin in Ghana. Für George Bush bezog sie 1989 den Posten des Botschafters in der damaligen Tschechoslowakei.

"Ich hatte ein wirklich großartiges Leben", resümierte Temple im vergangenen Dezember. Schon früher meinte sie häufig: "Vielleicht war ich eins der glücklichsten Kinder der Welt." Eine normale Kindheit war es jedenfalls nicht. "Ich habe früh aufgehört, an den Weihnachtsmann zu glauben", sagte sie einmal, "meine Mutter nahm mich mit in ein Kaufhaus, und der Weihnachtsmann dort wollte ein Autogramm von mir."

Barbara Munker