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Special Effects: Brandstifter auf Bestellung

Wenn beim Filmdreh am Ende der Stunt-Szene ein Auto in die Luft fliegt, ist das kein Zufall, sondern sorgfältige Planung. Mit acht Litern Bezin kann man es ruhig mal krachen lassen.

Die sonntägliche Ruhe wird je durch einen Ohren betäubenden Knall durchbrochen. Mitten in der Hamburger Innenstadt geht um 15.28 Uhr ein Opel Kadett in Flammen aus - Peter Wiemker hat ganze Arbeit geleistet. Der 44-Jährige ist der Mann für Spezialeffekte beim Film. Sein Auftrag diesmal: Einen zuvor von einem Stuntfahrer ordentlich ramponierten Wagen für einen ZDF-'Fernsehfilm der Woche' in Flammen aufgehen zu lassen - und zwar kameragerecht.

Ein langer Tag Vorbereitung

Bereits um 11 Uhr hat sich Wiemker mit seinen beiden Helfern auf den Weg in die City gemacht. In ihrem orangenen Transporter haben sie all das dabei, was die 30-köpfige Film-Crew vom 'Studio Hamburg' begeistern wird. "Ich denke, mit acht Litern Benzin können wir es hier heute ganz schön krachen lassen", sagt Wiemker.

Am frühen Nachmittag haben die Stuntleute den Opel für den Auftritt vorbereitet - alles ist weiträumig abgesperrt. Gekonnt rast Fahrer Udo Lüttig über eine Rampe gegen das Heck eines geparkten Wagen, der Opel überschlägt sich mehrfach und bleibt mitten auf dem Platz stehen. "Cut!" ruft Regisseur Matthias Glasner, als die Crashszene im Kasten ist, und bittet Wiemker loszulegen.

Benzin, Schwarzpulver, Zündspule

Knapp eine Stunde dauert es, dann ist im und am alten braunen Kombi alles präpariert. Wiemker hat Kunststoffflaschen mit Benzin gefüllt, ein paar Gramm Schwarzpulver in kleinen Päckchen wie Folienkartoffeln platziert. Die Zündschnüre sind angebracht und zur Zündspule außerhalb des Gefahrenbereiches verlegt. Glasner lässt den Platz räumen, wer nicht für Kameras oder Ton zuständig ist, muss abziehen. Die Mitarbeiter der Produktionsfirma tragen Gesichts- und Hörschutz als Schutz gegen umherfliegende Splitter und den Knall.

Gespannte Ruhe, nur das Surren der Zündspule ist zu hören. Dann lässt Wiemker es per Knopfdruck ordentlich krachen. Ein Feuerball schießt aus dem Opel, Rauch steigt auf. Erschrockene Anwohner, die nicht auf den Platz gucken und sehen können was hier los ist, alarmieren die Feuerwehr. Die kommt schnell und rückt ebenso schnell wieder ab, denn Wiemker hat ein eigenes Löschfahrzeug vor Ort und alles im Griff. Die Explosion war bei allen Behörden angemeldet, die Ortsangabe in der Notrufmeldung an die Feuerwehr jedoch zu ungenau, so dass vorsorglich einige Retter anrückten.

Schönes Feuer, doch der Ton kommt aus dem Archiv

"Beim Ton werden wir wohl später etwas aus dem Archiv dazu mischen müssen, damit es sich besser anhört, aber das Feuer hat schön gewirkt", zeigt sich der Regisseur zufrieden. Noch drei Mal muss Wiemker Teile des Wagens mit Brandpaste und einem Gasbrenner in Brand setzen, dann sind alle 'heißen Szenen' abgedreht.

Peter Wiemker, der 'Brandstifter vom Dienst', lässt es mit Spezialeffekten auf Wunsch für Szenen bei 'Tatort', 'Bandits' oder 'Großstadtrevier' sogar schneien. "Nichts ist unmöglich", erklärt Wiemker. Der gelernte Maurer ist über den Messe- und Bühnenbau zu den Spezialeffekten gekommen. Im Job verlässt er sich nur auf sich selbst, jedes Detail prüft er mehrfach gewissenhaft: "Bei der Sicherheit machen wir keine Kompromisse."

Timo Jann / DPA
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