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Tribeca-Festival: Film "The Rocket" aus Laos räumt ab

Das Tribeca-Filmfestival hat seinen Ruf als Forum für cineastische Außenseiter auch in diesem Jahr wieder unter Beweis gestellt. Als besten Film wählte die Jury das laotische Drama "The Rocket" aus.

Nicht, dass es beim Tribeca-Filmfest an Promis und zugkräftigen Titeln mangeln würde. Neben Robert De Niro, einem der Gründer des Festivals, und Martin Scorsese ließen sich diese Woche die Hollywoodstars Clint Eastwood, Ben Stiller, Christopher Walken und Whoopi Goldberg in New York ablichten. Doch am Ende erwies die Tribeca-Jury einem wenig bekannten Filmemacher die höchste Ehre. Das Drama "The Rocket" über eine laotische Familie auf der Flucht wurde in der Nacht zum Freitag als bester Film gekrönt. Sein Regisseur Kim Mordaunt gewann außer der Trophäe 25.000 Dollar (etwa 19.000 Euro).

Dabei hatte die "New York Times" zunächst den Spielfilm "Stand Clear of the Closing Doors" als Favoriten betrachtet. Er zeigt die tagelange Irrfahrten eines autistischen Jungen durch das New Yorker U-Bahnnetz. Auch der deutsch-irische Film "Run and Jump" über die Veränderungen in einer jungen Familie nach dem Schlaganfall des Vaters fiel bei der Preisverleihung durch. Wer auf die deutsch-saudiarabische Koproduktion "Wadjda" über ein junges Mädchen in Saudi Arabien getippt hatte, wurde ebenfalls enttäuscht.

Katarina Witt auf der Leinwand

In der Kategorie Dokumentation wartete Tribeca in diesem Jahr mit weltbekannten Namen auf. Der amerikanische Sportsender ESPN stellte die Karriere der deutschen Eiskunstläuferin Katarina Witt in "The Diplomat", einer beeindruckenden 50-Minuten-Produktion, vor. Die ehemalige Sekretärin des New Yorker Milliardenbetrügers Bernie Madoff spekulierte in dem Film "In God We Trust" über Hintergründe und Mitschuldige des Finanzskandals.

Doch der Preis ging an "The Kill Team", eine Dokumentation über US-Soldaten in Afghanistan. Ihre Wahl begründet die Jury damit, dass die mangelnde Vorbereitung auf den Krieg den amerikanischen Militärs erlaube, "ohne ein Gefühl der Menschlichkeit auf Menschen zu zielen." Schon im vergangenen Jahr hatte die Tribeca-Jury für Überraschung gesorgt. Damals hießen die großen Gewinner "Una Noche" und "War Witch". "Una Noche" schildert die Fluchtversuche kubanischer Jugendlicher in die USA. In "War Witch" geht es um die traumatischen Erlebnisse eines 14-jährigen Mädchens im vom Krieg zerrütteten Kongo.

Anders als 2012 ist Deutschland jetzt mit einer Koproduktion unter den Preisträgern. "Before Snowfall" wurde für die beste Cinematographie ausgezeichnet. An dem Film zum Thema Zwangsheirat und "Ehrenmord" waren auch Norwegen und der Irak beteiligt. "Harmony Lessons", eine Koproduktion von Deutschland, Frankreich und Kasachstan, wurde von der Jury für seine Regie (Emir Baigazin) lobend erwähnt.

Gisela Ostwald, DPA / DPA