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Film über Christine Chubbuck: Die Frau, die sich vor laufender Kamera das Leben nahm

Sie war erfolgreiche Journalistin und Moderatorin: Doch Christine Chubbuk war unglücklich, sie litt an Depressionen. Während einer Nachrichtensendung erschoss sie sich vor laufender Kamera. 40 Jahre später wird ihre Geschichte nacherzählt – als Film.

Von Kim Schwarz

Christine Chubbuck beging 1975 im Live-TV Suizid

Christine Chubbuck beging 1974 im Live-TV Suizid

Es war ein Montagmorgen in der Stadt Sarasota im US-Staat Florida. Die Nachrichtensendung "Suncoast Digest" war gerade im Fernsehen angelaufen. Christine Chubbuck, eine Frau mit langen, braunen Haaren und weichen Gesichtszügen, saß vor dem Pult und verlas die aktuellen Meldungen. Nur wenige Minuten war die Sendung alt, als die Journalistin plötzlich vom Sendeplan abwich – und die Zuschauer vor den Fernsehern Zeugen einer Tragödie wurden.

Christine Chubbuck blickte in die Kamera und sagte die Worte, die auch heute noch für Gänsehaut sorgen. "Übereinstimmend mit der Tradition von Channel 40, Ihnen die aktuellen Blut- und Ekelneuigkeiten live und in Farbe zu bringen, sehen Sie nun eine weitere, einen versuchten Suizid."

Die Moderatorin griff unter den Pult in ihre Handtasche, zog einen Revolver und schoss sich in den Kopf. Zeitungen berichteten später, dass sie erst vornüber fiel und dann auf den Boden. Christine Chubbuck starb 14 Stunden später im Krankenhaus, am 15. Juli 1974, im Alter von 29 Jahren. Es war das erste und letzte Mal, dass im US-Fernsehen ein Suizid vor laufender Kamera übertragen wurde.

Ein Ermittler untersucht den Tatort

Ein Ermittler untersucht den Tatort


Sundance Festival zeigt Film über Christine Chubbuck

Der Selbstmord der Journalistin schockierte das ganze Land. Vierzig Jahre später ist der Fall wieder in den Schlagzeilen: Als Film, der die Geschichte von Christine Chubbuck nacherzählt. Auf dem Sundance Film Festival in US-Staat Utah wurde das Drama nun erstmals einem größeren Publikum vorgeführt und sorgte für viel Anerkennung.

Die britische Schauspielerin Rebecca Hall spielt in dem Film "Christine" die Hauptrolle

Die britische Schauspielerin Rebecca Hall spielt in dem Film "Christine" die Hauptrolle

Die Hauptrolle in dem Film des US-Regisseurs Antonio Campos spielt die britische Schauspielerin Rebecca Hall. Sie verkörpert Christine Chubbuck in den letzten Tagen vor ihrem Tod.

Es gehe nicht darum, zu ergründen, warum genau die Journalistin die Tat begangen hat, sondern darum zu verstehen, was es heißt, psychisch krank zu sein, sagte Hall dem "Guardian".

Christine Chubbuck hatte Depressionen

Christine Chubbuck litt an Depressionen und war deswegen auch in psychiatrischer Behandlung. Ihr Bruder Greg sagte gegenüber dem "People"-Magazin, dass sie schon als Kind anders gewesen sei. Er und sein Bruder hätten schon immer gewusst, dass ihnen nicht viel Zeit mit ihrer Schwester bleibe.

In den Wochen vor ihrem Tod gab es vermehrt Hinweise darauf, was Chubbuck plante. So erhielt sie von ihrer Redaktion die Genehmigung, einen Bericht über Suizid zu verfassen. Bei den Recherchen fragte sie nach Angaben ihres Bruders einen Sheriff, wo man einen Revolver platzieren solle, wenn man sich umbringen wolle. Chubbuck schoss sich später hinter das rechte Ohr.

Videoaufnahmen von der Tat existieren nicht mehr. Nicht im Internet – und angeblich auch nicht im Privaten. Ermittler überreichten Chubbucks Mutter damals ein Band mit den Szenen, als Beweismittel. Doch niemand wisse, wo die Aufnahmen seien, sagte der Bruder – "und niemand wird es jemals wissen".


Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.


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